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MOTORRAD: Lüthi wirkt vor seiner GP-Premiere wie ein Sieger

Das Resultat ist fast das gleiche. Aber die Gemütsverfassung von Tom Lüthi und Dominique Aegerter könnte vor dem ersten Rennen der Saison in Katar unterschiedlicher nicht sein.
Tom Lüthi startet am Sonntag zu seinem 1. Rennen in der Moto GP. (Bild: Benjamin Soland / Freshfocus (Losail, 17. März 2018))

Tom Lüthi startet am Sonntag zu seinem 1. Rennen in der Moto GP. (Bild: Benjamin Soland / Freshfocus (Losail, 17. März 2018))

Zuerst ist Dominique Aegerter (27) dran. Und bald einmal zeichnet sich im Abschlusstraining der Moto2-Klasse ab, dass die Krise weitergeht. Der 21. Platz (7. Startreihe) bedeutet zwar keineswegs den Weltuntergang. Seit dem Einstieg in die Moto2-Klasse 2010 hat der Berner hin und wieder ein solches Resultat eingefahren. Aber es waren Ausreisser nach unten und vermochten sein Selbstvertrauen nicht einmal zu ritzen. Die Trostlosigkeit ist das anhaltende Mittelmass. Soeben hat er zum Saisonstart bestätigt bekommen, was sich bei allen Vorsaisontests abgezeichnet hat: Er fährt hinterher.

Und so sitzt er da und versucht zu erklären, was passiert ist. «Ich fühle mich einfach auf der Maschine nicht wohl. Also muss ich weiterhin an der Anpassung der Maschine und an der Anpassung meines Fahrstils arbeiten.» Hoffnung schöpft ­Aegerter aus der Konstanz auf mässigem Niveau. Seine Rundenzeiten hat er regelmässig und sturzfrei gedreht. Ist er im Rennen so schnell, kann er sich wahrscheinlich mit dem Messer zwischen den Zähnen einen Platz in den Punkten (ab 15. Platz) erkämpfen. Den Humor hat er nicht verloren und korrigiert: «Nicht wenn ich im Rennen gleich schnell bin wie im Training. Wenn ich gleich langsam bin ...» Er weiss, er ahnt, dass es nicht wie geplant läuft, dass die Dinge aus dem Ruder laufen könnten. Das beunruhigt sehr. Deshalb wirkt er wie ein Verlierer.

«Fahrlehrer» für Aegerter

Inzwischen hat sein Manager Robert Siegrist bereits mit dem Krisenmanagement begonnen. Ab sofort arbeitet der spanische «Fahrlehrer» Alvaro Molina für Dominique Aegerter. Der Spanier war zwischen 1996 und 2007 ein Hinterherfahrer in der 125er- und 250er-Klasse. Die meisten Töffstars (auch Valentino Rossi) arbeiten mit Fahrlehrern (Riding Coaches), die am Streckenrand stehen, TV-Aufnahmen analysieren, den Fahrern helfen, die Ideallinie, die Bremspunkte und die richtige Sitzposition auf dem Motorrad zu finden und als Gesprächspartner und Mentaltrainer auch das Selbstvertrauen stärken.

Robert Siegrist bestätigt die Verpflichtung und sagt: «Dominique Aegerter bezahlt Molina mit dem Geld, das er im Crowd­funding eingenommen hat.» Dort sind ja 250 000 Franken eingesammelt worden. Der Manager zerstreut auch die Legende, KTM liefere «nur» letztjährige Maschinen und nicht die 2018er-Version. Was eine gute Ausrede wäre. «Die Abänderungen für die 2018er-Version sind völlig unerheblich und in erster Linie auf KTM-Werkspilot Brad Binder zugeschnitten. Wir bekommen von KTM alle technischen Neuerungen, und wir haben auch die neue Verschalung bereits erhalten. Wir können sie nur hier in Katar nicht einsetzen, weil wir die Werbung noch nicht aufgeklebt haben.»

