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Mehr als ein Exot: Obwaldner Carlos Mäder fährt für Ghana an der WM in Åre

Der Obwaldner Carlos Mäder vertritt Ghana an den Weltmeisterschaften. Nun will der 40-Jährige in seinem Heimatland einen Skiverband gründen.
Claudio Zanini, Åre
Carlos Mäder vor dem «House of Ghana» in Åre. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone, Åre, 12. Februar 2019)

Carlos Mäder vor dem «House of Ghana» in Åre. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone, Åre, 12. Februar 2019)

Die Spaghetti kochen, der Tisch ist für 12 Personen gedeckt. Die Kollegen von Carlos Mäder wären bereit zum Essen. Doch weil der Obwaldner an dieser WM für Ghana startet, kommen täglich Medienvertreter in seinem Haus vorbei. Er nennt es House of Ghana, in Anlehnung an die Treffpunkte der grossen Skinationen. Mäder hat sein Nationenhaus via Airbnb gemietet, es kostet über 4000 Franken für eine Woche, dafür hat es genügend Zimmer für seine Freunde. «Also, wir können essen», ruft seine Kollegin, während er von einem Reporter für einen Videobeitrag verkabelt wird. Er muss sich gedulden.

Mit dem ganzen Freundeskreis ist Mäder nach Schweden gereist. 12 Leute, alle haben eine Funktion, jeder ist akkreditiert. Der eine geht als Teamchef an die Mannschaftsführersitzung, der andere macht den Chauffeur, der dritte übernimmt die Medienarbeit. Bei aller Halbprofessionalität erinnert die Szenerie im House of Ghana aber vor allem an eines: an Skiferien unter Kumpels.

Mäder ist 40-jährig und in Ghana geboren. Als achtmonatiges Kleinkind wurde er von einem Ehepaar aus Giswil adoptiert. Dort lernte er auf der Mörli­alp Skifahren und schloss sich später dem Skiklub an. Er war nicht nur im Skifahren talentiert, er spielte auch Fussball. Bis in die U18 des FC Luzern und die In­nerschweizer Regionalauswahl schaffte er es. In seinem Team spielte etwa Gerardo Seoane, der heutige YB-Trainer.

Die Offiziellen aus Ghana

Im Vorfeld der Olympischen Winterspiele in Südkorea wuchs in Mäder im Sommer 2017 das Vorhaben, für Ghana im Riesenslalom zu starten. Das war mit ­einigem bürokratischen Aufwand verbunden. Denn in Ghana fehlen die Verbandsstrukturen für den Wintersport. Auf Unterstützung konnte er nicht zählen. Von der FIS-Lizenz über das Skimaterial bis zum Renndress musste er alles organisieren. Sämtliche Sponsoren zog er selbst an Land. Es sollte ein längerfristiges Projekt werden mit Teilnahmen an drei Grossanlässen: Winterspiele 2018, Ski-WM 2019 und Winterspiele 2022. Die Olympiaquali für Pyeongchang verfehlte er, für die WM in Åre reichte es.

Drei Offizielle von Ghana Olympics, dem Nationalen Olympischen Komitee, hätten angekündet, Mäder in Schweden besuchen zu wollen. «Ich bot ihnen an, beim Visa-Prozess und der ganzen Organisation der Reise zu helfen», sagt er. Als er aber erwähnte, er würde ihnen die Rechnung für ihre Reise zustellen, hörte er lange nichts mehr aus Afrika. Vor zwei Wochen fragte er nach, gerne hätte er die Delegation zum Essen eingeladen. Die Funktionäre meldeten sich per Mail. Die Reise müsse gestrichen werden, da die dänische Botschaft die Visa ablehnte. Mäder lacht. «Ich habe höflich zurückgeschrieben, dass Åre in Schweden liegt.»

Schwieriges Qualifikationsrennen

Carlos Mäder bloss als einen exotischen Selbstdarsteller zu sehen, würde diesem Projekt nicht gerecht werden. Ihm geht es nicht nur um sich. Er unterstützt mit überschüssigem Sponsorengeld das Hilfsprojekt Hope for Ghana. Vor allem will er aber einen ghanaischen Skiverband aufbauen. «Wenn alles nach Plan läuft, werde ich nach der WM nach Ghana reisen und dort die Ghana Ski Association gründen. Vorgesehen ist, dass ich den Verband präsidiere», sagt er. «In solchen Funktionen bin ich besser als im Skifahren.»

Er ist ein mitreissender Typ. Andere für seine Ideen zu begeistern, fällt ihm leicht. Der Arbeitgeber eines Kollegen war von Mäder so angetan, dass er ihm gratis einen Bus für den Trip nach Schweden zur Verfügung stellte. Bruno Vogler, ein Freund von Mäder, der das Projekt schon seit ­Beginn an begleitet, sagt: «Es bräuchte sehr viel, dass Carlos aufgibt. Er ist sehr ehrgeizig, aber auch sehr hilfsbereit.»

Sein Skifahren ist dagegen nicht ganz konkurrenzfähig. Das zeigte sich, als Mäder am Donnerstag das Ausscheidungsrennen für den Riesenslalom bestritt. 120 Fahrer standen am Start, er belegte nur den 93. Platz. Ins WM-Rennen schafften es die 25 Schnellsten. Und zusätzlich erhielten die 25 besten Nationen, die noch nicht im Teilnehmerfeld waren, einen Startplatz. Für Mäder reichte es nicht. Eine zweite Chance bekommt er noch im Slalom. Der Aufwand habe sich so oder so gelohnt, sagte Mäder bereits im Vorfeld. «Ich bin mit meinen besten Freunden hier. Wie eine Klassenfahrt, ex­trem schön.» Die Kollegen haben vor dem House of Ghana eine Schneebar gebaut, es brennt ein Feuer, es riecht nach Kafi und Schnaps. Sie werden diese Woche in Schweden wohl nie ver­gessen.

Hoffnungen ruhen im Riesenslalom auf Meillard

Das Schweizer Quartett für den WM-Riesenslalom am Freitag, das sind Thomas Tumler, der mit seinem unerwarteten 2. Rang Anfang Dezember in Beaver Creek den Bann gebrochen hat, seither aber oft Mühe bekundet, das erforderliche Niveau in den Läufen über die gesamte Distanz zu halten, Marco Odermatt, der sein Talent in seiner ersten kompletten Weltcupsaison schon mehrfach gezeigt hat und in Åre ohne Druck antreten kann, Gino Caviezel, der nach wie vor Mühe bekundet, den letzten Schritt Richtung Spitze zu tun – und Loïc Meillard. Der Neuenburger aus dem Wallis ist in diesem Winter im Alter von 22 Jahren im Bund der besten Fahrer angekommen. Nach den Plätzen 4, 5 und 8 in den ersten drei Riesenslaloms in Beaver Creek, Val d’Isère und Alta Badia schaffte es Meillard in Saalbach-Hinterglemm innert 24 Stunden im Riesenslalom und im Slalom als Zweitplatzierter aufs Podium. (sda)

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