MARATHON-PREMIERE: Martina Fischler: «Eigentlich war ich früher sehr unsportlich»

Martina Fischler (25) ist zum ersten Mal einen Marathon gelaufen. Die Herausforderung wurde zu einem schönen Erfolgserlebnis.

Anja Glover
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Martina Fischler: «Ich glaube, ich habe während des ganzen Laufs gestrahlt.» (Bild Roger Zbinden)

Martina Fischler: «Ich glaube, ich habe während des ganzen Laufs gestrahlt.» (Bild Roger Zbinden)

Die Stimmung ist geladen, ein Gerangel beim Start macht auf den bevorstehenden Lauf aufmerksam. Mittendrin: Martina Fischler. Die 25-Jährige will zum ersten Mal einen Marathon absolvieren. Sie atmet tief ein und füllt ihre Lunge mit der winterlich kalten Morgenluft. Nervös blickt sie auf ihre Füsse: «Die längste Strecke, die ich bisher gelaufen bin, betrug rund 26 Kilometer», so Fischler. Das ihr nun bevorstehende Unterfangen ist weitaus länger: 42,195 Kilometer gilt es zu durchlaufen. Ehe sie es sich nochmals anders überlegen kann, geht es auch schon los. Kurz nach 9 Uhr fällt der Startschuss, die Masse bewegt sich aus dem Ziel heraus, nun wird gerannt.

Staatsexamen bestanden

«Eigentlich war ich früher sehr unsportlich», erklärt die Luzernerin lächelnd. Es muss im zweiten Semester gewesen sein, als Studiumkollegin Sandra Hunziker eine Sportpartnerin gesucht hatte. «Sie war anfangs sehr geduldig mit mir, und so kam es, dass ich nun seit fünf Jahren drei- bis viermal pro Woche durch den Wald renne.» Hunziker motivierte Fischler auch für den Swiss City Marathon in Luzern.

Ehrgeizig sei sie aber schon immer gewesen. «Ich arbeite sehr hart, um meine Ziele zu erreichen», sagt Martina Fischler und strahlt. Sie hat auch allen Grund zum Glücklichsein: Vor ein paar Tagen hat sie ihr Staatsexamen bestanden, nachdem sie sechs Jahre an der Universität Zürich Medizin studiert hatte. Nach der sportlichen Marathon-Her­ausforderung in Luzern steht nun als Nächstes die Doktorarbeit auf dem Programm.

«Sobald ich mit dem Rennen begonnen hatte, fühlte es sich routiniert an», erzählt die Luzernerin. Sandkastenfreundin Vera Voney läuft neben ihr, sie wird den Halbmarathon rennen und die ersten zehn Kilometer an Fischlers Seite sein. Die Menge ausserhalb der Absperrung tobt. «Die Energie der Leute und der Musik an solchen Läufen überträgt sich schnell auf mich», erklärt Fischler. Auch bei diesem Lauf soll es so sein. «Ich glaube, ich habe während des ganzen Laufs gestrahlt, ich war einfach glücklich», so Fischler. Die freudige Menschenmenge, die geladene Stimmung und ihre Vorfreude motivierten die Sportlerin ungemein. «Ich hatte ein paar Mal Seitenstechen, vor allem immer dann, wenn ich schneller gerannt bin, als ich es trainiert habe, ansonsten ging es mir gut.»

Der späte Kampf

Nach 35 Kilometern begann dann aber doch ein Kampf. Dieser war allerdings nur körperlicher Natur. «Ich habe keinen Moment ans Aufgeben gedacht», erzählt sie stolz. Und tatsächlich, der Zufall wollte es, dass ihre Eltern gerade an der Stelle standen, an welcher es kritisch wurde. «Das gab mir die nötige Kraft, das Unterfangen durchzuziehen.»

Martina Fischler hat es geschafft, nach 4 Stunden, 13 Minuten und 47 Sekunden hat sie ihren ersten Marathon absolviert und ist überwältigt: «Ich bin total zufrieden und glücklich», erzählt sie noch immer strahlend. Im Moment könne sie zwar kaum mehr gehen, und den richtigen Schmerz werde sie wahrscheinlich erst noch zu spüren kriegen. Trotzdem: «Das wird wahrscheinlich nicht mein letzter Marathon gewesen sein», sagt Martina Fischler.