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Nach Spielabbruch bei FCL gegen GC: Lösung des Hooligan-Problems lässt auf sich warten

Wie Störaktionen von Fussballchaoten künftig besser verhindert werden sollen, bleibt auch nach dem Vorfall vom Sonntag unklar. Die Verantwortlichen äussern sich nur vage. Ein neuer Bericht soll Klarheit schaffen – in einem Jahr.
Lucien Rahm und Daniel Wyrsch
Die GC-Spieler händigen den Ultras ihre Trikots aus. (Bild: Keystone, Luzern, 12. Mai 2019)

Die GC-Spieler händigen den Ultras ihre Trikots aus. (Bild: Keystone, Luzern, 12. Mai 2019)

Nach knapp 68 Minuten war die Partie zwischen Luzern und GC vom vergangenen Sonntag bereits zu Ende. Mehrere Dutzend GC-Chaoten kletterten nämlich über die Absperrung zum Spielfeldrand, bedrohten GC-Spieler und machen Anstalten, das Feld zu stürmen. Sie erreichen dadurch nicht nur, dass erstmals Polizeikräfte den Rasen der Swissporarena betreten müssen, sondern auch den vorzeitigen Spielschluss. Die Chaoten forderten nach einer Unterhaltung mit Vereinspräsident Stephan Rietiker und Torhüter Heinz Lindner die Herausgabe der GC-Trikots, wozu es letztlich auch kam. Er habe «contrecoeur» gehandelt und schäme sich dafür, sagte Rietiker am Montag an der Medienkonferenz seines Vereins. Aber es sei darum gegangen, Schlimmeres zu vermeiden. «Es war kein Kniefall, sondern es ging um Deeskalation», so Rietiker.

Der neue GC-Präsident machte am Montag auch klar, was nun aus seiner Sicht geschehen muss: «Die Politik, der Fussballverband und die Klubs sind nun gefragt. Es braucht eine Mischung zwischen Dialog und Repression.» Autosünder würden in der Schweiz härter bestraft als viele Kriminelle. «In Deutschland, beim American Football in den USA oder in England würden diese Leute im Kastenwagen abgeführt», so Rietiker.

Sind aus Zürich in dieser Hinsicht einigermassen klare Worte zu vernehmen, klingen die Verantwortlichen andernorts noch etwas zögerlicher. Beim FC Luzern heisst es: «Wir sind aufgrund von anderen Vorfällen, die in dieser Saison schon in unserem Stadion passiert sind, in einem Austausch mit der Liga», so FCL-Medienchef Markus Krienbühl. In diesem Jahr haben die Luzerner Ultras bereits für Schlagzeilen gesorgt, als sie zweimal gegen frühe Anspielzeiten protestierten. Aus Sicht des Vereins sei dies der einzige Weg, «mindestens auf dieser Ebene miteinander zu sprechen». Zu den Forderung von GC-Präsident Rietiker möchte der FC Luzern keine Stellung beziehen. «Weil wir nicht der Meinung sind, dass eine Diskussion in der Öffentlichkeit besonders zielführend ist.»

Massnahmen müssen zusammen mit Verband erfolgen

Ob es für den FCL konkret denkbar wäre, bei den Gästefans künftig Ausweiskontrollen durchzuführen – wie das übrigens der EV Zug praktiziert –, bleibt somit offen. «Als Klub kannst du nicht alleine Massnahmen ergreifen, das muss zusammen mit der Swiss Football League (SFL) passieren», sagt Krienbühl. Das Ziel sei eine einheitliche Regelung, die für alle Super-League-Klubs gelte. Bei der angesprochenen SFL heisst es auf Anfrage ebenfalls noch wenig konkret: «Wir werden unsere immensen Bemühungen gemeinsam mit den Klubs weiterführen, genau so wie den Weg des Dialogs», teilt SFL-Medienchef Philippe Guggisberg mit. Der spezifische Fall vom Sonntag liege nun bei der Disziplinarkommission der SFL vor. «Diese ist angehalten, den Fall mit der erforderlichen Dringlichkeit zu behandeln.»

Ausweiskontrollen inklusive Abgleich der Daten mit der nationalen Hooligan-Datenbank sind eine der möglichen Massnahmen, welche das sogenannte Hooligankonkordat vorsieht. Es besteht seit 2007, vor sieben Jahren wurde der Konkordatstext um weitere Massnahmen ergänzt. Darunter die Möglichkeit eines national gültigen Rayonverbots (zuvor lokal begrenzt) und das Ahnden eines blossen Mitführens von Pyrotechnik als gewalttätiges Verhalten. Welche der noch nicht praktizierten Möglichkeiten nach Vorfällen wie jenen vom Sonntag künftig in Betracht gezogen werden könnten, ist jedoch auch für die dafür verantwortliche Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD) zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar. «Klar ist für mich nach den jüngsten Vorfällen rund um Spiele der Super League, dass Handlungsbedarf besteht», schreibt auf Anfrage Roger Schneeberger, Generalsekretär der KKJPD. «In welche Richtung die zu treffenden Massnahmen gehen, möchte ich nicht vorweg nehmen.» Denn entscheiden wolle man, nachdem ein im April veranlasster Bericht über die Auswirkungen des Hooligankonkordats erscheint. Das Papier soll auch konkrete Handlungsempfehlungen beinhalten. «Dieser Prozess wird allerdings bis Mitte 2020 dauern», so Schneeberger. Über allfällige kurzfristige Massnahmen werde man in den Monaten Mai und Juni diskutieren. Wie diese aussehen könnten, kann Schneeberger aber ebenfalls noch nicht sagen: «Ich möchte im Vorfeld nicht spekulieren.»

Sperrung des Gästesektors bereits möglich

Auch der Luzerner Justizdirektor Paul Winiker (SVP) möchte dies nicht tun. «Es wäre verfrüht, aufgrund dieses Vorfalls einzelne Massnahmen anzukündigen.» Deutlich macht Winiker jedoch, dass das am Sonntag Vorgefallene für ihn «unter keinen Umständen» zu tolerieren ist. «Ich verurteile diese Aktion aufs Schärfste.» Obwohl auch Winiker noch nicht sagen kann, welche Massnahmen künftig ergriffen werden könnten, weist er auf ein bereits bestehendes Eskalationsmodell hin, welches zum Beispiel bis zur Sperrung des Gästesektors gehe. «Es ist jedoch Sache der Liga und der Klubs, dieses Modell auch anzuwenden.»

Was auch immer die Folgen der Aktionen wie jener vom Sonntag sein werden – fest steht: Die GC-Chaoten geraten nun aufgrund ihrer Drohungen gegen Spieler auch wegen möglicher Nötigung ins Visier der Justiz. Die Luzerner Staatsanwaltschaft hat eine entsprechende Untersuchung eingeleitet. Ob auch der FC Luzern eine Anzeige gegen die GC-Hooligans erstatten wird, ist unklar: «Es ist zu früh, um zu sagen, was wir genau machen werden», so FCL-Sprecher Markus Krienbühl. Sicher sei aber: «Es sind Video- und TV-Aufnahmen vorhanden, wovon schnellstmöglich eine Auswertung gemacht wird.» Dass es zum Vorfall kommen musste, hat Christian Wandeler, Geschäftsleiter der Fanarbeit Schweiz, übrigens nicht überrascht. «Glücklicherweise kam es aber zu keinen Gewaltszenen.» Auch er befürwortet bei der Vorbeugung gegen solche Ereignisse einen Mix aus Repression und Dialog. «Jedoch sollte man den Dialog stärken.»

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