Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Die Nottwiler Marathon-Siegerin Franziska Inauen und der Luzern-Zauber

Die Nottwiler Langstreckenläuferin Franziska Inauen gewinnt zum vierten Mal, zum dritten Mal in Folge.
Jörg Greb
Erleichtert: die Luzernerin Franziska Inauen beim Zieleinlauf. (Bild: Corinne Glanzmann)

Erleichtert: die Luzernerin Franziska Inauen beim Zieleinlauf. (Bild: Corinne Glanzmann)

Und plötzlich sind Leichtigkeit, Lockerheit und Entspanntheit verflogen. Auf den letzten Metern verhärtet sich Franziska Inauens Blick. Ihre Beine wirken steif, schwer. Nichts ist zu erkennen von der Freude, dem entspannten Lachen, befreiten Jubeln – alles bekannt und bewundert bei Franziska Inauen, insbesondere bei ihren drei Marathontriumphen von 2014, 2017 und 2018 in Luzern. Nun läuft sie zwar wieder als Siegerin ein, aber die 33-Jährige aus Nottwil stützt sich unmittelbar nach dem Durchlaufen des Siegerbandes entkräftet am Abschrankungsgitter. Sie taumelt. «Die letzten Meter waren hart», sagt sie, «ich ha nüm möge.»

Inauen hatte ihre Schwierigkeiten unterwegs bemerkt. Sie wollte in der Schlussphase dagegenhalten – nochmals trinken, dem Körper Flüssigkeit und zusätzliche Energie zuführen. Das funktionierte nicht. Sie verschluckte sich: Mit argen Atemproblemen sah sie sich nun konfrontiert. Obwohl ihr dies so noch nie widerfahren ist, wusste sie, wie reagieren: «So etwas ist Kopfsache.» Und das Rezept: «Nicht daran denken.» Sie erreichte die Ziellinie, und nach einigen wenigen tiefen Atemzügen kehrte die Energie zurück – und damit die Begeisterung, die Worte, die Glücksgefühle.

Gesunde Gelassenheit

Inauen sagte: «Der Marathon in Luzern, das ist für mich wie ein Zauber. Er ist einzigartig, berührend, beflügelnd.» Und sie betonte, dass der Swiss City Marathon Lucerne auch diesmal «mein Marathon» gewesen sei. Nur wenige Minuten nach ihrer scheinbar völligen Verausgabung sprach sie vom Geniessen, den «vielen wunderschönen Begegnungen, den Kilometern, die sich eignen zum Fliegen.» Und sie strich die Qualitäten der Strecke hervor, die Abwechslung, die Topografie, die Stadt, das Naturnahe, die Hotspots mit den Musikbands. Und die Leute. Als besonders begeisterungs­fähig und herzlich empfindet sie die Zuschauer immer wieder. Und sie fühlt sich wiederholt persönlich angesprochen, dann, «wenn ich ‹Hopp Franzi!›-Rufe höre und nicht ‹Hopp Franziska!›, wie auf der Startnummer zu lesen ist.» Und ein überzeugendes Argument führte sie an zur gängigen Meinung, dass das Laufen von zwei Runden besonders anspruchsvoll sei. Inauen sagt: «Auf Runde zwei weiss ich, worauf ich mich freuen kann, und das spornt an.»

Die Treue von Franziska Inauen zum Heimrennen ist einzigartig. Bei zehn der bisher 13 Austragungen war sie mit von der Partie, sieben Mal im Marathon, vorher, zwischen 2008 und 2010, drei Mal im Halb­marathon. Besonders in diesem Jahr ist, dass die Ergotherapeutin an einer Heilpädagogischen Schule in Zug zuvor nur einen Wettkampf bestritten hat – den Gornergrat Zermatt Marathon Anfang Juli (Platz 7). «Es hat sich nicht mehr ergeben», sagt die ungewohnt denkende Leistungssportlerin dazu. Sie zügelte – von Windisch nach Nottwil. Sie war mehr polysportiv tätig. Am Jungfrau-Marathon war sie gemeldet, fühlte sich aber kurz davor nicht genügend bereit und verzichtete. Vor Luzern aber sagte sie: «Jetzt passen Gefühl und Vorfreude, und das sind meine wichtigsten Gradmesser.» Sie, die Intuitionsläuferin, die ohne Uhr und Plan unterwegs ist, baut in erster Linie auf ihrer Freude und dem Vertrauen in die eigenen Empfindungen. Und so nennt Franziska Inauen auch ihr Motto, zu dem sie selber sagt, es töne so harmlos: «Das oberste Ziel ist zufrieden und gesund einlaufen.» Fragt sich, wie die Intuitivläuferin, die nach eigenen Angaben «wenig ins Schema passt und anders funktioniert als andere Erfolgsläuferinnen» zu ihrer Einstellung gefunden hat.

Auf der Hand liegt die Antwort nicht, auch für sie selber nicht. Dennoch sagt sie: «Wichtig waren für mich zwei längere Auslandaufenthalte in Uganda und in Griechenland.» Auf diese führt sie ihre gesunde Gelassenheit unter anderem zurück. Sie sagt: «Mir fällt kein Zacken aus der Krone, wenn’s nicht rund läuft. Denn schliesslich gibt es grössere Probleme.» Da spielte es keine Rolle, dass sie mit ihren 2.55.03 Stunden die Topzeit vom Vorjahr von 2.51.07 um fast vier Minuten verpasste.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.