MOTOCROSS: Ein Duett mit dem Superstar

Linda Lustenberger brennt auf den Saisonstart. Den ganz grossen Auftritt hat die Geuenseerin (23) aber schon hinter sich – an der Seite von Sängerin Amy Macdonald im Schweizer Fernsehen.

Stephan Santschi
Drucken
Teilen
Linda Lustenberger (links) trifft im Arbeitsalltag die Sängerin Amy Macdonald.

Linda Lustenberger (links) trifft im Arbeitsalltag die Sängerin Amy Macdonald.

Stephan Santschi

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Die Nervosität zu Beginn, der Countdown, der Adrenalinausstoss – Linda Lustenberger schwärmt von den Sekunden bevor der Startbalken fällt und das Rennen losgeht. «Megacool, dieses Gefühl macht fast süchtig, ich möchte es immer wieder haben. Ich vergesse alles um mich herum, muss bereit sein, über meine eigenen Ängste zu springen», erzählt die 23-Jährige aus Geuensee.

Zweifellos, Motocross ist ihre grosse Passion, und doch war da vor kurzem etwas, das alles, was bisher auf einer Rennstrecke geschehen war, in den Schatten stellte: das Treffen mit Superstar Amy Macdonald. In der Sendung «Happy Day» vom 25. Februar 2017 sang die 23-Jährige gemeinsam mit ihrem Idol auf SF 1 live den Song «This Is the Life» und machte dabei eine ganz gute Figur. «Der Auftritt war unbeschreiblich! Ich habe in meinem Leben noch nie so etwas Schönes erlebt. Ich bin überglücklich», schwärmt Linda Lustenberger.

Gegen 500 Gleichgesinnte durchgesetzt

Zwei Wochen zuvor traf sie Macdonald erstmals persönlich – wie bei «Happy Day» üblich auf überraschende Weise. «Ich war mit meinem Chef für eine Messe im Zürcher Hallenstadion – aus geschäftlichen Gründen, wie ich dachte. Als ich sie sah, war ich sprachlos. Ich war völlig überwältigt. Ich bin ein riesiger Fan von ihr, habe früher viele Songs von ihr gesungen.» Als sie von der Möglichkeit eines gemeinsamen TV-Auftritts mit der 29-jährigen Schottin erfuhr, habe sie sich deshalb sofort beworben – und sich gegen rund 500 Gleichgesinnte durchgesetzt. «Sie entschieden sich beim Fernsehen wegen meiner Art für mich», hiess es, ich sei sehr aufgestellt und lache immer.

Das emotionale Highlight mit Amy Macdonald gehört damit der Vergangenheit an, die spannenden Momente des sportlichen Wettkampfs stehen aber noch bevor. Am 2. April beginnt in Wohlen AG die Saison, dann bestreitet Lustenberger ihr erstes Rennen im diesjährigen «Women Cup». Tempo, Technik und Ausdauer werden dann gefragt sein, wenn sie auf ihrem Yamaha-Motorrad (125 ccm) im Feld der 30 Fahrerinnen über den sandigen und zuweilen hügeligen Untergrund prescht. Bis Ende September stehen im Rahmen der Schweizer Meisterschaft elf Wettkämpfe auf dem Programm. «Einen Platz in den Top 10» setzt sie sich zum Ziel, ihr bestes Ergebnis bisher ist ein 13. Rang.

Pokal und Geld zurück für den Sieger

Doch eigentlich will sie sich nicht zu stark auf solche Vorgaben versteifen. Weil sie es letzte Saison tat und es nicht gut herausgekommen ist. «Ich setzte mich zu stark unter Druck, wollte es erzwingen. Und stürzte gleich im ersten Rennen.» Der Unfall verlief zwar relativ glimpflich, trotzdem fiel sie mit einem Kahnbeinbruch zwei Monate lang aus. «Nun will ich wieder mit mehr Freude antreten. Ich will zwar immer noch in die Top 10, aber ich weiss, dass es dazu auch viel Glück braucht.»

Im Gegensatz zum Grossteil der Konkurrenz war Lustenberger, die ursprünglich aus Luthern stammt, nicht von klein auf im Rennfieber – die kommende Saison wird erst ihre vierte sein. «Ich war aber schon immer jemand, der gerne etwas riskierte. Zum Motocross kam ich, weil mein Bruder Julian und einige Kollegen es machten. Ich dachte mir: Das kann ich auch.» Der Aufwand seither ist gross, fünf Mal pro Woche widmet sie sich ihrer Fitness, zwei Mal pro Monat fährt sie nach Italien ins Motocross-Training.

Geld verdienen kann sie mit dem Rennsport aber nicht, selbst wenn sie ein Rennen gewinnen würde, bekäme sie neben dem Pokal lediglich das Startgeld von 70 Franken zurückerstattet. Dank der Unterstützung einer Gönnergruppe und ihres Arbeitgebers, der Hostettler AG in Sursee, wo sie als Assistentin des Verkaufsleiters angestellt ist, halten sich die Ausgaben aber in Grenzen.