Kolumne

Einblick ins private Fotoalbum: Das sind die zehn schönsten Momente der Karriere von Steffi Buchli

Das C-Virus schlägt unserer Kolumnistin Steffi Buchli aufs Gemüt. Um der Dauer-Berieselung von Bad-News etwas entgegen zu treten, hat sie während eines Cappuccinos im Homeoffice ihre erinnerungswürdigsten Erlebnisse zusammengestellt – garantiert virenfrei!. Lesen Sie rein.

Steffi Buchli
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Nr. 10, Usain Bolt: Lässt sich fast ausschliesslich von seinem goldenen Smartphone beeindrucken – bis die Patrouille Suisse kommt.
10 Bilder
Nr. 9, Chinesische Mauer. Meine ersten Olympischen Sommerspiele, Peking 2008, ich will gesund bleiben, darum setze ich auf Echinacea Tropfen.
Nr. 8, Fussball-WM, unterwegs als Reporterin in Rio de Janeiro. Gefühlt nie Feierabend, meine Beiträge werden erst spätabends im Bett fertig.
Nr. 7, Robbie Williams, ich kichere wegen seines Kompliments wie ein Teenager und kann nur noch stammeln.
Nr. 6, Steffi Graf, welch Charisma! Mein Poster im Kinderzimmer von André Agassi verschweige ich –wegen ihr.
Nr. 5, Olympia, Rio de Janeiro, es gibt keinen schöneren Arbeitsplatz als am Strand. Frisur verzauselt vom Orkan? Kann halt auch vorkommen.
Nr. 4, 12 Stunden live bei der Formel E, was so eine schwache Minute an einer Sitzung alles bewirken kann!
Nr. 3, Ski-WM in St.Moritz, Sendung «Champiuns », ich bin so richtig im Element. Und begeistert von Hansi Hinterseer.
Nr. 2, mein eigenes Buch. Schön, mal etwas Handfestes zu erschaffen.
Nr. 1, sich einen Sportsender basteln, das kostet Nerven, ich spüre Druck und Verantwortung wie nie. Ich schwanke zwischen Zuversicht und Panik - aber die Glücksgefühle vergesse ich nie.

Nr. 10, Usain Bolt: Lässt sich fast ausschliesslich von seinem goldenen Smartphone beeindrucken – bis die Patrouille Suisse kommt.

Was ist in der momentanen Krise das Schwierigste? Wir sind einer Dauerberieselung mit Viren-Bad-News ausgesetzt. Das schlägt aufs Gemüt, selbst einer Frohnatur wie mir. Darum liefere ich Ihnen garantiert eine C-Wort-freie Kolumne. Auf geht’s.

Mein Ziel: Ich erstelle die Hitliste ­meiner «Business-feelgood-Momente». Weil ich kein Tagebuch schreibe und auch sonst keine Erinnerungsstücke sammle, halte ich einfach mal einen Espresso lang den Kopf schräg in meinem Homeoffice und schaue, was da so zusammenkommt. Et voilà – Trommelwirbel – meine zehn Lieblingsgeschichten.

Nr 10. Usain Bolt und die Kampfjets

Nr. 10, Usain Bolt: Lässt sich fast ausschliesslich von seinem goldenen Smartphone beeindrucken – bis die Patrouille Suisse kommt.

Nr. 10, Usain Bolt: Lässt sich fast ausschliesslich von seinem goldenen Smartphone beeindrucken – bis die Patrouille Suisse kommt.

Ich traf den Leichtathletik-Superstar vor der Athletissima. Wir hatten ein exklusives 30-Minuten-Interview-­Fenster. Bolt mit Entourage kam pünktlich in der gemieteten Hotelsuite an, den Blick aufs goldene Smartphone geheftet, unbeeindruckt von mir und dem Interview-Set auf der Terrasse. Just als ich die erste Frage stellte, wurde es ohrenbetäubend laut. Die Patrouille Suisse trainierte über uns. Usain Bolt wurde blitzartig aus seinem «ich bin so gelangweilt»-Film gerissen, lachte laut und wollte wissen, was hier denn los sei.

9. Echinacea – Chinas Geschmack

Nr. 9, Chinesische Mauer. Meine ersten Olympischen Sommerspiele, Peking 2008, ich will gesund bleiben, darum setze ich auf Echinacea Tropfen.

Nr. 9, Chinesische Mauer. Meine ersten Olympischen Sommerspiele, Peking 2008, ich will gesund bleiben, darum setze ich auf Echinacea Tropfen.

