Nach dem Bundesratsentscheid: Freude im Fussball – aber die Angst vor dem Flickenteppich bleibt

Liga-CEO Claudius Schäfer spricht von einem wichtigen Schritt für den Schweizer Fussball. Dennoch sind die Probleme der Vereine noch nicht überstanden.

Raphael Gutzwiller
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Claudius Schäfer hat trotz des Bundesrats noch einige Fragezeichen.

Claudius Schäfer hat trotz des Bundesrats noch einige Fragezeichen.

Anthony Anex / KEYSTONE

Für die Fussballliga ist der Entscheid des Bundesrates wichtig, dass wieder mehr als 1000 Zuschauer ins Stadion dürfen. Dementsprechend positiv zeigt sich Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League:

«Wir können gut damit leben. Dank des Entscheides haben wir eine gewisse Perspektive. Auch im europäischen Vergleich stehen wir gut da.»

Dennoch sind die Probleme der Vereine noch nicht überstanden. Seit Beginn der Coronakrise kämpfen sie mit erheblichen Schwierigkeiten, haben seit Monaten keine Eintrittsgelder eingenommen. «Es ist wichtig, dass die Spiele tatsächlich wie geplant stattfinden können», sagt Schäfer. Für ihn gibt es nämlich einige Gefahren aus Sicht der Vereine. Denn die Kantone, die bei der Zulassung der Veranstaltungen die letzte Instanz sind, könnten unterschiedlich beurteilen. «Unser Ziel ist es, dass alle Vereine ähnliche Voraussetzungen erhalten.»

Deshalb wünscht Schäfer klarere Regeln. Unter anderem heisst es, dass eine Veranstaltung abgesagt werden könnte, wenn das Kontakt-Tracing im Kanton nicht mehr organisiert werden kann. «Was heisst das genau? Durch solche Formulieren entsteht die Gefahr, dass es in jedem Kanton anders gehandhabt wird.» Zusätzlich befeuert wird die Angst nach einem Flickenteppich dadurch, dass mit Vaduz ein Liechtensteinisches Team in der Liga spielt. Andere Fragen gibt es derweil bei Wil, Winterthur, Kriens und Aarau, die in ihrem Stadion deutlich mehr Steh- als Sitzplätze haben. Dort hofft man auf temporäre Lösungen oder auf Ausnahmebewilligungen.

Auch Wanja Greuel, CEO der Young Boys, spricht von einem guten Entscheid. Insbesondere in der Zu- und Abreise kommen aber Herausforderungen auf die Vereine zu. «Wir sind überzeugt, dass wir sie lösen können.» YB hat, wie andere Vereine mit modernen Stadien auch, die Möglichkeit Stehplätze in Sitzplätze umzuwandeln. «Dadurch wird eine hohe Zuschauerzahl möglich sein. Wie viel müssen wir noch genau berechnen», so Greuel.

Ein noch offenes Thema ist die finanzielle Unterstützung des Bundes. 150 Millionen Franken sind zwar gesprochen, doch die Ligen sind mit der Solidarhaftung nicht einverstanden. Die Klubs sollen das Geld direkt beantragen können. Darüber befindet das Parlament in seiner nächsten Session.

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