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MOTORRAD: Lüthi so selbstsicher wie noch nie

Bestzeit und erste Startreihe für Tom Lüthi, zweite Reihe für Dominique ­ Aegerter (6.) in Le Mans. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die beiden gemeinsam auf dem Podest stehen.
Klaus Zaugg, Le Mans
Hat die Sache in Le Mans im Griff: der Berner Moto2-Pilot Tom Lüthi. (Bild: Waldemar Da Rin/Freshfocus (20. Mai 2017))

Hat die Sache in Le Mans im Griff: der Berner Moto2-Pilot Tom Lüthi. (Bild: Waldemar Da Rin/Freshfocus (20. Mai 2017))

Klaus Zaugg, Le Mans

sport@luzernerzeitung.ch

Wenn wir verstehen wollen, warum Tom Lüthi (30) und Dominique Aegerter (26) wieder ganz vorne fahren, müssen wir uns mit Psychologie befassen. Nicht mit Reifen, Rädern und Maschinen. Beide «Rennwölfe» sind gut drauf und schnell, weil sie endlich die Kreide ausgespuckt haben. Sie müssen nicht mehr Kreide fressen. Kreide fressen? In der Geschichte «Der Wolf und die sieben jungen Geisslein» täuscht der Wolf die misstrauischen Geisslein, indem er Kreide frisst, damit seine Stimme zarter und so der Stimme der Ziegenmutter ähnlich wird. Kreidefressen steht also für Friedfertigkeit vorspielen. Sich scheinbar umgänglich geben.

Zwei Jahre lang, 2015 und 2016, lebten und fuhren Lüthi und Aegerter unter dem gleichen Dach. Die Schweizer Fans feierten dieses «Dream-Team». Doch inzwischen, im Blick zurück, erkennen wir: Zwei solche Alphatiere konnten so nahe aufeinander nicht in Frieden leben. Die Enge führte zu einer mentalen Blockade. Beide mussten zu viel Kreide fressen und in einer Art PR-Kindergartenspiel ständig beteuern, wie sehr sie sich mögen.

Der gegenseitige Respekt

Erst als die Trennung von Aegerter klar war, brauste Lüthi im letzten Herbst wieder zu Siegen. Inzwischen haben die beiden «Rennwölfe» die Kreide der letzten zwei Jahre ausgespuckt und knurren wieder. Sie fallen nicht übereinander her. Sie respektieren sich gegenseitig. Aber endlich haben sie im übertragenen Sinn wieder Freiräume, Sauerstoff und haben wieder zu sich selber gefunden. Gestern hat sich diese neue Freiheit eindrücklich gezeigt. Lüthi stürzt im Abschlusstraining in der letzten Kurvenkombination vor den Rädern von Aegerter, rappelt sich wieder auf, rollt an die Box zurück. Das Bike wird wieder zurechtgedengelt, Lüthi atmet tief durch – und rast zum 12. Mal in seiner Karriere zur Trainingsbestzeit. Sechs davon hat er in Siege umgemünzt.

«Die Streckenposten hatten einsetzenden Regen angezeigt. Weil ich auf einer schnellen Runde war, habe ich trotzdem gepusht und habe es wohl übertrieben. Der Sturz war kein Problem, ich bin mit der Maschine nur weggerutscht. In der Box habe ich mich wieder beruhigt, mein Team hat sogar noch einige technische Verbesserungen gefunden.» Wer in dieser Hektik cool bleibt, ist ein Champion. Wir erleben den ruhigsten, selbstsichersten Lüthi aller Zeiten. Kein Vergleich zur Hektik noch vor einem Jahr.

Auch Aegerter ist viel ruhiger, gelassener und konzentrierter als in den letzten zwei Jahren. Langsam, aber sicher gewöhnt er sich an sein neues Team. Der Wechsel nach zwei Jahren von Kalex auf Suter wirkt sich aus. Nicht technisch. Der Wechsel wirkt sich im Kopf aus: «Renn-Voodoo». Befreit von der Präsenz seines Rivalen, vom «Lüthi-Komplex», nähert sich «Domi» wieder der Schnelligkeit und Sicherheit des Jahres 2014. 2014 hat er seinen ersten GP gewonnen. Es war das Jahr vor der «Zwangsheirat» mit Lüthi. Aegerter beginnt heute das Rennen aus der zweiten Reihe. Eine exzellente Ausgangsposition. Er ist wieder ganz vorne in einer Moto2-WM angekommen, die verrückter, intensiver, besser ist als je. Er sagt: «Vor zwei Jahren reichten 100 Prozent für eine Spitzenklassierung. Jetzt braucht es 150 Prozent.» Er habe Tom Lüthi stürzen gesehen. Seine Reaktion: «Keine. Ich habe nur kurz gezuckt.»

Cool bleiben ist alles und macht den Champion. Er gibt aber zu bedenken, dass er noch nicht ganz dort ist, wo er sein möchte. Die unfreiwillige Pause habe er noch nicht ganz verkrafte. Weil ihn sein Team auf die Strasse gesetzt hatte, konnte er die letzten vier Rennen der vergangenen Saison nicht mehr fahren. «In den Zweikämpfen merke ich diese fehlende Rennpraxis immer noch.» Aber die Chance, endlich beide gemeinsam auf dem Podest zu sehen, wird immer grösser.

Startaufstellungen

Le Mans. Grand Prix von Frankreich. Moto2 (12.05 Uhr, SRF zwei): 1 Lüthi (SUI), Kalex, 1:36,548 (156,0 km/h). 2 Bagnaia (ITA), ­Kalex, 0,026. 3 Morbidelli (ITA), Kalex, 0,101. 4 Marini (ITA), Kalex, 0,246. 5 Aegerter (SUI), Suter, 0,315. – Ferner: 25 Raffin (SUI), Kalex, 1,431.

MotoGP (13.55 Uhr, SRF zwei): 1 Viñales (ESP), Yamaha, 1:31,994 (163,7 km/h). 2 Rossi (ITA), Yamaha, 0,106 zurück. 3 Zarco (FRA), Yamaha, 0,235. – Ferner: 5 Marquez (ESP), Honda, 0,499. 13 Pedrosa (ESP), Honda. 16 Lorenzo (ESP), Ducati.

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