Was ist das wichtigste auf geschäftlichen Grossprojekten? Gesund bleiben. Das habe ich mir bei den olympischen Spielen von Peking, meinen ersten Sommerspielen vor Ort, zum Ziel gesetzt. Entsprechend nahm ich täglich mehrfach Echinacea zur Stärkung der Abwehrkräfte zu mir. Noch heute schmecken diese Tropfen für mich nach «Peking» und erfüllen mich mit wunderbaren Erinnerungen.

8. Vertonen unter der Bettdecke

Nr. 8, Fussball-WM, unterwegs als Reporterin in Rio de Janeiro. Gefühlt nie Feierabend, meine Beiträge werden erst spätabends im Bett fertig.

Nr. 8, Fussball-WM, unterwegs als Reporterin in Rio de Janeiro. Gefühlt nie Feierabend, meine Beiträge werden erst spätabends im Bett fertig.

Während der Fussball-WM in Brasilien war ich für die Rubrik „Intimo Brasil“ in Rio de Janeiro. Olivier und ich bildeten ein Zweierteam. Lange Drehs, noch längere Fahrten – und gefühlt nie Feierabend. Geschnitten haben wir das Filmmaterial auf dem Zimmer, vertont unter der Bettdecke. Täglich waren wir ca. 18 Stunden zusammen unterwegs. Da half nur eines, um die Geschäftsbeziehung zu retten: getrennt Znachtessen.

7. «Oh, wie gut du riechst!»

Nr. 7, Robbie Williams, ich kichere wegen seines Kompliments wie ein Teenager und kann nur noch stammeln.

Nr. 7, Robbie Williams, ich kichere wegen seines Kompliments wie ein Teenager und kann nur noch stammeln.

Die Sportsawards waren die grösste Kiste, die ich bei SRF je moderieren durfte. Dreimal hatte ich die Ehre, immer mit Rainer Salzgeber. Am Tag der Sendung war ich stets unglaublich angespannt, sehnte den Start herbei. Nach der ersten Moderation kam dann der Flow und der Spass begann. Einmal war Robbie Williams unser Gast in der Sendung. Beim Interview meinte er, dass er mein Parfüm möge. Ich kicherte wie ein Teenager und stammelte meine Frage zu Ende. Unvergessen!

6. Zwei wie Feuer und Eis

Nr. 6, Steffi Graf, welch Charisma! Mein Poster im Kinderzimmer von André Agassi verschweige ich –wegen ihr.

Nr. 6, Steffi Graf, welch Charisma! Mein Poster im Kinderzimmer von André Agassi verschweige ich –wegen ihr.

Steffi Graf und André Agassi kamen für ein Show-Spiel nach Zug, wo ich die beiden traf. Grafs Charisma hatte mich seit jeher beeindruckt. Sie war dann auch ganz klar der Boss dieses Zweierteams, betrat den Raum zuerst und füllte ihn mit ihrer Aura. Was für eine Erscheinung! Sehr höflich, aber gleichzeitig extrem distanziert. Ich bin fast vor Ehrfurcht erstarrt, ich gebe es zu. Er hatte noch einen leichten Kater vom Vorabend, war gut aufgelegt, zugänglich und in Plauderlaune. Gern hätte ich ihm gesagt, dass in meinem Teenager-Zimmer einst ein Poster von ihm hing, ich habe mich aber nicht getraut. Wegen ihr.

5. Der schönste Arbeitsplatz

Nr. 5, Olympia, Rio de Janeiro, es gibt keinen schöneren Arbeitsplatz als am Strand. Frisur verzauselt vom Orkan? Kann halt auch vorkommen.

Nr. 5, Olympia, Rio de Janeiro, es gibt keinen schöneren Arbeitsplatz als am Strand. Frisur verzauselt vom Orkan? Kann halt auch vorkommen.

Nochmals Brasilien: Während den Olympischen Spielen von Rio moderierte ich aus dem Strand-Studio in Ipanema – der schönste Arbeitsplatz meines Lebens (ich weiss nicht, was da noch kommen könnte)! Bloss mit den Orkanstürmen rechnete niemand. Mehrfach mussten wir das Studio evakuieren und uns auf die Terrasse des Hotels zurückziehen. Ein totaler Stress, eine Materialschlacht – umständlich war’s. Diese Widrigkeiten haben uns als Team extrem zusammengeschweisst. Jeder ging für jeden die Extrameile, alle haben das Maximum gegeben. Was gibt es schöneres?

