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MOTORRAD: Als Rentner noch immer im Rennfieber

Der Seetaler Hans Mühlebach (66) hatte einst nach einem Unfall mit dem Rennsport abgeschlossen. Bis er in seiner Wahlheimat Thailand Motorengeräusche hörte.
Klaus Zaugg
In Thailand fährt Hans Mühlebach auf der Eskil-Suter-Maschine die Moto2-Meisterschaft. (Bild: PD)

In Thailand fährt Hans Mühlebach auf der Eskil-Suter-Maschine die Moto2-Meisterschaft. (Bild: PD)

Auch mit 66 Jahren hat er nichts von seinem Schwung und seiner Leidenschaft eingebüsst: Hans Mühlebach, seit zehn Jahren in Thailand wohnhaft, pilotiert mit Erfolg eine Suter-Höllenmaschine im Rahmen der nationalen Meisterschaft. Und wenn er nicht über eine Rennstrecke braust, trainiert er mit einer Supermoto-Honda auf einer Kartpiste oder stürzt sich in seine Motocross-­Bekleidung. Einmal Rennfahrer, immer Rennfahrer ...

Hans Mühlebach: Das war seinerzeit für die Zeitgenossen der 1980er- und 1990er-Jahre vor allem der grösste Honda-Händler unseres Landes. Sein Geschäft im luzernischen Littau war eine bekannte und angesehene Adresse. Mühlebachs Logo prangte auf den Rennverschalungen von Asphaltcowboys wie Edwin Weibel, Eskil Suter und Adrian Bosshard.

In Thailand ist er der «Onkel Hans»

Doch bevor Hans Mühlebach zur Nummer 1 der Honda-Händler und zum Förderer vieler Talente wurde, war er selbst ein starker Fahrer auf höchstem Niveau. Seine beste Klassierung: 15. in der 250er-WM 1974. Sein bestes GP-Resultat: 4. Platz beim GP von Jugoslawien in Opatija. «Schon als kleiner Junge war ich kaum zu bändigen, wenn mein Vater die BMW 250 aus der Garage rollte», erzählt «Onkel Hans», wie man ihn heute in seiner neuen Wahlheimat Thailand respektvoll nennt. «Ich bin dann auch damit gefahren, genauso wie später mit der NSU Sportmax. Das Problem war nur, dass ich mit diesem für die damalige Zeit echten Rennmotorrad auf der Strasse immer schneller geworden bin. Mein Vater hat mich dann voller Sorge zum nächsten Polizeiposten gebracht und verlangt, dass man mir den Führerschein wegnimmt. Also musste ich nochmals von vorn beginnen.»

1975 am Ende seiner Träume

1970 bestreitet Hans Mühlebach im Rahmen der Schweizer Meisterschaft seine ersten Rennen. 1972 wird er Vizemeister bei den 350ern, im Jahr darauf Vierter bei den 250ern. Er ist auf dem Weg nach oben. Wir schreiben das Jahr 1973: «Zu dieser Zeit waren bei jedem GP rund hundert Fahrer vor Ort und versuchten, sich für die Rennen zu qualifizieren. Da ich in der dritten Maiwoche von den Organisatoren des GP der Nationen in Monza noch immer keine Startgenehmigung erhalten hatte, entschied ich mich, ein gleichzeitig stattfindendes Schweizer-Meisterschaft-­Rennen in Lignières zu bestreiten. Ich war bereits auf der Anreise, als ich ein Telegramm aus Monza erhielt – die Startgenehmigung! Doch ich bin nicht umgekehrt. Am Sonntag, 20. Mai, kam dann die Nachricht, was in Monza passiert war – der schreckliche Unfall, der Jarno Saarinen und Renzo Pasolini das Leben kostete. Die Glücksfee war also bei mir gewesen, denn eines war mir sofort klar: Ich hätte mit grösster Wahrscheinlichkeit genau in dem vom Unglück betroffenen Fahrerpulk gesteckt.»

1974 ist seine erfolgreichste Saison (WM-15. 250 cm). «Für 1975 sah alles blendend aus. Hostettler aus Sursee lieferte mir Motoren, Fritz Egli Fahrwerke. Mitte Februar war es aussergewöhnlich warm für die Jahreszeit, und wir wollten das Material an einem Montag in Hockenheim testen. Doch am Samstag hat ein Unfall bei der Rückfahrt von der Werkstatt alle meine Hoffnungen zunichtegemacht.» Es ist das Ende aller Rennfahrerträume.

Erfolgreicher Verkäufer

Hans Mühlebach erleidet bei dem Unfall schwere Bänderverletzungen am linken Bein. «Das war damals medizinisch ein grosses Problem. Doch was sollte ich tun? Das Motorrad war bereit, ich wollte unbedingt fahren. Also versuchte ich es Anfang April mit einer Spezialbandage für das Knie. Doch dann trat die Suva auf den Plan und intervenierte: «Herr Mühlebach, Sie haben die Wahl. Entweder fahren Sie auf eigene Verantwortung Rennen, oder sie lassen das Knie operieren. Ich habe lange nachgedacht und mich für die Vernunft entschieden. Ich habe dann eine Lehre als Motorradmechaniker absolviert, und mit dem Geld, das ich von der Rechtsschutzversicherung für das Fehlverhalten des unfallverursachenden Automobilisten erhalten hatte, startete ich meine berufliche Karriere.»

