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Der rasante Aufstieg des Juventus-Talents Moise Kean: Aus der Sozialwohnung zum Millionensalär

In Absenz des verletzten Superstars Cristiano Ronaldo gehörten bei Juventus Turin in den letzten Wochen die Schlagzeilen dem jungen Moise Kean. Heute (21.00) spielt Juve bei Ajax Amsterdam.
Lukas Plaschy, Rom
Juve-Supertalent: Moise Kean. (Bild: Alessandro Di Marco/Keystone)

Juve-Supertalent: Moise Kean. (Bild: Alessandro Di Marco/Keystone)

Dass Juventus Turin nur noch einen Punkt zum achten Meistertitel in Folge benötigt, verkommt in diesen Tagen im Piemont zur Randnotiz. Vielmehr lautete die bange Frage, ob Superstar Cristiano Ronaldo rechtzeitig für das Viertelfinalhinspiel in der Champions-League gegen Ajax Amsterdam fit wird. Schliesslich war der 34-jährige Portugiese im letzten Sommer praktisch explizit für die Auftritte in der Champions-League aus Madrid für 117 Millionen Euro geholt worden. Die Tore des «Extraterrestre», des Ausserirdischen, sollen dem 34-fachen italienischen Meister erstmals seit 1996 wieder einen Triumph in der Königsklasse (nach fünf verlorenen Endspielen 1997, 1998, 2003, 2015 und 2017) bescheren.

Am Montag konnte der «Popolo-Juventino» erleichtert aufatmen. CR7 steht im Aufgebot für das Spiel vom Mittwoch in der Johann Cruyff-Arena. Aber kommt das Comeback Ronaldos nicht überstürzt? Zumal in den letzten Wochen der Stern seines Ersatzes Moise Kean so richtig aufging. Der 19-jährige Mittelstürmer mit den Dread-Looks und der imposanten Athletik markierte in den letzten drei Partien gegen Em­poli, Cagliari und die AC Milan jeweils das Siegestor. Zuvor hatte «Kenn» (so die italienische Aussprache) bereits in den beiden EM-Qualifikationsspielen der Squadra Azzurra gegen Finnland und Liechtenstein getroffen. Im Durchschnitt erzielt der Ronaldo-Ersatz alle 42 Minuten einen Treffer.

In Cagliari rassistisch angefeindet

Dabei wollte ihn der Club mangels Spielpraxis im Winter ausleihen, wie bereits in der vergangenen Saison. Beim nachmaligen Absteiger Hellas Verona gelangen dem Sohn nigerianischer Einwanderer seine ersten vier Serie-A-Tore. Der kometenhafte Aufstieg provoziert aber bereits Neider. Letzte Woche in Cagliari wurde Kean Opfer von Buhrufen und rassistischen Beleidigungen. Der italienische Fussballverband leitete eine Untersuchung ein.

Als Kind diente Inter Mailands nigerianischer Stürmer Obafemi Martins Kean als Vorbild. Danach Mario Balotelli. Dieser Balotelli, ebenfalls afrikanischer Herkunft, symbolisiert nun auch ein Mahnmal. Balotellis Stern fing im gleichen Alter an zu leuchten, als er als Ersatz von Zlatan Ibrahimovic Inter Mailand den Meistertitel sicherte. An der EM 2012 zeigte sich der heute bei Marseille unter Vertrag stehende Stürmer zusammen mit Andrea Pirlo hauptverantwortlich für Italiens Finalqualifikation. Für die ganz grosse internationale Karriere stand sich Balotelli mit seinem schwer zu disziplinierenden Charakter aber allzu oft selbst im Weg.

Auch Keans Persönlichkeit wurde durch schwierige Familienverhältnisse mitgeprägt. Geboren wurde er im piemontesischen Vercelli. Die Eltern trennten sich, als Moise fünf Jahre alt war. Das Verhältnis zu Vater Biorou Jean Kean ist bis heute zerrüttet. «Meinen Erfolg verdanke ich ausschliesslich meiner Mutter.» Danach lebten Mama Isabelle, der kleine Moise und sein sieben Jahre älterer Bruder Giovanni mehrere Jahre in Asti in einer Sozialwohnung. Die Mutter arbeitete als Haushaltshilfe, während ihre Söhne die Freizeit in der Jugendfreizeitstätte «Don Bosco» mit Fussball verbrachten.

Wegweisendes Treffen mit Del Piero

Talentspäher der AC Torino entdeckten den von allen nur «Mosè» oder «Momo» genannten Kean. Nachdem er allerdings im Juve-Trainingszentrum Captain Alessandro Del Piero und Pavel Nedved die Hand hatte schütteln dürfen, entschied er sich 2010 für einen Wechsel in die Jugendabteilung des Rekordmeisters. 2016, mit 16 Jahren und 9 Monaten debütierte Kean in der Serie-A.

Im Gegensatz zu Balotelli, der bei Inter Mailand und dessen nachsichtigem Präsidenten Massimo Moratti viele Freiheiten genoss, wird Kean beim am professionellsten geführten Verein Italiens an der kurzen Leine gehalten. Trainer Massimiliano Allegri arbeitet nach dem Prinzip von «Zuckerbrot und Peitsche». Eine Methode, welche in der Vergangenheit bereits schwierige Typen wie Bonucci, Higuain oder Dybala diszipliniert hat. Bei Kean scheint die Botschaft angekommen zu sein. «Es zählt einzig und allein harte Arbeit auf dem Platz, um in jedem Spiel die Leistung zu bringen», sagt er demütig.

Mit Mino Raiola weiss Moise Kean zudem einen der mächtigsten Spielervermittler des Planeten Fussball in seinem Rücken. Raiola, der gewiefte Manager, diskutiert momentan mit Juves Clubleitung über eine Vertragsverlängerung des Ausnahmetalents bis 2024 und natürlich einer signifikanten Gehaltsaufbesserung der aktuell 550'000 Euro Jahressalär.

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