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Die Schweizer Handball-Nationalspielerinnen befinden sich mitten im Reifeprozess

Die Schweizer Handballerinnen treffen in der EM-Quali auf Russland. Ein Drittel des Kaders stellt der LK Zug.
Stephan Santschi
Die Zugerin Dimitra Hess (Mitte) ist jung, frech, ehrgeizig und hat viel Potenzial. Bild: Stefan Kaiser (Zug, 1. September 2019)

Die Zugerin Dimitra Hess (Mitte) ist jung, frech, ehrgeizig und hat viel Potenzial. Bild: Stefan Kaiser (Zug, 1. September 2019)

Er war genervt und das brachte er auch deutlich zum Ausdruck. Eine Viertelstunde war am Mittwoch gespielt, die Schweiz lag in Serbien im ersten Spiel der EM-Qualifikation schon mit 2:9 zurück. Nationaltrainer Martin Albertsen nahm ein Time-out und sagte: «Wer soll an uns glauben? Wer soll das für uns übernehmen? Wir müssen wollen!» Wirkung zeigte die Message nicht. Am Ende resultierte eine herbe 23:35-Niederlage. Klar, Serbien war der Favorit, doch die Art und Weise, wie sich die Schweizerinnen ihrem Schicksal fügten, passte Albertsen gar nicht. «Wir waren nicht auf der Platte, wir waren auf einem anderen Planeten. Wenn es nicht läuft, verlieren wir leider zu früh und zu oft den Glauben an uns.»

Seit Februar 2018 ist der 45-jährige Däne für das Schweizer Nationalteam zuständig. Hauptberuflich trainiert er die SG BBM Bietigheim, mit der er letzte Saison die deutsche Meisterschaft gewann. Ab Sommer 2020 wird er sich aber voll auf die Schweiz konzentrieren, dann übernimmt er die 100-Prozent-Stelle als Cheftrainer der neuen Handballakademie der Frauen in Cham. «Wir streben nach einem Gardinenwechsel», sagt Albertsen und meint damit: «Professionelle Bedingungen. Die sind absolut notwendig.»

Wie die Männer, so die Frauen?

Mentalität, Kraft, handballerische Qualität – alles soll umgepolt werden. Als Vorbild gelten die Schweizer Männer, die seit 2011 in Schaffhausen eine Handballakademie haben. Geführt wird sie von Männernationaltrainer Michael Suter, der die Schweiz im nächsten Januar an die EM führt – erstmals seit 16 Jahren gelang wieder aus eigener Kraft die Qualifikation für ein Grossturnier. «Ich denke, dass wir in den nächsten vier Jahren mit den Frauen eine ähnliche Entwicklung nehmen können wie mit den Männern in den vergangenen vier Jahren», erklärt Ingo Meckes, der Leistungssportchef des Schweizerischen Handballverbands.

Am Sonntag steht der nächste Schritt in diesem Reifeprozess auf dem Programm. In Gümligen (17 Uhr, live srf.ch) ist kein Geringerer als Russland zu Gast, der Olympiasieger von 2018. Die Schweizerinnen werden unterlegen sein, sowohl athletisch wie auch technisch. «Doch kämpfen kann man immer. Und genau das fordert der Trainer von uns. Wir sollten nicht zu viel Respekt vor dem Gegner haben, die spielen ja auch nur Handball», findet Dimitra Hess.

Dimitra Hess mit frechem Auftritt

Hess ist 19-jährig und steht sinnbildlich für die Gegenwart und den Zukunftswunsch der Schweizerinnen. Sie ist jung, frech, ehrgeizig, besitzt viel Potenzial und, ebenfalls erwähnenswert, sie spielt beim LK Zug. Mit Hess, Charlotte Kähr, Simona Cavallari, Stefanie Eugster, Celia Heinzer und Joline Tschamper sind nicht weniger als sechs Zugerinnen im Aufgebot, was exakt einem Drittel des 18-köpfigen Kaders entspricht. «Zug holt die talentiertesten Spielerinnen der Region und bietet ihnen eine gute Gelegenheit, um sich weiterzuentwickeln», sagt Albertsen. «Dann aber muss bald der Schritt ins Ausland kommen. Handball ist ein extremer Kontaktsport, die internationale Härte ist man in der Schweiz nicht gewohnt.»

Hess ist eine, die den Weg ins Profitum gehen will, das zeigte sie auch in Serbien. Am linken Flügel gelang ihr ein erfrischender Auftritt, drei Tore erzielte sie in ihrem sechsten Länderspiel. «Mit meiner Leistung war ich zufrieden. Doch das Ergebnis war sehr enttäuschend. Die Stimmung in der Halle war riesig, das machte uns nervös.» Hinter Jennifer Murer von Bundesligist Blomberg-Lippe ist Hess die Nummer zwei auf ihrer Position, beim LKZ seit dieser Saison gar unumstrittene Stammspielerin. «Mit der zusätzlichen Verantwortung als Führungsspielerin blüht sie extrem auf», sagt LKZ-Trainer Christoph Sahli. Das sei, neben fachlich guten Übungsleitern im Nachwuchs, ein Hauptgrund, weshalb Zug derzeit so viele Nationalspielerinnen stelle. «Junge Spielerinnen erhalten die Chance, auf einem guten Niveau zu spielen. Bei uns sitzen sie nicht nur auf der Bank.»

EM-Qualifikation

Gruppe 4, 2. Spieltag. Sonntag, 17.00: Schweiz – Russland (live auf srf.ch). Slowakei – Serbien. – Rangliste: 1. Russland 2 (+19). 2. Serbien 2 (+12). 3. Schweiz 0 (-12). 4. Slowakei 0 (-19). – Die beiden Erstklassierten fahren an die EM 2020 in Dänemark und Norwegen.

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