Niederlage: Volley Luzern ist mutig – aber zu wenig konstant

Volley Luzern wehrt sich nach Kräften, ist zu Hause im Europacup-Hinspiel gegen Montpellier aber chancenlos.

Stephan Santschi
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Doppelblock von Montpellier gegen den Smash von Luzerns Tim Köpfli.

Doppelblock von Montpellier gegen den Smash von Luzerns Tim Köpfli.

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 11. Dezember 2019)

Es war angerichtet für das sportliche Sahnestück in dieser Saison. 350 Zuschauer sorgten in der Bahnhofhalle für eine gute Atmosphäre. Der Essensstand war feierlich geschmückt mit Schals und Plüschtieren des Vereins. Und die Mannschaft von Volley Luzern war bereit, sich in diesem Hinspiel des 1/16-Finals im Challenge-Cup dem übermächtig scheinenden Gegner aus Montpellier zu stellen. Li­bero Jörg Gautschi jedenfalls schien beim Einlaufen noch etwas geladener als sonst zu sein.

Und dann warfen sich die Luzerner in dieses Duell, sodass ihr Trainer Liam Sketcher später sagen sollte: «Wir spielten mutig, wir haben die Herausforderung angenommen. Ich bin stolz auf meine Spieler.» Zwar liess die Nummer drei Frankreichs sofort die Muskeln spielen, zog mit 8:5 in Front. Doch wie sich ein Underdog erfolgreich wehren kann, zeigte sich zum Beispiel beim Punkt zum 10:11. Dominik Fort nahm einen harten Aufschlag perfekt ab, Passeur Mathis Jucker spielte ohne zu Zögern auf Shonari Hepburn, und dieser schloss den Angriff durch die Mitte konsequent ab.

Luzern mit Dominik Fort, rechts von ihm Jörg Gautschi.

Luzern mit Dominik Fort, rechts von ihm Jörg Gautschi.

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 11. Dezember 2019)

Luzern beunruhigt den Favoriten kurzzeitig

Luzern blieb also dran, bewegte sich mit dem Favoriten auf Augenhöhe, und als Tim Köpfli mit drei Servicewinnern das Skore ausglich (14:14), kam es im Pu­blikum zum ersten emotionalen Höhepunkt. Dann aber zeigten die Gäste ihre Klasse, reduzierten die Fehler und entschieden den ersten Satz relativ unspektakulär mit 25:19 für sich. War der Widerstand des Aussenseiters damit bereits gebrochen? Keineswegs. Die Blauweissen zeigten Herz, gingen in Satz zwei erstmals in Führung (2:1), und als Mathis Jucker zum Service antrat, machten sie aus einem 7:6 sogar ein 11:6.

Jucker, der erst 21-jährige Passeur der Luzerner, ballte die Fäuste und freute sich diebisch über seine trickreichen Aufschläge. Einer landete sogar unberührt exakt im hinteren Eck von Montpellier. «Der Gegner hatte einige Gründe, sich zu sorgen», stellte Sketcher fest. Doch Highlights im Spiel reichen zum Exploit nicht aus, es braucht vor allem Konstanz auf hohem Level, um einem Kontrahenten wie den Südfranzosen wenigstens einen Satz abzuluchsen. Das gelang den Luzernern nicht. Montpellier schaffte die Wende und gewann den zweiten Durchgang mit 27:25. Satz drei war dann nur noch Formsache, der Glaube war gebrochen, mit 9:25 ging er verloren und die Partie mit 0:3.

Einziger Wermutstropfen: Halle ist nicht ausverkauft

Auch wenn damit vor dem Rückspiel in einer Woche die Vorentscheidung in diesem Duell auf europäischem Parkett bereits gefallen ist, durfte Luzern mit dem Auftritt zufrieden sein. «Wenn wir auf unserem besten Level spielen, sind wir sehr nahe an einem solchen Gegner dran», sagte Sketcher. Und Teamchef Josef Wicki hielt fest: «Der Europacup ist ein Geschenk, das wir uns erarbeitet haben. Wir nutzen es, um Erfahrungen zu sammeln und zu wachsen.»

Montpellier, das über ein mehr als vierfach höheres Budget verfügt (1,4 Millionen Franken zu 300000 von Luzern), habe das Spiel sehr ernst genommen, sei bereits am Montag angereist. Einziger Wermutstropfen für Wicki: «Wir hätten mit 500 Zuschauern gerne eine volle Halle gehabt.»

Luzern mit Shonari Hepburn beim Smash.

Luzern mit Shonari Hepburn beim Smash.

Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 11. Dezember 2019)

Volley Luzern – Montpellier 0:3

Bahnhofhalle. – 350 Zuschauer. – Spieldauer: 71 Minuten. – Sätze: 19:25, 25:27, 9:25.

Volley Luzern: Amstutz, Köpfli, Fort, Jucker, Hepburn, Buivids, Gautschi (Libero); Perezic, Widmer, Traagstad, Ulrich, Von Wyl.

Challenge-Cup. 1/16-Final, Hinspiel: Volley Luzern – Montpellier 0:3. – Rückspiel am 18. Dezember auswärts in Montpellier.