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MOTO2: Wie ein Pferd, das sprechen lernen muss

Der Berner Dominique Aegerter will in der Moto2-Weltmeisterschaft 2018 um Podestplätze fahren. Doch dazu muss der 28-jährige Rohrbacher die richtige Abstimmung finden.
Klaus Zaugg
Kam bei den Tests im spanischen Valencia noch nicht auf Touren: Dominique Aegerter. (Bild: Freshfocus/Chippy Wood (Valencia, 7. Februar 2018))

Kam bei den Tests im spanischen Valencia noch nicht auf Touren: Dominique Aegerter. (Bild: Freshfocus/Chippy Wood (Valencia, 7. Februar 2018))

Klaus Zaugg

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Dominique Aegerter hat die schwierigsten Wochen seiner Karriere hinter sich. Ein kurzer Rückblick auf dieses shakespearesche Töff-Drama um Millionen und Maschinen. Im Herbst verstirbt Teamchef Stefan Kiefer überraschend an einem Herzversagen. Sein Bruder Jochen führt das Team zwar weiter, doch der Hauptsponsor steigt aus. Nach wochenlangem Hin und Her entpuppt sich der neue Geldgeber David Pickworth als Hochstapler. Er hatte Millionen aus Russland versprochen. Kurz vor Weihnachten steht Dominique Aegerter (27) vor dem Karriereende.

Aber der Rohrbacher hat Glück – und ist gut beraten. Sein Manager Robert Siegrist rettet die Situation. Denn Siegrist hatte dem ehrenwerten David Pickworth nie über den Weg getraut und längst für den Notfall am Plan B gearbeitet. Der Zürcher Rechtsanwalt stellt sicher, dass KTM die Maschinen liefert. Mit Toni Gruschka wird die Stelle des Cheftechnikers neu besetzt. Und er organisiert das Geld: 650 000 Franken müssen gefunden werden, damit das Kiefer-Team 2018 mit Dominique Aegerter als einzigem Fahrer zur Weltmeisterschaft antreten kann.

Das Geld ist inzwischen zusammengekommen. Zudem hat Dominique Aegerter das erfolgreichste Crowdfunding in der Geschichte des Schweizer Sports auf den Weg gebracht. Mehr als 1000 Unterstützer haben über 200 000 Franken bezahlt. Damit hat er seine enorme Popularität weit über die Motorsport-Kreise hinaus kapitalisiert.

«Wir können mit diesem Geld nicht nur eine gute Saisonvorbereitung finanzieren, wir sind damit auch in der Lage, während der Saison die notwendigen Tests zu absolvieren.» Wenn ­Aegerter ein paar Rennen gewinnt und um den WM-Titel mitfährt, dann kann er sogar mehr verdienen als Tom Lüthi, der neu in der Königsklasse, der MotoGP, fährt. Aegerter ist erstmals der einzige Schweizer in der Moto2-Klasse und der einzige helvetische Fahrer mit Aussichten auf Podestplätze. Die Medienpräsenz wird sehr gross sein.

Wie wenn zwei Tierärzte über ein Pferd sprechen

Ende gut, alles gut? Ja und nein. Ja, aus finanzieller und organisatorischer Sicht. Nein, weil das «Pferd» noch nicht sprechen kann. Dominique Aegerter bringt eigentlich alles mit, um Weltmeister zu werden: das Geld, den Mut, das Talent, das Team, das Umfeld und das Bike. Aber eine Schwäche hat er nach wie vor: Er hat Mühe mit der Feinabstimmung seiner Maschine. Kaum jemand würdigt, welche fahrerischen Heldentaten er vollbringen muss, um diese Schwäche zu kompensieren.

Einer der besten Techniker im Fahrerlager hat es kürzlich so formuliert: «Wenn ich mit einem Fahrer über das Bike rede, dann ist es so, wie wenn sich zwei Tierärzte über ein Pferd unterhalten. Bei Dominique Aegerter ist es so, dass der Tierarzt mit dem Pferd spricht ...» Vielleicht ist ja der neue Cheftechniker Toni Gruschka ein Pferdeflüsterer. Das ist zwar bösartig ausgedrückt, aber treffend zugleich. Bei den ersten beiden offiziellen Tests in Valencia und Jerez gehörte Dominique Aegerter nicht zu den besten 20 Fahrern. Er sagt nach dem Umstieg von Suter auf KTM, das Potenzial der neuen Maschine sei enorm. «Aber ich muss mich erst an die Maschine gewöhnen und die richtige Abstimmung finden.» Das Pferd hat erst gewiehert. Es muss jetzt nur noch sprechen lernen.

So enttäuschend der Test-Auftakt Anfang Jahr auch war, so wenig gibt es einen Grund zur Beunruhigung. Schritt um Schritt wird sich Dominique Aegerter in der ihm eigenen Beharrlichkeit vorarbeiten. Und es mag etwas gar optimistisch tönen. Aber es ist, wie es ist: Dominique Aegerter hat seine besten sieben Jahre als Rennfahrer noch vor sich. Und das sind bestimmt keine schlechten Aussichten für einen Fahrer, der die letzte Saison trotz aller Rückschläge auf dem 12. Schlussrang in der Weltmeisterschaft beendet hat ...

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