MARATHON: Strähl – spontaner gehts kaum

Die Murtenlauf-Siegerin und Jungfrau-Marathon-Dritte Martina Strähl gibt in Luzern ihr Debüt in einem Flach-Marathon – inkognito, ohne spezifische Vorbereitung.

Jörg Greb
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Martina Strähl am 6. Oktober bei ihrem Sieg am Murtenlauf. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Martina Strähl am 6. Oktober bei ihrem Sieg am Murtenlauf. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Diese Form, dieses Laufgefühl, diese Freude – Martina Strähl kam nach dem Triumph am Murtenlauf am ersten Oktober-Sonntag zu wunderbaren Empfindungen. Und aus diesen entwickelte sich ein Wunsch. Die 42,195 km laufen, in der Ebene, vor Augen eine Zeit, die sie nächsten Sommer ins Gespräch für die Leichtathletik-Europameisterschaften in Zürich bringen wird. Denn, so Strähl: «Dabei sein an diesem Grossevent ist für mich sehr reizvoll, und der Marathon übt auf mich die grössere Motivation aus als die 10 000 m auf der Bahn.»

Vorerst befasste sich die 26-jährige Psychologiestudentin aus dem solothurnischen Oekingen mit dem Turin-Marathon von Mitte November. Luzern wollte sie «auf dem Weg nach Italien als Wettkampftest über die Halbdistanz» einplanen. Bis Montag dieser Woche dachte sie so. Ehe sie sich sagte: «Die Form stimmt jetzt, ich fühle mich derart gut, warum versuche ich es nicht in Luzern?»

Bauchentscheid birgt Risiken

Natürlich, und dessen ist sich Strähl durchaus bewusst, geht sie mit diesem «Spontanentscheid aus dem Bauch her­aus» ein gewisses Risiko ein. «Eine spezifische Vorbereitung habe ich nicht hinter mir, ich hatte keine Trainings von mehr als 20 Laufkilometern», sagt sie. Zudem gilt die Strecke mit ihren Wellen und den Ecken in der Altstadt nicht als besonders schnell. Diesen Mankos tritt sie aber mit mentaler Gelassenheit und Stärke entgegen. «Das ist ein Experiment. Ich versteife mich nicht auf irgendeine Zielzeit, sondern sehe das Ganze als Chance.»

Und die eigentliche Belastungsdauer ist es nicht, die ihr Unbehagen einflösst: «Trainingseinheiten von gegen drei Stunden gehören bei mir immer wieder dazu.» Nur nicht zu Fuss, sondern kombiniert mit dem Velo. Seit sie von Ermüdungsbrüchen heimgesucht wurde, hat sie gelernt, sich dosierter zu fordern. Eine Frage im Hinblick auf den Marathon bleibt dennoch: «Ist meine Muskulatur der Belastung, insbesondere den Schlägen gewachsen?» Doch diese Ungewissheit belastet nicht sonderlich. So oder so befreiend wirkt das Wissen einer «sehr guten Saison». Das nimmt Druck von ihren Schultern.

Unbeschwert, aber nicht planlos

Bewusst hat sich Martina Strähl für Luzern entschieden, wo sie kein Startgeld bekommt, keine Siegprämie ausgeschrieben ist und die Organisatoren auf das Engagement von Topläuferinnen und -läufern verzichten – und ihr keine Tempomacher zur Seite stehen dürfen. «Ich will unbeschwert laufen. Entweder geht die Rechnung auf, oder sie geht nicht auf», sagt sie. Wobei, unbeschwert heisst nicht planlos: Die EM-Limite von 2:44 Stunden hat sie ebenso im Kopf wie eine deutlich bessere Zeit. «Zwischen 2:38 und 2:44 Stunden traue ich mir zu», sagt sie. Ins Rennen steigen wird sie daher mit einem Zeitplan, der auf das Maximum hin tendiert. Die einzelnen Kilometer wird sie in Zeiten von 3:40 bis 3:50 Minuten laufen. Und um das zu kontrollieren, greift sie zu einem Hilfsmittel, auf das sie sonst verzichtet: eine Laufuhr. «Alles wird neu», sagt sie lächelnd.

Und spannend wird der Quervergleich mit Frankfurt sein, wo etliche der besten Schweizer Marathonläuferinnen gleichentags an den Start gehen werden: Maja Neuenschwander, Ursula Spielmann-Jeitziner, Magali Di Marco, Luzia Schmid, Monika Oberlin oder Daniela Aeschbacher. Ihnen allen geht es darum, sich im Hinblick auf die Zürich 2014 vorteilhaft zu positionieren. Strähl kümmert dies wenig: «Mir geht es um mich, um meine Leistung – und wie es auch herauskommt: Ich freue mich bereits jetzt auf die darauffolgende Trainings- und Wettkampfpause.»

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