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MUSEGG CLASSIC: Ein Hauch von früher

Die Jubiläumskategorie Musegg Classic ehrt den Hügel, auf dem der Stadtlauf seine Wurzeln hat. Die 655 Teilnehmer deuten an, dass diese Strecke Potenzial für die Zukunft hat. Ein Erlebnisbericht.
Roland Eggspühler
Die Museggmauer-Passage: ein grandioses Panorama, das zu Freudensprüngen Anlass gibt. (Bilder: Philipp Schmidli)

Die Museggmauer-Passage: ein grandioses Panorama, das zu Freudensprüngen Anlass gibt. (Bilder: Philipp Schmidli)

Roland Eggspühler

Statt in meiner Altersklasse zu laufen, habe ich mich in diesem Jahr für einen Start in der offenen Jubiläumskategorie Musegg Classic entschieden. Wegen der Einmaligkeit, dem Reiz des Neuen und vielleicht auch, um in alten Erinnerungen an den Lauf «Rund um die Musegg» zu schwelgen.

Den 1. Luzerner Stadtlauf erlebte ich als Zuschauer irgendwo im Gewühl um das Museggschulhaus: Ich wollte dabei sein, getraute mich damals aber nicht, alleine über eine so lange Strecke zu rennen. Heute muss ich über diese Entscheidung schmunzeln, aber sie war wohl die einzig richtige – denn chaoskompatibel war ich damals definitiv nicht, und eine Teilnahme hätte vermutlich ein hohes Traumatisierungspotenzial gehabt. Meine Stadtlauf-Premiere erlebte ich 1979, als ich um ein Jahr mutiger und die Organisation um ein Jahr erfahrener war. Das passte prima.

Bunter Alters- und Leistungsmix

Die Jubiläumskategorie am 40. Luzerner Stadtlauf startet in der Bahnhofstrasse, und auf den ersten 2,5 Kilometern ist die Strecke (und auch fast alles andere) gleich wie in den ordentlichen Alterskategorien. Mit dem kleinen Unterschied, dass eine «open» geführte Kategorie einen bunten Alters- und Leistungsmix mit sich bringt – so wieseln junge Rehe beim Start naturgemäss in einem ganz anderen Tempo los als alte, erfahrene Trainpferde. Das macht den Start in die Jubiläumskategorie leicht unruhiger, als ich es mir von der Altersklasse her gewohnt bin. Doch insgesamt verläuft alles in einem sehr gesitteten Bereich – kein Vergleich zu den Szenen vor knapp 40 Jahren oben auf dem Musegghügel. Damals erlebte ich die Startphase mehr als Kampfsportanlass denn als Laufsportveranstaltung. Den ersten blauen Flecken hatte ich bereits vor dem Startschuss, und nach 100 Metern ging vor mir einer k. o., weil er einen Ellenbogen in die Rippen geschlagen erhielt. Das waren 1979 meine ersten Eindrücke als Stadtlauf-Neuling – eigentlich ein Wunder, dass ich Lauf- und Ausdauersport gern bekommen habe.

Auf der Startschlaufe um die Jesuitenkirche zieht sich das Feld schnell in die Länge. Platz hat es genug, es läuft sich sehr angenehm. Bis zur ersten Passage des Nölliturms finde ich ein realistisches Lauftempo, das ich in der Folge gut durchziehen kann. Und in der Altstadt höre ich immer wieder «Hopp Roli»-Rufe – dass ich sie nicht jemandem zuordnen kann, ist ein gutes Zeichen. Denn das heisst, dass ich schnell unterwegs bin und links und rechts ausblende. Am Grendel verlassen wir die gewohnte Strecke und biegen in die Hertensteinstrasse ab. Dort wird es ruhig, Zuschauer hat es kaum. Nur ein paar flanierende Passanten, die verdattert zur Seite jucken, als sie merken, dass sie sich mitten auf der Laufstrecke befinden. Mein Bauch erlebt diesen Abschnitt als fiese Provokation. Denn er ist bereits leicht hungrig, und überall duftet es so richtig gemein aus den Abluftrohren der Restaurantküchen. Ganz besonders bei einer Pizzeria.

