Wie die polnischen Fans in Engelberg mit Zyla und Stoch mitfiebern

Engelberg ist am Weltcup-Wochenende fest in rot-weisser Hand: Die polnischen Fans sorgen seit Jahren für gute Stimmung an der Schanze. Auch zur Freude des Tourismusdirektors.

Cyril Aregger
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Die polnischen Skispringer Kamil Stoch (links) und Piotr Zyla gestern beim freien Training. (Bild: Philipp Schmidli (Engelberg, 14. Dezember 2018))

Die polnischen Skispringer Kamil Stoch (links) und Piotr Zyla gestern beim freien Training. (Bild: Philipp Schmidli (Engelberg, 14. Dezember 2018))

Am Wochenende des Weltcup-Springens trägt Engelberg Rot-Weiss. Doch viele dieser Fans schwärmen nicht für Simon Ammann, Kilian Peier, Gregor Deschwanden oder Andreas Schuler, sondern für Kamil Stoch, Piotr Zyla und Co. Die Gross-Titlis-Schanze in Engelberg ist am Weltcup-Wochenende fest in polnischer Hand. Skispringen ist in Polen der Wintersport Nummer 1 – bis zu 50 Prozent der TV-Zuschauer verfolgen die Übertragungen ihrer Helden.

Angefangen hat die freund­liche Invasion in Engelberg mit den Erfolgen von Adam Malysz, der 2001 die Vierschanzentournee gewann und im selben Jahr auch in Engelberg triumphierte. «Seitdem steigt die Zahl der polnischen Besucher stetig an», sagt Frédéric Füssenich, Vizepräsident des Organisationskomitees und Engelberger Tourismusdirektor. Die polnischen Fans lösten somit die Deutschen ab, die zuvor dank den Erfolgen von Martin Schmitt und Sven Hannawald die Zuschauerränge in Engelberg farblich und akustisch dominierten.

Piotr Zyla im Sprung beim Qualifikationsspringen am Weltcup in Engelberg. (Bilder: Philipp Schmidli (Engelberg, 14. Dezember 2018))
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Am Nachmittag im freien Training: Richard Freitag (Deutschland) bei den Vorbereitungen zum Sprung.
Letzte Handgriffe bei Richard Freitag.
Auch Killian Peier macht sich bereit für seinen Sprung.
Simon Ammann vor dem ersten Testsprung.
Ammann beim Aufwärmen...
... und dann beim freien Training auf der Schanze.
Ryoyu Kobayashi wartet auf seinen Sprung...
... und es geht los für den Japaner!
Die Polen Kamil Stoch (links) und Piotr Zyla (rechts) im freien Training.
Kamil Stoch.
Das Schanzenteam bläst den Neuschnee aus der Anlaufspur.
Andreas Wellinger (Deutschland) bei letzten Vorbereitungen vor dem freien Training.
Am Abend gilt es ernst: Die Jury verfolgt das Qualifikationsspringen.
Noriaki Kasai im Qualifikationsspringen.
Der Japaner Noriaki Kasai springt seit Jahrzehnten im Weltcup.
Killian Peier im Flug.
Der Horwer Gregor Deschwanden.
Richard Freitag.
Simon Ammann.
Karl Geiger.
Stefan Kraft.
Stephan Leyhe.
Andreas Schuler.
Robert Johansson.
Killian Peier.

Piotr Zyla im Sprung beim Qualifikationsspringen am Weltcup in Engelberg. (Bilder: Philipp Schmidli (Engelberg, 14. Dezember 2018))

«Tolle Leute, auch ein bisschen crazy»

«Die Polen sind tolle Leute, total friedlich, euphorisch und auch ein bisschen crazy», schildert Füssenich seine Erfahrungen mit den polnischen Gästen, die ihn in seiner Funktion als Tourismusdirektor gleich mehrfach erfreuen: «Sie sorgen an der Schanze für tolle Stimmung. Das ist vor Ort wie auch für die TV-Bilder ex­trem wertvoll. Zudem sorgen sie natürlich auch für Umsatz in unserem Dorf.» Genaue Zahlen kann Füssenich zwar nicht nennen, doch die Polen buchten alle Arten von Unterkünften.

