Der Topskorer von Volley Luzern springt auch im Dezember in den Vierwaldstättersee

Volley Luzern bittet zum Höhepunkt im Europacup: Mit Montpellier gastiert ein wohl übermächtiger Gegner in der Bahnhofhalle.

Stephan Santschi
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Der Lette Edvarts Buivids (am Ball) bevorzugt die «harten Shots».

Der Lette Edvarts Buivids (am Ball) bevorzugt die «harten Shots».

Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 27. Oktober 2019)

Der Sprung ins kalte Wasser, er zählt zu den regelmässigen Aktivitäten von Edvarts Buivids. Der lettische Nationalspieler in Diensten von Volley Luzern schwört auf diese Praxis, «es ist gut für die Gesundheit, ich war seit Jahren nicht mehr krank», betont er. Selbst im finnischen Winter bei seinem vorherigen Klub rückte er nicht von dieser Gewohnheit ab. Und so steht auch jetzt, im Schweizer Spätherbst, der Satz in den Vierwaldstättersee ein bis zwei Mal wöchentlich auf seiner Tagesordnung. «Leider habe ich bisher noch keinen meiner Teamkollegen dazu überreden können», sagt er schmunzelnd.

Wenn Luzerns NLA-Volleyballer am Mittwoch Montpellier Castelnau zum Hinspiel im Sechzehntelfinal des Challenge Cups empfangen, dürften sie aber im Kollektiv ins kalte Wasser geworfen werden. Zwar haben sie die Feuertaufe im Europacup bereits hinter sich, als sie in der dritten Qualifikationsrunde den luxemburgischen Meister Diekirch eliminierten. Doch was Luzern jetzt erwartet, ist nochmals eine andere Geschichte. «Wir bewegen uns auf einem unterschiedlichen Level, wir müssen realistisch sein», sagt Buivids vor dem Duell mit dem Drittklassierten der französischen Liga. Montpellier, das sieben Mal Meister wurde (letztmals 1975), ist für die Luzerner wohl ein übermächtiger Gegner.

Seinen Heimatort nennt man «lettische Schweiz»

Vor der Herausforderung wegducken wird sich der Underdog aber nicht, schon gar nicht Edvarts Buivids, der zwei Meter grosse und 100 Kilo schwere Diagonalangreifer. Er hat bei den Luzernern voll eingeschlagen, steht aktuell sogar an der Spitze des NLA-Skorer-Rankings. Damit ist er erfolgreich in die Fussstapfen seines Vorgängers Strahinja Brzakovic getreten – der Serbe beendete die letzte Saison als Liga-Topskorer. «Ich kenne Strahinja nicht persönlich, fühlte mich nicht speziell unter Druck gesetzt», berichtet Buivids. Dass ihm der Einstieg so gut gelungen sei, freue ihn aber durchaus.

Wie Brzakovic ist Buivids ein Mann mit schlagenden Argumenten, seine Punkte macht er mehrheitlich mit krachenden Smashes und nicht mit technischen Spitzfindigkeiten. «Das war schon zu meiner Zeit als Beachvolleyballer so. Ich bevorzuge harte Shots», erklärt der Lette, der am letzten Mittwoch den 26. Geburtstag feierte.

Beachvolleyball: Die Sommer-­Variante seines Sports stand vor ein paar Jahren ernsthaft zur Debatte, als er nach absolvierter Mittelschule in den Profisport wechseln wollte. Buivids nahm an diversen internationalen Turnieren teil, wurde Fünfter an der U23-WM und schaffte auf der World Tour vier Mal den Sprung ins Hauptfeld. Buivids schwärmt von den Reisen nach China oder Mexiko, Geld verdiente er damit aber keines. Und so wechselte er zurück in die Halle, verliess die Heimat, spielte für Klubs in Estland, Deutschland und Finnland, ehe er in diesem Sommer nach Luzern fand. In dieser Zeit hat er sich vom Bankdrücker über den Stammspieler bis zum Topskorer weiterentwickelt. Und auch neben dem Platz gefalle es ihm sehr gut, «Luzern ist eine schöne Stadt». Sein Heimatort Sigulda wird übrigens die lettische Schweiz genannt. «Wegen der schönen Landschaft, nicht wegen der Berge. Da können wir nicht mithalten.»

Nach dem Spiel folgt die Abkühlung

In Luzern hat Buivids eine Einzimmerwohnung bezogen, «mehr brauche ich nicht, da ich alleine hier bin. Das hat den Vorteil, dass ich weniger putzen muss», sagt er lachend. Der Nachteil ist, dass seine Freundin Diana in Lettland geblieben ist und ihn nur ab und zu besucht. «Das ist hart. Der Plan ist aber schon, dass sie im nächsten Jahr zu mir kommt.» Wie es nächste Saison weitergeht, wisse er noch nicht, das hänge von den Angeboten ab. «Eishockeyaner streben in die NHL, Basketballer in die NBA. Auch als Volleyballer träumt man von einer Topliga wie in Italien oder Russland.» Auch eine Qualifikation für eine Europameisterschaft oder sogar für die Olympischen Spiele mit Lettland, für das er seit drei Jahren spielt, zählt zu seinen grossen Karrierezielen.

Als Nächstes möchte Edvarts Buivids nun mit den Luzernern in die Top 4 der NLA einziehen, aktuell belegt die Mannschaft den fünften Platz. «Noch sind unsere Leistungen nicht stabil, es gibt viele Auf und Ab», hat er festgestellt. Der Rückstand auf Rang drei betrug nach der Hälfte der Qualifikationsphase aber nur einen Punkt, hinter den entrückten Amriswil und Schönenwerd präsentiert sich die Liga sehr ausgeglichen.

Und dann ist da eben dieses Highlight am Mittwoch, wenn das französische Spitzenteam aus Montpellier in Luzern gastiert. «Wir haben keinen Druck, wir wollen es geniessen und unser bestes Spiel zeigen. Im Sport kann alles passieren», betont Buivids. Wie auch immer die Partie ausgehen wird, danach wird er mit Sicherheit eine Abkühlung brauchen. Nicht mit einem Sprung in den See, sondern mit einer kalten Dusche, wie er sagt. Auch das gehört zu seinen Gewohnheiten.

Challenge Cup

1/16-Final. Hinspiel. Mittwoch, 19.30 Uhr: Volley Luzern – Montpellier Castelnau.

Rückspiel. 18. Dezember, 20.00 Uhr: Montpellier Castelnau – Volley Luzern.