Tennis
Novak Djokovic sucht Trost im Kloster und beim heiligen Vasilije

Vier Tage nach seiner Abschiebung aus Australien taucht Tennisspieler Novak Djokovic erstmals wieder in der Öffentlichkeit auf. Er besuchte das serbisch-orthodoxe Felsenkloster Ostrog.

Simon Häring
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Novak Djokovic auf Besuch in einem Kloster.

Novak Djokovic auf Besuch in einem Kloster.

Novak Djokovic wollte sich Zeit nehmen, sich ausruhen und erholen von der elftägigen Saga um sein Visum in Australien, von wo er am Montag abgeschoben worden war. Australiens Bundesgericht hatte es als erwiesen betrachtet, dass der 34-Jährige als «Ikone für Impfgegner» gesehen werde und damit eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstelle.

Am Freitag tauchte Djokovic erstmals wieder in der Öffentlichkeit auf. Der Serbe besuchte das Felsenkloster Ostrog in Montenegro, das als religiöses Gravitationszentrum der serbisch-orthodoxen Kirche gilt.

Novak Djokovic vor dem Felsenkloster Ostrog.

Novak Djokovic vor dem Felsenkloster Ostrog.

Das in den Fels des Prekornica-Gebirges gebaute Kloster wurde Mitte des 17. Jahrhunderts vom heiligen Vasijlie gegründet. Ihm werden zahlreiche Wundertaten nachgesagt. Sein Leichnam soll sich seinem Tod 1671 kaum verändert, ein Verwesungsprozess nie eingesetzt haben. Seinen Reliquien, die im Kloster aufbewahrt werden, schreibt man heilende Kräfte zu.

Ein Bild von Novak Djokovic auf einer Fassade in Belgrad. Oberhalb ist das Felsenkloster von Ostrog in Montenegro abgebildet.

Ein Bild von Novak Djokovic auf einer Fassade in Belgrad. Oberhalb ist das Felsenkloster von Ostrog in Montenegro abgebildet.

Darko Vojinovic / AP

Zeitpunkt von Djokovics Rückkehr offen

2005 war das Felsenkloster in die internationalen Schlagzeilen geraten – allerdings nicht wegen Vasilijes Wundertaten, sondern als mögliches Versteck des ehemaligen Führers der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, der später als Kriegsverbrecher verurteilt worden war.

Die Klosterleitung wies diesen Vorwurf zurück. Der damalige Metropolit der serbisch-orthodoxen Kirche in Montenegro, Amfilohije Radovic, der bis dahin als Karadzic’ Verbündeter gegolten hatte, forderte ihn öffentlich auf, sich zu stellen: «Wenn ich an seiner Stelle wäre, würde ich nach Den Haag gehen.» Radovic verstarb im Oktober 2020 82-jährig in Podgorica.

Novak Djokovic hat angekündigt, sich erst nach Ende der Australian Open öffentlich zu seiner Abschiebung zu äussern. Wann und wo der 20-fache Grand-Slam-Sieger sein nächstes Turnier bestreitet, ist derzeit offen. Anfang Woche hatte Frankreichs Sportministerin angekündigt, dass nur Geimpfte an den French Open teilnehmen können. Gleiches gilt für die Madrid Open im Mai. Bei beiden Turnieren ist Djokovic Titelverteidiger.