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Fechterin Manon Emmenegger ist auf der Mission Titelverteidigung

Letztes Jahr überraschte Manon Emmenegger die Konkurrenz und wurde Schweizer Meisterin. In Zug will die 22-jährige Baarerin am Wochenende den Titel vor Heimpublikum verteidigen.
Stephan Santschi
Explosive und angriffige Fechterin: Manon Emmenegger. (Bild: Manuela Jans-Koch, Zug, 6. Juni 2019)

Explosive und angriffige Fechterin: Manon Emmenegger. (Bild: Manuela Jans-Koch, Zug, 6. Juni 2019)

Manon Emmenegger sitzt im Zug, als wir sie am Telefon erreichen. Typisch für die 22-Jährige aus Baar, denn mit der Eisenbahn absolviert sie unzählige Kilometer. Zwar ist sie Mitglied des Zuger Fechtclubs, ihre Trainings absolviert sie aber ausschliesslich mit der starken Konkurrenz im Nationalteam. Und die finden eben nicht vor der Haustüre statt, sondern in Zürich, Bern oder wie in dieser Woche im Rahmen eines Trainingslagers in Magglingen. Vier bis fünf Fechtlektionen stehen wöchentlich in Emmeneggers Agenda, hinzu kommen Übungseinheiten im Kraftraum.

Ein Aufwand, der sich lohnt: Manon Emmenegger zählt nämlich zu den talentiertesten Degenfechterinnen des Landes. 2018 gelangen ihr innerhalb von nur zwei Wochen die bisher grössten Exploits ihrer noch jungen Karriere. Zunächst gewann sie Silber im Schweizer U23-Team an den Europameisterschaften, dann errang sie ihren ersten Schweizer-Meister-Titel im Einzel bei der Elite. «Es ist einfach super gelaufen letztes Jahr», schwärmt sie noch heute. So darf es weitergehen, zum Beispiel an diesem Wochenende in Zug, wenn die Neuauflage der Schweizer Meisterschaft anberaumt ist.

Kampfstil erinnerte zu Beginn an ein «Güggeli»

Manon Emmenegger bietet sich dabei eine besondere Herausforderung. Ausgerechnet vor Heimpublikum kann sie am Sonntag ihren Titel verteidigen, denn die SM wird diesmal in der Zuger Sporthalle ausgetragen (siehe Kasten). «Darauf freue ich mich natürlich sehr. Familie und Kollegen werden kommen und sich anschauen, wofür ich so viel Zeit investiere. Normalerweise hören sie nur davon, weil ich oft im Ausland oder irgendwo in der Schweiz meine Wettkämpfe austrage.» Und wie lautet ihr Ziel für den Auftritt in Zug? «Klar wäre die erfolgreiche Titelverteidigung eine tolle Sache. An der Spitze ist es aber sehr eng, es gibt sechs bis acht Athletinnen, die Gold gewinnen können.»

Zu den Topfavoritinnen zählt Emmenegger aber alleweil, im massgebenden Schweizer Ranking wird sie aktuell als Nummer vier geführt. Der Stil der 1,71-Meter grossen Sportlerin ist explosiv und angriffig, das habe sie in den Genen, sagt sie und erzählt schmunzelnd von ihren ersten Fechtversuchen. «Ich war siebenjährig und stiess jeweils so direkt nach vorne wie ein «Güggeli». Davon ist bis heute etwas hängen geblieben.»

Der Traum von Olympia 2024 in Paris

Zum Fechten fand sie damals übrigens dank dem Ferienpass des Kantons Zug. «Meine Schwester Solange und ich probierten es in den Sommerferien aus. Und es gefiel uns so gut, dass wir anschliessend sofort dem Fechtclub beitraten. Mittlerweile bin ich es, der den Ferienpass im Fechten leitet. So hat sich ein kleiner Kreis geschlossen», berichtet Manon Emmenegger. Ein grosser Kreis würde sich schliessen, wenn sie ihren Traum im Leistungssport realisieren könnte. Als Vision über allem schwebt dabei die Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris. Davor hat sie freilich noch einige Etappenziele zu passieren. Die regelmässige Klassierung in den Weltcup-Punkten zum Beispiel, das gelang ihr erstmals im letzten März in Budapest mit Platz 48. Oder erfolgreiche Auftritte an Welt- und Europameisterschaften – Mitte Juni wird sie in Düsseldorf ihre EM-Premiere auf Elite-Stufe geben.

«Analysis paralysis» oder wenn zu viel Analyse lähmt

Den nächsten Schritt in der Entwicklung zu einer möglichst kompletten Degenfechterin sieht sie im mentalen Bereich. «Wer nicht zu viel überlegt, kann die Reaktionszeit verkürzen», erklärt Emmenegger. Oder wie es Franco Cerutti, einer ihrer Coaches im Nationalteam, umschreibt: «Analysis paralysis.» Zu viel Analyse lähmt.

Ob Manon Emmenegger vor Heimpublikum zu verkrampft auftritt oder ob sie es einfach laufen lässt, das wird sich am Sonntag ab 10 Uhr in der Zuger Sporthalle zeigen. Zunächst trägt sie in der Vorrunde sechs Duelle aus, anschliessend beginnt die K.-o.-Phase, die Finalgefechte sind ab zirka 16 Uhr angesetzt.

Übersicht, schnelle Reaktionszeit und das Gefühl für den richtigen Moment zum Angriff werden dann wieder in Manon Emmeneggers Fokus rücken. Für einmal ohne davor längere Zeit in einem Zugwaggon verbracht zu haben.

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