Missstände in der Badminton-NLA: Uzwil wehrt sich erfolgreich und spielt nun um den Meistertitel  

Der Badmintonclub Uzwil spielt am Wochenende gegen Argovia um die Meisterschaft. Längst gehören die St.Galler zu den Dominatoren der höchsten Schweizer Interclub-Liga. Einer Liga, die im tiefen Dilemma steckt.

Pascal Koster
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Die Uzwiler Eigengewächse Ramon Kropf und Tenzin Pelling spielen ein Mixed-Doppel. Bild: Matthias Zindel

Die Uzwiler Eigengewächse Ramon Kropf und Tenzin Pelling spielen ein Mixed-Doppel. Bild: Matthias Zindel

Uzwil und Badminton – das passt. Nach wie vor ist der grösste Verein der Schweiz dort beheimatet. Halten die Erfolge an, wird diese Ehe nicht brechen. Der St.Galler Badmintonclub will darum am Samstag ab 16 Uhr in der Oberuzwiler MZH Breite den Grundstein zum dritten Schweizer Meistertitel legen. Am Sonntag fällt dann die definitive Entscheidung im Rückspiel im Aargau. Gefordert wird der BC Uzwil vom Team Argovia, das die Clubs Fislisbach, Gebenstorf und Mutschellen vereinigt.

Jürg Schadegg, Präsident und Sportchef des BC Uzwil, spricht im Vorfeld des Playoff-Finals von einer offenen Ausgangslage. «Die Chancen stehen 50 zu 50. Letztlich wird wohl die Tagesform entscheiden.» Schadegg präsidiert den Club seit 2011.

Vorher hat er 14 Jahre lang in der ersten Mannschaft von Uzwil gespielt – durchwegs in der NLA. Er kennt die höchste Schweizer Interclub-Liga wie kaum ein anderer. Eine Liga, die seit ihrer Gründung 1955 um Aufmerksamkeit kämpft.

Uzwils Vorbildfunktion

Zwar wird Badminton hierzulande von rund 250000 Personen hobbymässig praktiziert, doch nur wenige interessieren sich für den Spitzensport. Dass der Schweizer Badmintonliga deshalb das Medieninteresse und die Geldmittel fehlen, ist selbstredend. Ohne diese beiden Zutaten kann dem Sport allerdings nur schwer die nötige Würze verliehen werden – ein Teufelskreis.

Zu wenig Zuschauer, teures Kader, fehlende Geldgeber, unprofessionelle Strukturen: Mit solchen Problemen haben manche Schweizer Badmintonvereine zu kämpfen. Schadegg bestätigt dies:

«Es ist eine Gratwanderung, das Budget stabil zu halten.»

Der BC Uzwil kommt bislang gut zurecht. «Man kann uns zweifellos als Vorzeigeclub bezeichnen», sagt der Präsident. Das ­Erfolgsgeheimnis seien die vielen ehrenamtlichen Tätigkeiten der Mitglieder und der starke Rückhalt, den der Club in der Region geniesse. «Wir haben Sponsoren, die schon über 35 Jahre mit dabei sind», so Schadegg. Die finanzielle Stabilität ist im badmintonverrückten Uzwil gewährleistet.

So kann es sich der Club auch leisten, immer mal wieder mit ausländischen Neuzugängen aufzuwarten. Aktuell stehen vier Ausländer im Kader der NLA-Equipe: Der slowenische Spielertrainer Iztok Utrosa, der Ukrainer Artem Pochtarev, der Pole Adam Cwalina und die Dänin Amalie Hertz Hansen. Drei der vier sind professionelle Spieler.

Profis werden fürs Wochenende eingeflogen

Abgesehen von Coach Utrosa werden sie für die Partien an den Wochenenden jeweils eingeflogen. Die Trainingseinheiten absolvieren sie im Heimatland. Ein Wohnsitz in der Schweiz wäre zu teuer.

Neben ausländischen laufen auch Schweizer Topspieler für Uzwil auf – mit Nicolas A. Müller und Julien Scheiwiller gar zwei Angehörige der Nationalmannschaft. Doch auch für die beiden Halbprofis gilt: Unter der Woche sind sie nicht beim Team.

Als Mitglied des Schweizer Kaders sind sie verpflichtet, ihre Trainings im Nationalen Leistungszentrum in Bern abzuhalten. Eine Regelung von Swiss Badminton, die vor ­allem darauf zielt, die Einzelkarrieren zu fördern. Interclub hat dabei zweite Priorität. Schadegg: «Natürlich hätte ich es lieber, wenn das Team die ganze Woche zusammen trainieren würde. Da ist aber leider nichts zu machen.»

Kritik am Verband

Es gebe ohnehin einige Punkte, die der Ligaverband verbessern müsste, sagt Schadegg. «Die Interclub-Meisterschaft könnte man viel telegener gestalten.» In diese Richtung sind tatsächlich Bestrebungen im Gang. So steht eine Reduzierung der Spieldauer im Raum. Bei ausgeglichenen Partien kann eine ganze Begegnung bis zu vier Stunden dauern. Gerade die Leute, welche nicht badmintonaffin seien, schrecke dies ab, ist sich Schadegg sicher.

Darüber hinaus stört den 47-jährigen Sportlehrer die geringe Wertschätzung, welche der Ligaverband dem Schweizer Interclub-Meister entgegenbringt. Schadegg sagt:

«Der Meister bekommt rein gar nichts. Keine Prämie, null.»

Die Rechnung geht nicht auf: hier der teure Unterhalt des Kaders, da die mickrigen Einnahmen. All den Missständen zum Trotz zieht Uzwil weiterhin sein Ding durch. Nachdem der Vorstand sämtliche Ebenen des Vereins professionalisiert hatte, kam der sportliche Erfolg. Seit 2013 stand der St.Galler Club immer im Playoff. Ein dritter Meistertitel wäre für Schadegg und den BC Uzwil eine wertvolle Bestätigung – auch ohne Prämie.