Lüthi mit grossen Fortschritten

Später stellt sich auch Tom Lüthi (31) den Chronisten. Er ist in der MotoGP-Klasse nach dem Abschlusstraining nur unwesentlich besser rangiert als Dominique Aegerter: 6. Startreihe (18. Platz). Aber er wirkt entspannt und cool wie ein Sieger. Und tatsächlich hat er alle überrascht. Sein Manager und Freund Daniel Epp sagt sogar: «Jetzt bin ich zum ersten Mal seit dem Klassenwechsel richtig entspannt.»

Gewiss, der 18. Platz provoziert beim Beobachter höchstens ein «Na und?». Doch die Fortschritte des Klassen-Neulings sind erstaunlich. Bei den letzten Tests am vorletzten Wochenende auf der gleichen Piste hier in Katar war Lüthi über den 24. und letzten Platz nicht hinausgekommen. Nun hat er bereits sechs Konkurrenten hinter sich gelassen, war um mehr als fünf Sekunden schneller als bei den Tests, tastete sich näher an die Limiten heran und ist trotzdem nur einmal (ganz am Anfang des ersten freien Trainings) gestürzt. Zeitweise kam er bis auf eine Sekunde an die Bestzeit heran.

Heute sind im Rennen gar WM-Punkte (bis Platz 15) möglich. Kein Wunder, ist Tom Lüthi entspannt und sagt, er sei jetzt nicht stärker ausgelaugt als nach dem Abschlusstraining in der Moto2-Klasse. «Wir haben wieder so wie geplant Schritt für Schritt weitergearbeitet.» Er ahnt, er weiss, dass alles nach Plan läuft. Das beruhigt enorm. Deshalb wirkt er wie ein Sieger.

Klaus Zaugg, Katar

Startaufstellungen

Losail. Grand Prix von Katar. MotoGP: 1 Zarco (FRA), Yamaha, 1:53,680 (170,3 km/h). 2 Marc Marquez (ESP), Honda, 0,202 zurück. 3 Petrucci (ITA), Ducati, 0,207. – Ferner: 5 Dovizioso (ITA), Ducati, 0,394. 8 Rossi (ITA), Yamaha, 0,709. 9 Lorenzo (ESP), Ducati, 0,751. 18 Lüthi (SUI), Honda, 1,701. – 24 Fahrer im Training.

Moto2: 1 Alex Marquez (ESP), Kalex, 2:00,299 (160,9 km/h). 2 Baldassarri (ITA), Kalex, 0,308. 3 Bagnaia (ITA), 0,544. – Ferner: 21 Aegerter (SUI), KTM, 1,446. – 32 Fahrer im Training.

Moto3: 1 Antonelli (ITA), Honda, 2:06,364 (153,2 km/h). 2 Martin (ESP), Honda, 0,001. 3 Rodrigo (ARG), KTM, 0,484. – 27 Fahrer im Training.

Tom Lüthi

Geburtsdatum: 6. September 1986. – Grösse: 172 cm. – Gewicht: 65 kg. – Team: EG 0,0 Marc VDS. – Motorrad: Honda. – Startnummer: 12. – GP-Debüt: Juli 2002 (Sachsenring). – Anzahl Grands Prix: 249. – Grösste Erfolge: 125-ccm-Weltmeister 2005, 16 GP-Siege, 57 Podestplätze, 12 Pole-Positions. – Saison 2017: WM-Zweiter Moto2 (243 Punkte/2 Siege, 10 Podestplätze).

Wichtigste GP-Fahrer

Startnummer 4 Andrea Dovizioso (ITA), Ducati. – 25 Maverick Viñales (ESP), Yamaha. – 26 Dani Pedrosa (ESP), Honda. – 46 Valentino Rossi (ITA), Yamaha. – 93 Marc Marquez (ESP), Honda. – 99 Jorge Lorenzo (ESP), Ducati.

Dominique Aegerter

Geburtsdatum: 30. September 1990. – Grösse: 174 cm. – Gewicht: 69 kg. – Team: Kiefer Racing (GER). – Motorrad: KTM. – Startnummer: 77. – GP-Debüt: Oktober 2006 (Estoril). – Anzahl GP: 181. – Grösste Erfolge: zweimal WM-Fünfter (2013 und 2014), 1 GP-Sieg, 7 Podestplätze, 1 Pole-Position. – Saison 2017: WM-Zwölfter Moto2 (88 Punkte/einmal Fünfter, einmal Sechster).

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