Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

MOTORSPORT: Grossvater ermöglicht Traum

Der Luzerner Moritz Müller-Crepon (19) startet in zwei Wochen in die Formel-4-Saison. Die Zielvorgaben? Hoch. Seiner Klasse entsprechend sagt er: «Ich will regelmässig in die Top 5.»
Roland Bucher
Startet Mitte April im deutschen Oschersleben in die Formel-4-Saison: der 19-jährige Moritz Müller-Crepon, hier auf dem Lausitzring (GER). (Bilder Franz Venzin)

Startet Mitte April im deutschen Oschersleben in die Formel-4-Saison: der 19-jährige Moritz Müller-Crepon, hier auf dem Lausitzring (GER). (Bilder Franz Venzin)

Roland Bucher

Zu behaupten, der Geschmack des Benzins habe ihn bereits von Kindesbeinen an infiziert, ist eine äusserst gewagte Unterstellung. Doch verbrieft und verbürgt ist, dass Moritz Müller-Crepon, der 19 Jahre junge Mann aus dem ländlichen Rain im Kanton Luzern, schon als drei- oder vierjähriger Springinsfeld eine erste Ahnung davon bekam, dass Pferdestärken nicht nur zum Ackerpflügen taugen, sondern auch ein Auto stark und schnell machen können. Peter Heuri, der Lebenspartner von Moritz Müller-Crepons Mutter, war mit Porsche- und Ferrari-Raritäten viele Wochenenden auf allen Rennpisten Europas anzutreffen, und der gebürtige Rothenburger steckte den Zögling gehörig an: «Ich bin quasi mit Rennautos aufgewachsen», erzählt Moritz, der alsbald nicht nur mit offenem Mund den Boliden nachschaute, sondern schon mit sehr jungen Jahren hinter dem Lenkrad sass und zünftig Gas gab.

Ambitionierte Ziele

Moritz Müller-Crepon tat dies mit früh erkennbarem Talent, welches «für mich eine glückliche Fügung war. Ich spürte bald, dass ich mein Herz an den Rennsport verloren hatte.» Der Entscheid sei logisch gewesen, die idealen Voraussetzungen für eine Karriere im Cockpit zu nutzen. Im Rennkart lernte der gross gewachsene und schlaksige Jüngling das Rennfahrer-Einmaleins von der Pike auf. Heute zählt er in der Formel 4, gewissermassen der Kart-Anschlusskategorie, bereits zu jener Elite, die sich berechtigte Hoffnungen machen darf, an den 24 Saisonrennen – etappiert auf acht Wochenenden – in die vorderen Ränge zu steuern. «Ich habe ein gutes, schnelles Auto und bereits einige Erfahrungen gesammelt», erklärt Moritz Müller-Crepon. Deshalb dürfe es nicht als Überheblichkeit ausgelegt werden, wenn «ich mir zum Ziel gesetzt habe, regelmässig in die Top 5 zu fahren».

Dieser Tage finden im deutschen Oschersleben die letzten Testfahrten für die Feinabstimmung statt, am 16. April gilt es dann ernst, dann hat Moritz Müller-Crepon auf diesem Kurs die erste Aufgabe für seinen neuen Teamchef Frits Van Amersfoort zu erledigen. «Darauf freue ich mich enorm», sagt der junge Mann, der sich – was die Tugenden eines Vorbildes anbetrifft – an Fernando Alonso orientiert.

30 Tage im Jahr im Rennboliden

Dieser ersten Saison-Reifeprüfung vorausgegangen sind viele Tests mit seinem neuen Rennboliden, doch die Weichen für Topplätze werden schon viel früher gestellt. Rund 30 Tage sitzt der Luzerner jährlich in seinem Auto zu Trainings- und Rennzwecken. Diese Tests sind das eine, das Optimieren der körperlichen Topverfassung das andere. Moritz Müller-Crepon stählt die Fitness nicht nur im Kraftkeller, sondern er schwimmt gerne, unternimmt mit dem Velo ausgedehnte Ausfahrten, spult Waldläufe ab und, quasi als Highlight: «Ich unternehme liebend gerne zusammen mit einem diesbezüglich ausgebildeten Kollegen Skitouren.» Beliebteste Route in diesem Winter: «Wir steigen von Twing auf dem Hasliberg in Richtung Mägisalp und sind dann am Schluss fast auf dem Alpen-Tower. Die Tour und die Gegend dort oben sind so schön, dass wir den Aufstieg meistens gleich zweimal hintereinander machen», schmunzelt der sportlich Universelle.

Nicht, dass er um alles auf dieser Welt die Formel 1 stürmen will: «Dazu braucht es viel, viel Glück und unendlich viel Geld.» Nur schon in der Formel 4 berappen sich die Kosten für eine Saison auf gegen 320 000 Franken, und Moritz Müller-Crepon weiss: «Das schüttelt man nicht so einfach aus dem Ärmel.» Eine glückliche Fügung will es, dass sein Grosspapa die Hälfte dieses Betrages übernimmt. «Wer jetzt glaubt, wir seien eine reiche Familie», zeigt der junge Rennpilot Bodenhaftung, «der liegt falsch. Grosspapa hat es einfach zu seiner Lebensaufgabe gemacht, mich zu unterstützen. Dafür bin ich ihm unendlich dankbar. Denn ich erfülle mir mit dem Automobilrennsport einen Lebenstraum.» Und er könne sich durchaus vorstellen, dereinst eine ähnliche Karriere einzuschlagen wie Marcel Fässler, der Langstrecken-Weltmeister aus Einsiedeln. «Irgendetwas in diese Richtung, das würde mich später reizen.»

Entsprechend feilt er an seiner Karriere, und die aktuelle Lebensphilosophie kennt wenig links oder rechts, sondern nur den präzisen geraden Weg nach vorne: «Harte Arbeit und viel Geduld, sonst erreichst du deine Ziele nie.» Frits van Amersfoort, der Teamchef, wird sogar noch präziser, was den Alltag eines jungen, aufstrebenden Rennfahrers betrifft: «Moritz weiss inzwischen nur zu gut, dass es am Ende eines Testtages keine Partys und keine jungen Girls gibt. Sondern nur Dunkelheit und Kälte.» Doch von einer Kasernierung will Moritz Müller-Crepon nicht sprechen und meint lakonisch: «Ich nehme das gerne in Kauf. Für mich zählt im Moment nur, was gut und richtig ist, um meine Karriere anzutreiben. Alles andere kann ich später nachholen.»

Gesucht: Präzision und Perfektion

Man wird von ihm noch hören, bereits diese Saison, denn Moritz Müller-Crepon fühlt sich «gut in Form», spürt, dass «wir alles gut aufgegleist haben. Ich glaube, wir dürfen uns grosse Hoffnungen auf vorderste Platzierungen in dieser Formel-4-Meisterschaft machen.» Ganz zuoberst steht bei ihm allerdings nicht die Suche nach höchsten Tempi und riskantesten Überholmanövern, sondern die Suche nach der absoluten Präzision und Perfektion im Rennauto: «Das ist meine ganz grosse Herausforderung. Je näher ich dran bin, umso glücklicher bin ich.»

Womit der Bogen zu Peter Heuri, seinem ersten grossen Förderer, wieder geschlossen wäre ...

Moritz Müller-Crepon im Cockpit des Formel-4-Boliden. (Bilder Franz Venzin)

Moritz Müller-Crepon im Cockpit des Formel-4-Boliden. (Bilder Franz Venzin)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.