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MOTORSPORT: Rennsport unter Strom

Die anfangs belächelte Formel E zieht die grossen Marken magisch an. Was bedeutet der Aufstieg der Elektrorenner für die «klassische» Formel 1?
Thomas Weitekamp (sid)
Der Vergleich. (Bild: LZ)

Der Vergleich. (Bild: LZ)

Thomas Weitekamp (SID)

Es ist gar nicht lange her, da sorgte der Gedanke an die Formel E für abfälliges Grinsen bei Vertretern des «echten» Motorsports. Eine rein elektrische Rennserie, kein Lärm, kein Benzingestank – das sei doch «Käse», meinte nicht nur Chefkritiker Sebastian Vettel zum ersten Start der E-Boliden vor drei Jahren. Doch längst ist klar: Die «stille Revolution» ist nicht mehr aufzuhalten. Auch nicht bei Porsche. Das Unternehmen bestätigte Ende Juli seinen Start in der Formel E ab 2019. Kurz zuvor hatte Mercedes die gleichen Pläne offenbart, mit Audi und BMW sind künftig also vier deutsche Hersteller am Start. Dazu kommen Renault, Citroën (DS), Jaguar und der indische Hersteller Mahindra.

Besonders bemerkenswert ist all das, weil die Unternehmen sich für ihr Engagement in der Formel E von traditionsreichen und etablierten Motorsportveranstaltungen verabschieden. Mercedes verlässt die DTM, Porsche wird nicht mehr in der Königsklasse des Langstreckensports (LMP1) antreten – und damit auch nicht mehr um den Gesamtsieg bei den 24 Stunden von Le Mans kämpfen.

Die Formel E ist mittlerweile einfach wichtiger, sie sei «das ultimative Umfeld, um die Entwicklung von High-Performance-Fahrzeugen in punkto Umweltfreundlichkeit, Sparsamkeit und Nachhaltigkeit voranzutreiben», sagt Michael Steiner, Entwicklungsvorstand der Porsche AG. Noch vor drei Jahren war eine solche Gewichtung schwer vorstellbar.

Doch nun bewahrheiten sich die damals grossspurig klingenden Ankündigungen einiger Vertreter der Formel E – zumindest teilweise. Man werde den traditionellen Motorsport mittelfristig ablösen, hiess es damals. Und in der Tat können es sich die grossen Marken ganz offensichtlich nicht erlauben, beim aktuellen Trend zur Elektrifizierung bloss zuzuschauen. Das abgasfreie Auto wird im Strassenverkehr immer wichtiger, und daher ist die Formel E als Entwicklungsmotor auf der einen und Werbeplattform auf der anderen Seite unverzichtbar.

Sinnvolle Koexistenz

Eine Gefahr für die Formel 1, die grösste aller Motorsportserien, dürfte die Formel E auf Sicht aber nicht sein. Denn so wichtig die E-WM für die Hersteller auch sein mag, so unbedeutend ist sie (noch) für den «normalen» Motorsport-Fan. Mercedes deckt so mit seinem künftigen Engagement in beiden Serien zwei grundverschiedene Felder ab, eine Koexistenz macht daher sehr viel Sinn. Laut Motorsportchef Toto Wolff wird die Formel 1 auch in ferner Zukunft einen wichtigen Stellenwert für die emotionale Aufladung der Marken behalten. «Der Rennsport wird dann vielleicht ganz neue Möglichkeiten haben, Interesse zu erzeugen», sagte er. «Wenn wir auf der Strasse selbstlenkend und elektrisch unterwegs sind und auf Rennstrecken Gladiatoren mit 370 km/h und über 1000 PS fahren, ist das auch etwas, das Emotionen erzeugen wird.»

Renault-Sportchef Cyril Abiteboul, mit seinen Teams schon jetzt in beiden Serien aktiv, sieht ebenfalls kaum Überschneidungen – solange beide Rennserien ihr Alleinstellungsmerkmal halten. «Wir müssen sicherstellen, dass jede ­Kategorie einen Kundenvorteil besitzt. Dann sehen wir grosse, sinnvolle Unterschiede zwischen Formel 1 und Formel E.» Und so könnten die Elektrorenner der Formel 1 sogar helfen, nicht zu weit in das von den Fans ungeliebte Feld der Hybridtechnik abzudriften.

Auch Porsche setzt nicht nur auf Strom und hat mehrmals sein Interesse bestätigt, künftig auch für die Formel 1 Motoren zu liefern. «Wie alle wissen, ist die Formel E jetzt für uns ein wichtiges Thema», sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Lutz Meschke. «Aber die Formel 1 ist ebenfalls immer etwas, über das man nachdenken sollte.»

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