Formel 1

Gerichtsstreit: Trainingsstart ohne Sauber, doch dann fahren Ericsson und Nasr

Chaos am ersten Trainingstag in Melbourne: Ein Gericht weist den Sauber-Rekurs ab, van der Garde erscheint umgezogen in der Box, fährt dann wegen fehlender Superlizenz aber doch nicht. Im zweiten Training gehen Ericsson und Nasr auf die Strecke.

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Sauber-Eklat: Boliden bleiben zum Saisonstart in der Box
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Felipe Nasr zeigt sich den Medien, in der Hoffnung, dass er starten darf
Marcus Ericsson lässt sich ebenfalls ablichten
Nasr läuft enttäuscht von dannen
Van der Garde siegt vor australischen Gericht, Sauber muss den Mann fahren lassen

Sauber-Eklat: Boliden bleiben zum Saisonstart in der Box

Keystone

Noch vor dem ersten Training zum GP von Australien hat der Schweizer Rennstall Sauber eine Niederlage eingefahren: Ein Gericht in Melbourne hat den Rekurs abgewiesen und damit den Weg für Formel-1-Pilot Giedo van der Garde freigemacht. Doch am Ende kommt Sauber im ersten Training nicht einmal aus der Box.

Der Deutsche Nico Rosberg auf Mercedes hat den ersten Trainingstag für den GP von Australien am Freitag als Schnellster absolviert. Doch dieses Resultat ist in Melbourne eher zur Nebensache verkommen – «Sauber-Gate» sei Dank.

Am Morgen vor dem Training hatte sich in der Affäre der Holländer Sauber-Pilot Giedo van der Garde einen weiteren Etappensieg gegen seinen Arbeitgeber errungen. Drei Berufungsrichter im australischen Melbourne bestätigten ein Urteil des Obersten Gerichtshofs von Victoria von dieser Woche. Sauber müsse für den GP von Australien van der Garde zwingend ins Rennen schicken.

Das erste Training verkommt dann zur kompletten Farce: Etwa zwei Stunden vor Trainingsbeginn nimmt van der Garde in der Sitzschale des Autos von Marcus Ericsson Platz, er trägt auch den Rennanzug des Schweden. Während van der Garde in den Boxen zu Gange ist, verlassen die Sauber-Mechaniker die Garage.

Ist van der Gardes Trotz das Ende von Sauber?

Zahlreiche Twitter-User sympathisieren mit Giedo van der Garde, der sich seinen Platz am Steuer bei Sauber auf gerichtlichem Weg erkämpft. Was ihn neben «Enttäuschung und Rachsucht» wirklich antreiben könnte, schreibt die «NZZ»: Denn laut der Zeitung hat der Holländer kein übermässiges Talent und mache durch sein Vorgehen bei anderen Rennställen nicht eben Werbung in eigener Sache. «Bleibt die Spekulation, van der Garde wolle Sauber in die Knie zwingen, um Investoren eine Übernahme zu ermöglichen.» So soll sein Schwiegervater, der Modeunternehmer Marcel Boekhoorn, im letzten Jahr beim Kauf von Sauber-Anteilen abgeblitzt sein. (kad)

Fehlende Fahrgenehmigung

Wenig später läuft der 29-Jährige wieder in Zivil durch das Fahrerlager im Albert Park. Denn vom Automobilverband FIA fehlt noch die Superlizenz, die jeder Fahrer habe muss. Van der Garde hatte diese jedoch erst am Mittwoch beantragt, eine Ausnahme gab es fürs erste Training aber noch nicht. Offenbar will er erst in Malaysia fahren.

Trotz van der Gardes fehlender Starterlaubnis bleiben die beiden Sauber-Autos während des ersten Trainings in der Box. Marcus Ericsson und Felipe Nasr sind während der gesamten, anderthalb Stunden dauernden ersten Session nur Zuschauer.

Nasr und Ericsson auf der Strecke

Im zweiten Training sind Nasr und Ericsson dann plötzlich auf der Strecke. Doch auch dort verläuft nicht alles reibunglos. Der Schwede Ericsson hat Probleme mit der linken, hineren Aufhängung – es raucht gewaltig. Mit der zweitschlechtesten Zeit muss er zurück an die Box.

Besser läuft es für Nasr. Der Brasilianer fährt immerhin die elfschnellste Zeit und kann beim Topspeed sogar mit den Besten mithalten.

Was sich zwischen P1 und P2 an der rechtlichen Situation geändert hat, ist noch unklar. Haben sich die Parteien etwa geeinigt? Wohl kaum. Der Van-der-Garde-Clan hat sich gemäss «Sky»-Informationen aber mit den Sauber-Verantwortlichen getroffen und es soll zu einer Annäherung gekommen sein.

Doch das juristische Geplänkel ist damit noch längst nicht ausgestanden. Schon für Samstag steht ein neuer Gerichtstermin an. Wie es bei Sauber weitergeht, ist völlig unklar.

Haftantrag gegen Kaltenborn

Der grösste Sturm scheint sich aber gelegt zu haben. Wie australische Medien am Morgen berichteten, haben van der Gardes Anwälte für Sauber-CEO Monisha Kaltenborn Haft oder Busse und Pass-Entzug beantragt, weil sie den Holländer nicht an den Start gelassen habe.

Das Sauber-Team hat deshalb vor dem ersten Training offenbar alles unterlassen, was einen Start van der Gardes be- oder verhindern könnte. Um nicht Zwangsvollstreckungen oder gar eine Beugehaft für Teamchefin Monisha Kaltenborn auszulösen, hat der Rennstall fürs erste das Minimum der Forderungen van der Gardes erfüllt.