Erinnerung an die Musegg-Zeiten

Nach der Haarnadelkurve beim Restaurant Lapin kommen die Höhenmeter ins Spiel und die Erinnerungen an früher hoch: Die Museggmauer-Passage war jeweils der Moment, die allerletzten ­Reserven zusammenzukratzen und sich ins Ziel zu pushen. Zwischen Museggmauer und -schulhaus überhole ich ein junges Reh, das wohl etwas zu schnell gestartet ist und gerade so dreinschaut, wie ich seinerzeit an dieser Stelle aus­gesehen haben muss. Doch damals war ich kurz vor dem Ziel, das junge Reh ­dagegen hat noch mehr als die Hälfte der Strecke vor sich.

Nun folgt das Auf und Ab durch die Strassen des Museggquartiers, nach der steilen «Abfahrt» beim alten Zeughaus biegen wir wieder in die seit Jahren bewährte Standardstrecke ein. Dass es beim Nölliturm der Reuss entlang zurück in die Altstadt geht, kommt mir ganz gelegen. Den Berglauf-Abschnitt aus den 80er-Jahren hinter der Museggmauer habe ich als brutal hart in Erinnerung. Aber vor allem erinnere ich mich, wie ich als 10-Jähriger dank dem Musegglauf entdeckte, dass die Welt hinter der Stadtmauer tatsächlich weitergeht. Ich vermutete das zwar, aber ganz sicher war ich mir nicht, weil ich bis dato noch nie in diesem Teil der Stadt gewesen war. Die zweite Altstadtpassage ist für mich eine Wucht – die relative Ruhe auf dem Bergabschnitt trägt wohl das Ihre dazu bei, dass ich die Stimmung in den Gassen noch intensiver erlebe als gut 10 Minuten zuvor. Ich lasse mich antreiben und vom Publikum tragen, allerdings nur so fest, dass ich nicht überpowere – denn ich habe ja noch eine Runde vor mir. In der Hertensteinstrasse mit den feinen Küchendüften gilt für mich «Nase zu und durch», und die schon bei der ersten Passage recht steile Museggstrasse ist nun noch steiler.

Beim Museggschulhaus blicke ich eng geradeaus – optionale Features wie das Erinnern an früher hat mein Körper zu Beginn der Schlussrunde ausgeschaltet, das Blut wird nun in meinen Beinen gebraucht. Beim Nölliturm spüre ich eine kribbelnde Vorfreude auf das Finale – das ist ein sehr gutes Zeichen, und in der Tat kann ich auf dem letzten Kilometer nochmals zusetzen. Vom Weinmarkt auf den Kapellplatz zu «fliegen» ist ein wunderschönes Gefühl. Das erlebte ich zu Musegglauf-Zeiten nie, als der Zieleinlauf bergauf ging und ein einziger Krampf war.

Strecke mit Potenzial für die Zukunft

Während ich vom Ziel rüber in die Neustadt auslaufe, wo ich mich zum Essen verabredet habe, gehen mir ein paar weiterführende Gedanken zur Musegg Classic durch den Kopf. Wie wäre das, wenn es diese Strecke auch in Zukunft gäbe? Wie heuer als offene Kategorie für alle oder vielleicht gar als neue Standard­strecke für jene Altersklassen, in denen die üblichen 5,64 Kilometer vielen Teilnehmern eigentlich zu kurz sind? Noch bevor die wohlverdiente Pizza auf den Tisch kommt, ist mir klar: Das Jubiläum war einmalig, aber diese 1,55 Kilometer mehr Stadtlauferlebnis haben Potenzial für die Zukunft.

Hinweis

Resultate der Musegg Classic auf den Seiten 26 und 27.

Auf der klassischen Musegg-Strecke: Noah Gabathuler aus Reussbühl. (Bild: Philipp Schmidli)

Auf der klassischen Musegg-Strecke: Noah Gabathuler aus Reussbühl. (Bild: Philipp Schmidli)

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