Super League

Nächstes Erdbeben im Krisen-Klub GC: Präsident Anliker und CEO Huber treten ab

GC-Präsident Stephan Anliker tritt nach einem turbulenten Jahresbeginn zurück. Erst der Skandal im Nachwuchs, dann der Spielabbruch in Sion – Anliker tritt auf dem Höhepunkt der Krise ab und nennt das den richtigen Zeitpunkt. Auf ihn soll ein Schweizer Wirtschaftsprüfer folgen.

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Die GC-Krise 2019 in Bildern
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Er spricht vom richtigen Zeitpunkt. Sein Team steht am Tabellenende und wankt von Skandal zu Skandal.
GC-CEO Manuel Huber (links) ist ein umstrittener Mann. Auch er zieht die Konsequenzen aus der aktuellen Situation. Er bleibt noch bis zur Sommerpause verantwortlich für die operative Führung.
Wenn es lief, dann genoss er das Bad in der Menge. Als GC dieses Jahr so richtig in die Krise rutschte, zog er den Urlaub in der Karibik vor.
Eben erst präsentierten Huber und Anliker mit Tomislav Stipic (rechts) noch einen neuen Trainer. Apropos Zeitpunkt: Gut gewählt, dann kann der neue Präsident nicht einmal beim Trainer eine Duftmarke setzen.
Er folgte auf Trainer Thorsten Fink, der zusammen mit Sportchef Mathias Walther Anfang März den Hut nehmen musste.
Es war dies die Reaktion der Klubführung auf das 1:3 gegen Luzern vor eigenem Publikum. Ein Teil der GC-Fans stürmte damals auf die Haupttribüne, weil die Klubführung sich nicht in der Lage sah, sich mit den Anhängern zu treffen und auszutauschen. Auf einem Banner schrieben sie: «Wänn ihr nöd uf eus zuechömed, chömed mir halt zu eu.»
Ende Februar wurde der Klub zudem von einem Bestechungsskandal im Nachwuchs durchgeruttelt.
Fünf Trainer wurden entlassen, weil sie Geld verlangt haben sollen für Zusatztrainings und dergleichen. Das grosse GC war auf einmal ganz klein.
Serey Die freut sich über seinen ersten Treffer für seinen neuen Arbeitgeber Xamax. Dank seinem Tor gewannen die Neuenburger 1:0 und gaben die rote Laterne ab.
Rekordmeister GC dagegen rutschte auf den letzten Platz ab. Sportlich kamen sie schon Mitte Februar ganz unten an.
Im folgenden Spiel gegen Thun holten die Hoppers ihren bisher letzten Punkt. Allerdings sorgten die Fans für einen kleinen Skandal, weil sie statt Kombi-Tickets für den Fansektor zu kaufen, überall im Stadion waren.
Schon im Dezember sorgten die GC-Fans im Berner Oberland für Kopfschütteln. Nach der 0:1-Niederlage randalierten die Anhänger des Rekordmeisters, zerstörten Busse und ärgerten Anwohner.
Für den bisher grösste Skandal sorgten sie allerdings vor der Länderspielpause im Wallis.
Weil die GC-Fans mehrere Pyro-Fackeln auf den Platz warfen, wurde die Partie abgebrochen.

Die GC-Krise 2019 in Bildern

KEYSTONE/WALTER BIERI

Das nächste Erdbeben bei den Grasshoppers. Nach den Skandalen im Nachwuchs und dem Spielabbruch in Sion wirft nun Präsident Stephan Anliker den Bettel hin. Zudem teilt der Klub mit, dass auch CEO Manuel Huber abtreten wird. Noch bis Ende Saison ist er verantwortlich für die operative Führung des Tabellenletzten.

Anliker will mit seinem Rückzug Platz für einen Neuanfang machen. «Es ist für mich der richtige Moment, neuen Kräften und Ideen bei GC den Weg frei zu machen. Die aktuell sportlich schwierige Situation erfordert jetzt Ruhe und Konzentration, um den Verbleib in der Super League noch zu schaffen», wird Anliker in einer Medienmitteilung zitiert. An seinem Engagement als Hauptaktionär ändert sich nach dem Abgang als VR-Präsident nichts. Anliker hält zusammen mit Peter Stüber rund 94 Prozent der Anteile an der Grasshopper Fussball AG.

Erfahrener Schweizer Wirtschaftsprüfer soll übernehmen

Die beiden Hauptaktionäre haben sich bereits auf einen Nachfolger für das Präsidium festgelegt. Der neue Mann ist ein erfahrener Schweizer Wirtschaftsprüfer mit umfangreichen Kenntnissen als CEO und Verwaltungsrat. Der neue VR-Präsident wird am Mittwoch nach der Vertragsunterzeichnung präsentiert. Bis zur formellen Wahl an einer ausserordentlichen Generalversammlung im nächsten Monat soll er das Amt im Mandatsverhältnis bekleiden.

In der operativen Führung ist Kontinuität bis zum Ende der laufenden Saison gewährleistet. Danach wird auch CEO Huber von seinem Amt zurücktreten. Der Nachfolger ist noch nicht bestimmt. Huber trat im Februar 2014 in die GC-Führung ein, gleichzeitig stieg Anliker vom Vizepräsidenten zum Präsidenten auf. Zwischenzeitlich hat Huber auch das Amt des Sportchefs inne gehabt. (sda)