4. #Crewlove

Nr. 4, 12 Stunden live bei der Formel E, was so eine schwache Minute an einer Sitzung alles bewirken kann!

Nr. 4, 12 Stunden live bei der Formel E, was so eine schwache Minute an einer Sitzung alles bewirken kann!

Eine schwache Minute am MySports-­Sitzungstisch reichte: Wir beschlossen, beim ersten Formel-­E­-Rennen in Zürich eine 12-stündige Live-Sendung rauszuhauen. Uns fehlten Routine und Personal für so ein Projekt, zwei essenzielle Zutaten. Dennoch entstand in einer Nacht- und Nebelaktion unser TV-Studio mitten auf dem General-Guisan-Quai. Wir sendeten einen Tag lang aus der Pole-Position. Knapp nicht auf dem Podest.

3. Ein Fell-Stiefelchen von Hansi Hinterseer

Nr. 3, Ski-WM in St.Moritz, Sendung «Champiuns », ich bin so richtig im Element. Und begeistert von Hansi Hinterseer.

Nr. 3, Ski-WM in St.Moritz, Sendung «Champiuns », ich bin so richtig im Element. Und begeistert von Hansi Hinterseer.

«Champiuns» – die Sendung aus dem Iglu, die ich während der Ski-WM in St. Moritz habe moderieren dürfen. Was für eine tolle Sause! Jeden Abend Spass und «Hulladirulla». Ich war ja sowas von im Element. Die Begegnung mit Hansi Hinterseer werde ich nie vergessen. Was für eine Riesennummer, dieser Mann. Er hat mir im Iglu einen Schlüsselanhänger in Form eines Fell-Stiefelchens geschenkt. Eingangs habe ich noch behauptet, ich sei keine Sammlerin. Ein kleiner Schwindel! Hansi’s Stiefelchen steht in unserem Büchergestell. Bronze.

2. Etwas handfestes – Ein Buch!

Nr. 2, mein eigenes Buch. Schön, mal etwas Handfestes zu erschaffen.

Nr. 2, mein eigenes Buch. Schön, mal etwas Handfestes zu erschaffen.

Im Fernsehjargon gibt es den Ausspruch «Das versendet sich!». Will heissen: «Das ist bald vergessen.» Das ist positiv im Fall von ärgerlichen Versprechern, genauso flüchtig sind aber auch die schönen Momente. Vor allem natürlich seit wir keine VHS-Kassetten mehr rumstehen haben, seit eine Sendung «nur» noch ein File ist, ein Datenhaufen. Vielleicht deshalb wollte ich einmal ein Buch schreiben. Als ich das erste Exemplar in den Händen hielt fühlte ich mich sehr gut: Ich hatte für einmal etwas Handfestes erschaffen. Silber.

1. Schlaflose Nächte und dann viel Glückshormone

Nr. 1, sich einen Sportsender basteln, das kostet Nerven, ich spüre Druck und Verantwortung wie nie. Ich schwanke zwischen Zuversicht und Panik - aber die Glücksgefühle vergesse ich nie.

Nr. 1, sich einen Sportsender basteln, das kostet Nerven, ich spüre Druck und Verantwortung wie nie. Ich schwanke zwischen Zuversicht und Panik - aber die Glücksgefühle vergesse ich nie.

Die Lancierung von MySports war das mit Abstand schönste Erlebnis meines Berufslebens. Was gibt es Tolleres als Unmögliches möglich zu machen, sich selber aus der Komfortzone zu reissen, ins ungewisse zu springen und sich einen Sportsender zu bauen? Ich bin selten stolz, aber in diesem Moment war ich’s, zumindest ansatzweise. Ok, gut. Das ist die romantische Retrospektive. Ganz ehrlich: Der September 2017 hat mich rückblickend altern lassen wie kein anderes Ereignis in meinem Leben. Noch nie habe ich solchen Leistungsdruck und so viel Verantwortung auf meinen Schultern gespürt. Die Tage vor Sendestart waren einfach nur surreal. Ich war wie in einem Film, schwankte zwischen Zuversicht und Panik. Die Glücksgefühle nach der ersten Sendung werde ich nie vergessen.

So, ich hoffe, das hat gewirkt. Ich wünsche Ihnen von Herzen: Bleiben Sie glücklich und gesund!