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MOTORRAD: Der Testfahrer in der Königsklasse

Zurück auf Feld eins. Nach 12 Jahren, 236 Rennen und mehr als 20000 Rennkilometern ist aus Tom Lüthi in der MotoGP ein Lehrling geworden.
Klaus Zaugg
Beendet die offiziellen MotoGP-Testfahrten als 24. und Letzter: der Berner Tom Lüthi. (Bild: Imago (Buriram, 18. Februar 2018))

Beendet die offiziellen MotoGP-Testfahrten als 24. und Letzter: der Berner Tom Lüthi. (Bild: Imago (Buriram, 18. Februar 2018))

Klaus Zaugg

Warum noch einmal Lehrling? Warum nicht weiterhin ein Star, Sieg- und Titelanwärter in der Moto2-WM. Prestige? Ja und nein. Nein, es geht nicht um Prestige. Ein echter Champion strebt immer nach der schwierigsten Herausforderung. Ja, ein wenig geht es um Prestige. Nur wer in der Königsklasse MotoGP fährt, ist ein «ganzer Kerl» und geniesst Aufmerksamkeiten und Privilegien, die es in den anderen beiden Klassen (Moto3, Moto2) nicht gibt. Denn die Höllenmaschinen in der Königsklasse sind die stärksten. Mit über 260 PS. 100 PS mehr als die Moto2-Bikes. Und hier beginnt das Problem. Weil die Motorenkräfte so gewaltig sind, werden sie durch Elektronik gezähmt. Stark vereinfacht gesagt: Wenn der Fahrer am Gasgriff dreht, sorgt die Elektronik dafür, dass die Kraft dosiert entfaltet wird. Das direkte, ursprüngliche, raue Gasgeben gibt es nicht mehr.

Der Umstieg von einem Moto2-Bike auf eine MotoGP-Maschine ist ungefähr so, wie wenn jemand bisher immer von Hand geschrieben hat und nun auf einmal auf einen Laptop umsteigen muss. Je jünger der Pilot, desto einfacher der Umstieg auf diese Hightech-Monster. Tom Lüthi wird am 6. September bereits 32 Jahre alt. Er ist in diesem Geschäft ein Veteran. Marc Marquez stieg mit 20 um, Dani Pedrosa und Valentino Rossi mit 21. Und auch die beiden anderen Neulinge, die jetzt wie Lüthi mit der gleichen Honda neu in die Königsklasse einsteigen, sind wesentlich jünger. Takaaki Nakagami 26, Franco Morbidelli sogar erst 24.

Und damit sind wir beim Problem. Lüthi ist fast zu spät ganz oben angekommen. Von ihm, der Nummer 1 im Schweizer Töffrennsport, dem Weltmeister von 2005 (125 ccm) werden Resultate erwartet. Mehr als zehn Jahre lang ist er um Siege und Titel gefahren. Aber nun kann er nicht mehr um Siege und Titel fahren. Vielmehr muss er sich durch einen mühseligen Lernprozess quälen.

Tom Lüthi ist überrascht

Nach den offiziellen Tests ist er schlicht und einfach 24. und Letzter. Aber der Berner darf die Geduld nicht verlieren. Denn in diesem Geschäft kann jeder Fehler das Leben kosten. Mit der Brechstange geht es nicht. Sein Freund und Manager Daniel M. Epp sagt: «Ich habe Tom zum ersten Mal in den letzten Jahren ungeduldig erlebt, weil er die Rundenzeiten nicht wunschgemäss verbessern konnte.» Lüthi sagt nach den ersten Erfahrungen: «Ich hätte nie gedacht, dass es so schwierig sein würde. Alles ist extremer, geht schneller, der Fahrstil und die Linie müssen angepasst werden. Intensiver ist das Fahren in dieser Klasse nicht nur körperlich, auch die Elektronik ist sehr komplex, und bei all den Informationen, die verarbeitet werden müssen, ist man als Neuling schnell überfordert. Ich habe am Lenker drei Knöpfe, über die ich gewisse Einstellungen anpassen kann. Da bist du bei Tempi über 300 km/h voll am Limit und musst dir überlegen, was du genau brauchst, um noch schneller zu fahren.»

Aus dem Rennfahrer ist ein Testfahrer geworden. Epp sagt: «Um den Töff zu verstehen, muss ein gewaltiges Testprogramm absolviert werden. Da gibt es so viele Varianten, die durchgetestet werden müssen. Da kann man keine Schritte überspringen.»

Für Lüthi ist klar: «Ich bin in den ersten drei Rennen noch Testfahrer. Wo wir uns dann im Feld einordnen, ist noch unklar. Ich hoffe, dass ich von Anfang an um die Punkte kämpfen kann.» Punkte gibt es ab Platz 15. Epp formuliert das Saisonziel so: «Einen Rang zu nennen, geht nicht. Das Ziel für einen Neuling ist es, auch 2019 noch in der MotoGP-Klasse zu sein.»

Plan B für die Saison 2019

Dieses Ziel zu erreichen, ist so schwierig, wie eine Moto2-WM zu gewinnen. Lüthi hat im Team des belgischen Bier-Milliardärs und Adeligen Marc van der Straten (Team Marc VDS) einen Einjahresvertrag. Das Team hat eine einseitige Option für eine einjährige Verlängerung. Die 24 Plätze in der MotoGP-Klasse für die kommende Saison werden ab Juli vergeben. Das bedeutet, dass Lüthi nur die halbe Saison hat, um sich eine zweite MotoGP-Saison zu erkämpfen. Die Chancen sind klein, dass er auch 2019 in der Königsklasse fahren darf. Sein Manager muss deshalb für die Karriere-Fortsetzung schon Plan B im Kopf ­haben. Es gibt, wenn er 2019 kein MotoGP-Bike bekommt, zwei Optionen für Tom Lüthi: die Rückkehr in die Moto2-WM oder dann halt die ab 2019 neu eingeführte E-Klasse. Rennen auf Bikes mit Elektromotoren. Für einen, der Benzin im Blut hat, nicht gerade eine elektrisierende Aussicht.


Rennprogramm 2018

18. März: Katar (Doha)
8. April: Argentinien (Rio Hondo)
22. April: Amerika (Austin)
6. Mai: Spanien (Jerez)
20. Mai: Frankreich (Le Mans)
3. Juni: Italien (Mugello)
17. Juni: Katalonien (Barcelona)
1. Juli: Holland (Assen)
15. Juli: Deutschland (Sachsenring)
5. August: Tschechien (Brünn)
12. August: Österreich (Spielberg)
26. August: England (Silverstone)
9. September: San Marino (Misano)
23. September: Aragon (Aragon)
7. Oktober: Thailand (Buriram)
21. Oktober: Japan (Motegi)
28. Oktober: Australien (Philip Island)
4. November: Malaysia (Sepang)
18. November: Valencia (Valencia)

Zwei Schweizer am Start: Tom Lüthi (MotoGP) und Dominique Aegerter (Moto2).

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