Damit beginnt die zweite Etappe in Mühlebachs Leben. Zuerst ist er nur «B»-Händler bei Honda. Doch bereits im ersten Jahr nach der Geschäftseröffnung verkauft er 120 Motorräder (während sein übergeordneter «A»-Händler nur einen Viertel davon absetzte). Ein Jahr später ist auch er Honda-Exklusivhändler, und das Geschäft floriert. Parallel dazu unterstützt er als Sponsor immer mehr Fahrer. Edwin Weibel bestreitet in Mühlebachs Farben die TT- F1-WM, mit dem ersten in der Schweiz erhältlichen Honda-125-Zweitakt-Einzylinder ist Beat Sidler unterwegs, auch ein Luzerner. Toni Rohrer glänzt in diversen Viertaktklassen, und bald kommt Adrian Bosshard hinzu, der aus der Motocross-WM in den Strassenrennsport wechselte und später dank Hans Mühlebach in der 205er-WM eine Werksmaschine einsetzen kann. 1989 kommt es in der Werkstatt von Mühlebach-Honda zum ersten Kontakt mit Eskil Suter. «Eskil war bisher im Motocross aktiv gewesen. Dann tauchte er plötzlich bei mir auf und sagte knapp: «Hans, ich brauche ein Motorrad.» Ich antwortete ihm, dass ich im Moment leider keines zur Verfügung hätte. Aber dann sah er meine private Strassen-RC30 in der Werkstatt und meinte: «Die da würde mir perfekt passen ...» Eskil hatte kein Geld, um die RC30 zu bezahlen. Aber er musste mir versprechen, dass er, sollte er damit siegen, seine Schuld begleichen würde. Seither sagte er mir jedes Mal, wenn wir uns trafen: «Hans, ich weiss, dass ich dir was schulde ...» Und ich antwortete jeweils: «Keine Sorge, ich weiss, wo ich dich finde, wenn ich das Geld einmal wirklich brauche.»

Grenzenlose Freiheit

Die Jahre vergehen. 2005 verändert sich sein Leben von Grund auf. Er verkauft sein Geschäft («im richtigen Moment») und lässt sich in Thailand, in der Nähe von Banglamung, nieder. «Ich fühle mich hier von Jahr zu Jahr wohler», erzählt der Ausgewanderte heute zufrieden. «Das Leben ist einfach, günstig und weit entfernt von den früheren Alltagssorgen. Während meiner Zeit hier hatte ich noch nie das geringste Problem mit irgendwelchen Behörden oder der Polizei. Alle Ausländer im Alter von mehr als 50 Jahren, die eine Bescheinigung vorweisen können, dass sie entweder genügend Vermögen besitzen oder eine anständige Jahresrente überwiesen bekommen, erhalten problemlos ein Jahresvisum. Und wenn man hier nicht arbeitet, muss man auch keine Steuern bezahlen. Für einen Rentner gibt es kaum einen besseren Ort auf diesem Planeten. Die Freiheit ist grenzenlos, und man wird hier von niemandem überwacht.»

Als Hans Mühlebach nach Asien übersiedelt, spielt er bereits Golf. Doch an einem ruhigen Sonntagmorgen hört er ein ihm vertrautes, hier aber eher fremdartiges Geräusch. «Ich traute meinen Ohren nicht. Es war das Geräusch von Rennmotoren! Ich fand heraus, dass der Circuit von Bira nur 4 Kilometer von meinem Wohnort entfernt liegt. Neben dem Strassenkurs gibt es dort auch eine Kart- und eine Supermoto-Strecke. Und rund um die Anlage warten gleich mehrere Motocross-Pisten.»

Eskil Suter begleicht seine Schuld

Und wie ging die Sache mit der berühmten Schuld von Eskil Suter aus? Hans Mühlebach besucht nach wie vor regelmässig die Schweiz. «2011 besichtigte ich die neuen Räumlichkeiten von Suters Firma in Turbenthal. Als ich erstmals eine Moto2-Maschine vor mir sah, sagte ich zu Eskil: «Jetzt ist der Moment gekommen, ich will diese Maschine.» Und Hans Mühlebach bekommt den Töff, den auch Tom Lüthi und Dominique Aegerter in der Moto2-WM eingesetzt haben. Er fährt damit die thailändische Moto2-Meisterschaft und fährt regelmässig aufs Podest.

Zusammen mit seiner Frau und seiner Tochter reist er jedes Jahr mit dem Auto zum GP von Malaysia in Sepang und besorgt sich dort vor Ort im Fahrerlager Ersatzteile und Reifen. Hans Mühlebach sagt scherzend: «Seit letztem Jahr habe ich offiziell das AHV-Alter. Seither reisen wir nicht mehr mit dem Auto, sondern mit dem Flugzeug nach Sepang. Zwölf Rennen pro Jahr in Thailand, die Trainings und die Schrauberei in der Werkstatt – mir wird als Rentner garantiert nie langweilig.»

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