Nach unglücklicher sechster FCL-Niederlage in Serie gibt's für die jungen Spieler Lob von YB-Meistertrainer Seoane

Der FC Luzern präsentierte sich als kompakte und kampfstarke Mannschaft beim Meister YB, obwohl nicht weniger als vier U21-Spieler im stark dezimierten Team zum Einsatz kamen. Ein Eigentor von Pascal Schürpf führte zur bitteren 0:1-Niederlage.

Daniel Wyrsch aus Bern
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Torhüter Müller in vollem Einsatz.

Torhüter Müller in vollem Einsatz.

Martin Meienberger

Was war das für ein Spiel auf dem Plastik des Stade de Suisse. YB-Trainer Gerardo Seoane war nach den 90 Minuten und dem knappen 1:0-Sieg seiner Mannschaft über seinen Ex-Klub FC Luzern sichtlich unzufrieden. Dabei hatte er vor dem Match im Interview mit unserer Zeitung noch gesagt: «Mit einem 1:0-Sieg wäre ich zufrieden.»

Eine halbe Stunde nach dem Match analysierte Seoane aber mit ernster Miene: «Ehrlich gesagt habe ich gemischte Gefühle. Einerseits haben wir die schnellen Spitzen von Luzern gut kontrolliert. Und wir haben solidarisch gekämpft. In der Offensive hatten wir viel Ballbesitz, doch uns haben die Kreativität und die Ideen gefehlt.» Seoane stellte bei seinen Leuten zwei Pflichtspiele vor dem Ende der Vorrunde eine mentale Müdigkeit fest.

Emini, Mistrafovic, Burch und Males dürfen stolz sein

Dafür lobte der Rothenburger, der seit Jahren in Hergiswil am Vierwaldstättersee wohnt, die Gäste aus der Innerschweiz: «Die junge Mannschaft aus Luzern hat das gut gemacht. Kompliment an die jungen Spieler, sie haben sich gut präsentiert.» Bis vor zwei Jahren trainierte Seoane noch die U21 des FCL, er kennt Lorik Emini (20), David Mistrafovic (18), Darian Males (18) und Marco Burch (19), die gegen seine Young Boys tatsächlich ihr Bestes gegeben hatten. Die Nachwuchsabteilung darf sich über die Eigengewächse aus der aktuellen U21 freuen.

Trotzdem standen die stark dezimierten Luzerner, die wegen Sperren und Verletzungen auf sechs bis sieben Stammkräfte verzichten mussten, am Ende mit leeren Händen da. Marius Müller zeigte erneut eine tadellose Vorstellung, aber gegen den Ablenker von Pascal Schürpf in der 46. Minute war der Keeper absolut machtlos.

«Es tut mir leid für Pasci Schürpf»

Der FCL-Captain musste für den gesperrten Silvan Sidler hinten links verteidigen. Ein ungeschriebenes Gesetz im Fussball heisst, dass ein Stürmer oder Offensivmann nichts im eigenen Strafraum verloren hat. Doch Pascal Schürpf in seiner ungewohnten Rolle stand halt bei der Flanke von Ulisses Garcia dort hinten drin - und lenkte den Ball mit der Hüfte in die tiefe unter Torecke zum 0:1. Das entscheidende (Eigen-)Tor.

Gar nicht im Sinn von Gerardo Seoane, der im Frühling 2018 als Luzern-Trainer von zehn Schürpf-Toren profitiert hatte, welche den Sprung vom vorletzten auf den dritten Rang überhaupt möglich machten. «Das tut mir leid für Pasci und die Luzerner Mannschaft», meinte der YB-Meistertrainer. Er sei überzeugt, dass sich seine Equipe auch mit anderen Chancen den Sieg noch selber herausgespielt hätte. YB bleibt mit dem 1:0-Erfolg vor 25'560 Zuschauern Tabellenführer.

Gefährlicher Margiotta erst spät eingewechselt

Bei Luzern kamen die Offensivkräfte Darian Males (62.) und vor allem Francesco Margiotta (78.) erst spät ins Spiel. Der Italiener Margiotta hatte dann für die kompakt und sehr kämpferisch verteidigende Mannschaft von Trainer Thomas Häberli drei gefährliche Abschlüsse. Sein hervorragend getretener Freistoss in der 92. Minute lenkte YB-Torhüter David von Ballmoos mirakulös über die Torlatte.

Für den FC Luzern sind sechs Niederlagen hintereinander in der Super League ein Novum. Seit 2006 zurück in der höchsten Liga, die 2003 von Nationalliga A zur englischen Bezeichnung umbenannt worden war, haben die Innerschweizer noch nie ein halbes Dutzend Mal in Folge verloren. Weil Xamax gegen Lugano am Samstag 1:1-unentschieden gespielt hat, ist der Vorsprung auf den Barrage-Platz (9.) der Neuenburger auf nunmehr zwei Punkte geschrumpft.

Am nächsten Sonntag empfängt der FCL den FC Basel zum abschliessenden Vorrundenspiel. Danach ruht die Meisterschaft bis zum 25./26. Januar 2020. Luzern muss an jenem Wochenende zum FC Zürich.