Der grosse Zuspruch hat nun zu einer Zusammenarbeit mit dem polnischen Skiverband geführt. «Ab dem kommenden Jahr bieten wir zusammen mit dem Skiverband spezielle Packages mit Anreise, Unterkunft und Tickets an», sagt Füssenich.

«Engelberg ist für die polnischen Fans schon etwas besonderes», meint Patryk Serwanski, Reporter des polnischen Privatradios RMF. «Hier kommen unsere Springer normalerweise erst so richtig gut in Form.» Normalerweise. Denn dieses Jahr sind die polnischen Stars Piotr Zyla und Kamil Stoch bereits seit Saisonbeginn in Topform, belegen Platz zwei und drei in der Gesamtwertung.

«Ein Stück Heimat in der Ferne

Die Beziehung der polnischen Fans zu «ihren» Sportlern sei «fast ein wenig romantisch», sagt Serwanski. «Sie wollen den Sportlern nahe sein, reisen ihnen durch halb Europa nach. Dafür erwarten sie aber auch ein Dankeschön der Athleten.» Das weiss auch Adam Malysz, mittlerweile Sportdirektor beim polnischen Verband: «Unsere Springer nehmen sich die Zeit für die Fans, das sind wir ihnen schuldig. » Im vergangenen Jahr bedankte sich etwa Kamil Stoch nach seinen beiden Podestplätzen in Engelberg im Interview mehrere Minuten lang für die tolle Unterstützung, um dann noch mit dem einen oder anderen Fan etwas Smalltalk zu halten.

Gerade für Polen, die im Ausland lebten und arbeiteten, seien die Wettkämpfe wichtig, sagt Serwanski: «Das Springen in Engelberg, aber auch diejenigen in Deutschland oder Norwegen sind ein Treffpunkt der polnischen Diaspora. Hier findet man Landsleute, hat ein kleines Stück Heimat in der Ferne.» Fast ein Stück Heimat sei auch die Titlis-Schanze selber, findet Adam Malysz: «Sie ist sehr ähnlich wie die Schanze bei uns in Wisla. Deshalb mögen sie unsere Springer wohl auch so gut.» Zumindest ein Podestplatz müsste für seine Springer drinliegen. Die letzten polnischen Siege in Engelberg gab es 2013: Damals gewannen Jan Ziobro und Kamil Stoch die beiden Springen.

Der Aufmarsch der polnischen Fans in Engelberg hat aber auch ganz pragmatische Gründe, weiss Adam Malysz: «Hier in Engelberg ist es noch möglich, an Tickets zu gelangen. In Polen selber oder an der Vierschanzentournee sind die Springen innert kürzester Zeit ausverkauft.»

Simon Ammann will noch zulegen

Simon Ammann nahm am Freitagabend ohne zu überzeugen die Qualifikationshürde für das Weltcupspringen vom Samstag in Engelberg. Der Toggenburger beendete den Wettkampf im 32. Rang. Er setzte nach 124,5 m auf, zeigte allerdings keine Telemark-Landung. «Training und Qualifikation waren ‹soso, lala›. Ich hoffe, dass ich im Wettkampf noch etwas zulegen kann», sagte Ammann. Für den 37-Jährigen steht Engelberg unter dem Stern eines Neustarts. Nach einem schwachen Saisonstart beendete er nun eine dreiwöchige Wettkampfpause.

Die beste Schweizer Leistung zeigte auch in Engelberg Killian Peier. Der Waadtländer flog mit 127,5 m auf Platz 18. «Ich hoffe, ich kann noch zwei, drei Details verbessern, um noch ein paar Meter weiter zu springen», sagte Peier. Ebenfalls im Feld der Top 50 kamen Andres Schuler (37./122 m) und Gregor Deschwanden (45./119 m) unter.

In einem aussagekräftigen Vergleich setzte sich der Weltcup-Leader Ryoyu Kobayashi aus Japan mit 137 m durch, gefolgt vom Österreicher Stefan Kraft (134,5 m) und dem Norweger Robert Johansson (135 m). (sda/ca)