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MOTORRAD: Dramatischer Szenenwechsel

Die Sonne ist zurück, die Ordnung im Töffbusiness ist wiederhergestellt. Dominique Aegerter muss sich beim GP von Aragon wieder hinter Tom Lüthi einreihen.
Klaus Zaugg, Alcañiz
Wie meistens bester Schweizer im Moto2-Qualifying: Tom Lüthi (vorne). (Bild: Antonio Garcia/EPA (Alcañiz, 23. September 2017))

Wie meistens bester Schweizer im Moto2-Qualifying: Tom Lüthi (vorne). (Bild: Antonio Garcia/EPA (Alcañiz, 23. September 2017))

Klaus Zaugg, Alcañiz

Der Gegensatz könnte landschaftlich nicht dramatischer ein. Vom Regen in Misano am Meer hinauf nach Aragon ins hügelige, heisse Hinterland von Barcelona. Auch der sportliche Szenenwechsel ist ziemlich dramatisch. Dominique Aegerter (26), vor zwei Wochen der grosse Sieger vor Tom Lüthi (30), muss hier in Aragon seinem Rivalen wieder den Vortritt lassen. Wie meistens. Lüthi (7.) fährt heute (12.15 Uhr, SRF zwei) aus der dritten, Aegerter (11.) aus der vierten Reihe los. Die Hierarchie ist somit wiederhergestellt.

Warum ist das so? Hat Aegerter in Misano bei seinem zweiten GP-Sieg nicht auf grandiose Art und Weise demonstriert, dass er fahrerisch mindestens auf Augenhöhe mit Lüthi steht? Das müsste doch reichen, um seinen Rivalen regelmässig zu besiegen. Erst recht in einer Einheitsklasse wie der Moto2-WM. Mit gleichen Motoren und Reifen für alle. Nur die Fahrwerke sind unterschiedlicher Herstellung. Nach aussen wirkt Aegerter mutiger, emotionaler und wilder als der ruhige, introvertierte «Kopfmensch» Tom Lüthi. Also müsste er eigentlich auf der Rennstrecke die Nase meistens vorne haben. Aber das ist nicht der Fall. In dieser Saison fuhr er nur einmal vor Lüthi ins Ziel: vor zwei Wochen als Sieger von Misano.

Die Unterschiede zwischen den beiden Bernern

In der rauen Wirklichkeit des internationalen Töffbusiness setzen Lüthi und sein Freund und Manager Daniel M. Epp ihre Interessen viel kompromissloser und erfolgreicher durch als der sensible Rock-’n’-Roller aus Rohrbach und sein kluger Berater Robert Siegrist. Lüthi hat besser gelernt, auf seinen Manager zu hören, und seine Eltern mischen sich nicht in Rennangelegenheiten ein. Er ist höflich und klug, wohlanständig und freundlich, aber es fällt ihm leichter, auch mal Nein zu sagen und sich Freiräume zu schaffen. Deshalb ist er Weltmeister geworden (2005), hat bereits 15 GP gewonnen und kann nächste Saison die «Königsklasse» MotoGP fahren.

Lüthi bildet mit seinem Cheftechniker Gilles Bigott ein Team im Team und kann sich gegen alle äusseren Einflüsse abschotten. Wenn es darauf ankommt, blendet er alles aus, was nicht unmittelbar damit zu tun hat, schnell zu fahren. Aegerter ist oft wie ein Blatt im Wind der medialen und sonstigen Stürme und kann sich nicht so gut von allem lösen und alle seine Energien auf einen bestimmten Punkt konzentrieren. Sein Vater mischt sich stärker ein, er handelt neben der Piste oft emotional und weniger rational. Das macht ihn überaus sympathisch, und er ist mindestens so populär wie Lüthi. Ein Fahrer der Herzen. So gesehen ein Christian Stucki des Motorradrennsportes. Und bei diesem Vergleich wäre Lüthi ein Jörg Abderhalden der Rennpiste.

Aegerter fährt auch nächste Saison im Team der Brüder Jochen und Stefan Kiefer. Bei den beiden Deutschen fühlt er sich wohl, hier ist er die unbestrittene Nummer 1 im Team. Nur wenn sich der Fahrer wohlfühlt, kann er in diesem Sport am Rande der Todeszone die maximale Leistung erbringen. Bei der Ausübung dieses Sportes riskiert jeder bei jedem Training und jedem Rennen seine Gesundheit und sein Leben. Eine grössere mentale Belastung ist nicht denkbar. Die Sensibilität dieser letzten echten Kerle des Sportes wird immer wieder unterschätzt.

Kommende Saison spricht für Aegerter

Diese Saison war die technische Betreuung noch nicht optimal. Aber wenn Eskil Suter im Winter seine technischen Hausaufgaben macht und wenn es gelingt, die finanzielle Basis des Kiefer-Teams zu verbessern («mehr testen, weniger basteln»), dann wird Dominique Aegerter nächste Saison zu den Titelanwärtern zählen. Franco Morbidelli und Tom Lüthi, die Titanen dieser Saison, steigen in die «Königsklasse» auf, und Aegerter rückt als Siegfahrer mit der grössten Erfahrung zum Titelanwärter auf. Vor allem aber wird es seine erste Moto2-Saison ohne Tom Lüthi als Gegner und Rivale sein. Das wird für ihn eine befreiende Wirkung haben.

Startaufstellungen

Alcañiz (ESP). GP von Aragonien. MotoGP: 1 Viñales (ESP), Yamaha, 1:47,635 (169,8 km/h). 2 Lorenzo (ESP), Ducati, 0,100 zurück. 3 Rossi (ITA), Yamaha, 0,180. – Ferner: 5 Marc Marquez (ESP), Honda, 0,328. 6 Pedrosa (ESP), Honda, 0,472. 7 Dovizioso (ITA), Ducati, 0,502.

Moto2: 1 Oliveira (POR), KTM, 1:53,736 (160,6 km/h). 2 Pasini (ITA), Kalex, 0,021. 3 Alex Marquez (ESP), Kalex, 0,071. 4 Morbidelli (ITA), Kalex, 0,105. – Ferner: 7 Lüthi (SUI), Kalex, 0,240. 11 Aegerter (SUI), Suter, 0,489. 30 Raffin (SUI), Kalex, 1,916.

Moto3: 1 Martin (ESP), Honda, 1:58,067 (154,8 km/h). 2 Bastianini (ITA), Honda, 0,358. 3 Canet (ESP), Honda, 0,449.

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