MARATHON MÄNNER: Reto Dietiker – Der Ehrgeiz ist zurück

Der Hochdorfer siegt in 2:30.19 Stunden. Ohne den Luzerner Stadtlauf 2014, einen Wendepunkt in seinem Leben, wäre er erst gar nicht gestartet.

Stefan Klinger
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Reto Dietiker hat sich sechs Monate lang zielgerichtet vorbereitet und wird nun mit dem Sieg belohnt. (Bild Roger Zbinden)

Reto Dietiker hat sich sechs Monate lang zielgerichtet vorbereitet und wird nun mit dem Sieg belohnt. (Bild Roger Zbinden)

Was so ein Plauschrennen doch alles bewirken kann. 16 Monate lang hatte Reto Dietiker keinen Wettkampf mehr bestritten, als er Anfang Mai dieses Jahres beim Luzerner Stadtlauf teilnahm. Die Arbeitskollegen hatten den Lebensmittelingenieur, der vor drei Jahren wegen des Jobs von seinem Heimatort Balsthal SO nach Hochdorf gezogen war, damals überredet, mit ihnen am Stadtlauf im Firmenrennen mitzumachen. Ihn dazu überredet, erstmals nach 16 Monaten Abstinenz wieder an einem Volkslauf teilzunehmen. Denn genau das hatte den heute 31-Jährigen eine Zeit lang einfach nicht mehr gereizt.

Mehrfacher Schweizer U-23-Meister

Wer will es dem einst so hoffnungsvollen Talent verdenken – bei seiner Vorgeschichte. Immerhin gehörte Dietiker zum Ende der Teenagerzeit zu den besten Läufern des Landes. Über 5000 Meter, 10 Kilometer Strasse sowie im Halbmarathon und Crosslauf war er einst Schweizer Meister in der Kategorie U 23. Seine Halbmarathon-Bestzeit steht bei 1:06 Stunden.

Doch dann folgte die Schattenseite des Leistungssports. «Ein ganzer Haufen an Verletzungen», wie er es formuliert. So musste er sich unter anderem zweimal an den Wadenmuskeln operieren lassen, als 22-Jähriger zog er sich zudem einen Ermüdungsbruch in der Ferse zu. Das kostete ihn viel von dem durch jahrelanges Training erworbenen Leistungsvermögen, das zehrte an seiner Substanz. Das bedeutete schliesslich den Abschied vom Spitzensport. Zwar versuchte Dietiker noch ein paar Mal das Comeback, doch mit der Zeit musste er einsehen, dass es ihm nach ganz oben nicht mehr reicht.

Zunächst nahm er trotzdem weiterhin noch zum Plausch an verschiedenen Volksläufen teil, im Januar 2013 war ihm jedoch auch die Lust darauf irgendwie vergangen. Doch dann kam im Mai 2014 der Luzerner Stadtlauf. Das Firmenrennen über 3,28 Kilometer, bei dem er in 10.15 Minuten die schnellste Zeit aller 1363 Teilnehmer in dieser Kategorie lief. Das und die Erfahrungen in der Vorbereitung auf den Stadtlauf entfachten bei Dietiker die Begeisterung für den Laufsport aufs Neue.

Meisterschaft 2015 in Luzern

Sie spornten ihn so sehr an, dass er sein wöchentliches Sportprogramm intensivierte und sich ein Ziel setzte: die Teilnahme am Swiss City Marathon Ende Oktober in Luzern. Seinem ersten Marathon überhaupt. «Ich bin vor zwei Jahren hier den Halbmarathon gelaufen. Das war damals so schön hier, dass ich mir gedacht habe: Hier will ich meinen ersten Marathon laufen», sagt er.

Und so bereitete er sich in den vergangenen knapp sechs Monaten zielgerichtet vor. Er schrieb sich einen langfristigen Trainingsplan, steigerte Schritt für Schritt die Umfänge und bestritt zur Vorbereitung mehrere Volksläufe. Unter anderem den Greifenseelauf Ende September, bei dem er den Halbmarathon in 1:11.59 Stunden lief.

Das kontinuierliche Aufbautraining zahlte sich aus. Zwar habe er die letzten zwei, drei Kilometer ziemlich gelitten, gab Dietiker zu. Doch weil sein Vorsprung zu diesem Zeitpunkt schon so gross war, schleppte er sich nach 2:30.19 Stunden mit über zweieinhalb Minuten Vorsprung als Erster über die Ziellinie. «Ich habe mir insgeheim schon ausgerechnet, dass ich hier ganz vorne mitlaufen kann, weil ich wusste, dass ich um die 2:30 laufen kann», freute er sich, «aber dass es jetzt auch wirklich zum Sieg gereicht hat, und das gleich beim ersten Marathon – das ist super. Und das dann auch noch hier, wo so eine geniale Stimmung herrscht.»

Der Sieg am Luzerner Marathon und vor allem die damit und mit der Vorbereitung verbundenen Emotionen spornen Reto Dietiker nun erst recht an. Der Ehrgeiz ist zurück. Wenn im kommenden Jahr der Luzerner Marathon zugleich die Schweizer Meisterschaft im Marathon ist, will der 31-Jährige auf jeden Fall wieder an der Startlinie stehen.

Bis dahin will Reto Dietiker in der Lage sein, die 42,195 Kilometer auf der coupierten Strecke in und um Luzern in etwa 2:20 Stunden absolvieren zu können. Ob ihm das dann wieder aufs Podest reicht, wird sich zeigen.