MARATHON: Drei Gesichter unter Tausenden

Die Abgottspon-Drillinge Laura, Chantal und Sandrine absolvieren am Sonntag den Halbmarathon. Luzern ist fester Bestandteil ihres Wettkampfprogramms.

Jörg Greb
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Der bisherige Rekord von 9018 Finishern im Jahr 2011 dürfte in heuer angesichts der 10 600 Anmeldungen gebrochen werden. (Bild Dominik Wunderli)

Der bisherige Rekord von 9018 Finishern im Jahr 2011 dürfte in heuer angesichts der 10 600 Anmeldungen gebrochen werden. (Bild Dominik Wunderli)

Am Anfang hatte die Maturaarbeit von Laura Abgottspon gestanden. Der Marathon-Premiere widmete sie sich. Und natürlich zählte für die begeisterte Läuferin ein Selbstversuch dazu. Sie lief die 42,195 Kilometer vor fünf Jahren in Luzern. Da zogen auch ihre beiden Drillingsschwestern Chantal und Sandrine mit und bestritten den Halbmarathon. Daraus entwickelte sich eine Bindung zum Anlass. Regelmässig ist das spezielle Trio seither dabei.

Ähnliches Leistungsvermögen

Auch an diesem Sonntag. Den Halbmarathon haben sich die drei inzwischen 23-jährigen Abgottspon-Schwestern aus Büren im Kanton Solothurn vorgenommen. Alle drei laufend. Gemeinsam unterwegs. Der Tag verspricht für die Drillinge einmal mehr Spannung. «Wir laufen nicht miteinander, sondern gegeneinander und sind dennoch oft beieinander», sagen sie übereinstimmend. Ihr Leistungsvermögen ist sehr ähnlich. Diese Gewissheit erhielten sie spätestens bei einem Leistungsvergleich eines Schuhherstellers. Unabhängig voneinander liefen sie dieselbe 4-Kilometer-Strecke. Schliesslich unterschieden sich die Endzeiten nur durch wenige Sekunden.

Auch in Luzern muss die Schnellste nie lange auf die Langsamste der Abgottspons warten. 2009 liefen die drei innert 3:19 Minuten ein, 2011 innert 40 Sekunden und letztes Jahr innert 3:31 Minuten. Zweimal war Laura zuerst im Ziel, einmal Chantal. Und in diesem Jahr spricht vieles für Sandrine. «Ich trainiere seit diesem Frühling wie Laura im LSV Basel, machte Fortschritte und orientiere mich an meiner Halbmarathon-Bestzeit vom letzten Frühling in Freiburg: 1:32:53 Stunden.» Eine solche Bestzeit kann weder Chantal noch Laura vorweisen. Kommt hinzu, dass Sandrine, die Bank-Kauffrau, letztes Jahr durch eine Schulterluxation behindert gewesen war. Das führt zu einer ganz neuen Ausgangslage: «Für mich ist dieser Halbmarathon der zweite Saisonhöhepunkt, und da will ich meine Leistung bringen.» Das Nonstop-Radrennen Tortour um die Schweiz (in einem Viererteam, unter anderem mit Schwester Laura und Betreuerin Chantal) im Sommer war der erste.

Laura prophezeit Duell mit Sandrine

Geschenke machen sich die Drillinge unterwegs keine. Jede will für sich das Optimum herausholen. «In diesem Jahr wird es bestimmt wieder spannend und eng», sagt Laura, die in Basel Psychologie studiert. Sie stellt sich auf ein Duell mit Sandrine ein und orientiert sich an ihrer Luzern-Bestzeit aus dem letzten Jahr von 1:34:17. Als Gegeneinander empfindet sie diesen Wettstreit aber nicht. Vielmehr betont sie, wie sich alle gegenseitig unterstützen und anspornen: «Wir wollen das Beste füreinander und profitieren voneinander.»

Chantals Druckresistenz

Das gilt insbesondere für Chantal. Sie ist die ambitionierteste Sportlerin, gleichzeitig aber die unerfahrenste Langstrecklerin. Die Psychologie- und BWL-Studentin in Bern gehört dem Nationalteam der Wildwasserkanuten an. Tagtäglich trainiert sie auf dem Wasser. Das Laufen geniesst keine Priorität. Aber sie nutzt es vor allem im Herbst und im Winter zwei bis drei Mal pro Woche zur Abwechslung, als Ergänzung und zur Förderung der Ausdauer. Wettkämpfe aber bestreitet sie fast ausschliesslich in ihrer Hauptsportart.

Doch wie es sich für eine Wettkampfsportlerin ziemt, sucht Chantal auch in der Spartenfremde das Optimum: «Ich orientiere mich an meiner Bestzeit und will mich natürlich steigern.» Und mit einem Lächeln richtet sie sich an ihre Schwestern: «Es wäre wunderschön, wenn ich die eine oder andere oder auch beide schlagen könnte.» Denn trotz unspezifischster Vorbereitung streicht sie einen Vorteil hervor, der nicht unwesentlich ist: «Dank des Kanusports bin ich es am meisten gewohnt, mit dem Druck vor wichtigen Ernstkämpfen umzugehen.» Diesen mentalen Vorteil will sie nutzen.