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MOTO2-WM: Aegerter denkt zu viel und gibt zu wenig Gas

Steht vor einer sehr schwierigen Saison: Dominique Aegerter. (Bild: Joe Castro/EPA (20. Oktober 2017))

Steht vor einer sehr schwierigen Saison: Dominique Aegerter. (Bild: Joe Castro/EPA (20. Oktober 2017))

Denken und Gasgeben geht nicht. Damit es kein Missverständnis gibt: kopfloses Gasgeben erst recht nicht. Es geht lediglich darum, dass ein Fahrer dann, wenn er sich in den Sattel schwingt, wenn er fährt und wenn er seine Maschine zusammen mit seinen Technikern abstimmt, alles andere verdrängen, ausblenden, vergessen muss. Totale Konzentration ist der Schlüssel zum Erfolg. Und genau das gelingt ­Dominique Aegerter (27) nicht mehr. Bei den letzten offiziellen Tests in Jerez de la Frontera ist er gerade mal 24. geworden. Besonders bitter: Sam Lowes, Iker Lecuona, Brad Binder und Miguel Oliveira, die alle das gleiche Bike (KTM) fahren, haben diese Tests auf den Plätzen 1, 2, 3 und 7 abgeschlossen.

Die Unruhe ist gross im Umfeld des sonst so charismatischen Rennfahrers. Die vom Team zuletzt verbreitete Medienmitteilung mahnt im Ausmass der Verdrängung der Wahrheit an die Erklärungen des legendären irakischen Informationsministers während des Golfkrieges. Da wird von weiteren Fortschritten und guten Gefühlen fabuliert. Die Krönung in einem Business, in dem nur die Resultate zählen, ist die Formulierung: «Unser Fortschritt lässt sich nach aussen hin nur schwer darstellen.»

Unbekümmertheit ist weg

Die Wahrheit nach den letzten Tests: ­Dominique Aegerter wirkt wie um zehn Jahre gealtert. Die berechtigte Zuversicht der letzten Wochen ist der Ernüchterung gewichen. Er hat die bestmögliche Maschine (KTM). Aber er fährt hinterher. Bitter für einen, der die Erfahrung (seit der ersten Moto2-WM 2010 dabei), das Talent und das Material hat, um in der Moto2-WM um Siege zu fahren. Das Problem ist ein «weicher» Faktor. Dominique Aegerter gibt zu: «Es wird alles zu viel für mich. Ich bekomme einfach den Kopf nicht frei.» Deshalb wirkt er wie zehn Jahre gealtert. Aus dem feschen Rock ’n’ Roller, dessen Markenzeichen eine fröhliche Unbekümmertheit war, ist ein nachdenklicher junger Mann geworden. Weil sein Team den Hauptsponsor verloren hat, musste er zusammen mit seinem Manager Robert Siegrist über die Wintermonate einen grossen Teil der Finanzierung der Saison 2018 stemmen. «Wir haben rund 700000 Franken des Gesamtbudgets von 1,2 Millionen organisiert. Wenigstens kann ich jetzt wieder schlafen. Im Dezember und Januar bin ich ganze Nächte wach geblieben. Bis zur letzten Saison war ich einfach Fahrer und musste mich sonst um nichts kümmern. Jetzt hängt so vieles an mir, dass ich ­meinen Bruder Kevin angestellt habe, damit er mir den Rücken frei hält. Ich bin geschockt, wenn ich jetzt sehe, was das alles kostet.»

Dominique Aegerter nimmt eine Liste hervor. Geht Punkt für Punkt durch. Übersee-Flüge, Tests, Hotels, Maschine, Ersatzteile, Mietwagen und so weiter und so fort. Das hat früher alles das Team bezahlt. «Jetzt muss ich dafür mit meinen persönlichen Sponsoren aufkommen.» Auch die 250000 Franken, die der Berner mit dem erfolgreichsten Crowdfunding unserer Sportgeschichte eingenommen hat, kommen in den Topf. Er wird diese Saison voraussichtlich nichts oder nur sehr wenig verdienen – nachdem er in den letzten Jahren pro Saison inklusive Prämien bis zu einer halben Million Franken verdient hat.

Statt um Fahrwerkseinstellungen und Linienwahl muss sich Aegerter mit Geldfragen beschäftigen. Er kann Geist und Geld nicht mehr trennen. In der ­Moto2-Weltmeisterschaft haben alle die gleichen Motoren, die gleichen Reifen. Nur die Fahrwerke sind unterschiedlich. Das führt zu einer extremen Ausgeglichenheit. Wer den Kopf nicht frei bekommt, kann nicht schnell sein. Aber den Mut und den Kampfgeist hat Dominique Aegerter nicht verloren. Und er ahnt, er weiss, dass er vor seinem schwierigsten Jahr steht. Und sagt trotzig: «Ich lasse mich nicht unterkriegen. Ich war schon oft in einer schwierigen Situation.» Er muss nur Geld und Geist wieder trennen. (kza)

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