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NACHWUCHS: Der Mädchenanteil schwankt

An der Sportschule Kriens sind die Mädchen seit jeher in der Unterzahl. Anders sieht es an der Kantonsschule Alpenquai aus: Dort hat man im laufenden Schuljahr sogar mehr Frauen als Männer in den Sportklassen.
Claudio Zanini
Von der Krienser Sportschule zu den Olympischen Spielen in Südkorea: Nadine Fähndrich aus Eigenthal. (Bild: Federico Modica/Freshfocus (Pyeongchang, 10. Februar 2018))

Von der Krienser Sportschule zu den Olympischen Spielen in Südkorea: Nadine Fähndrich aus Eigenthal. (Bild: Federico Modica/Freshfocus (Pyeongchang, 10. Februar 2018))

Claudio Zanini

claudio.zanini@luzernerzeitung.ch

In den Glaskästen im Treppenhaus hängen aktuelle Zeitungsartikel über Nadine Fähndrich oder Géraldine Ruckstuhl. Die Langläuferin aus Eigenthal, die bei Olympia im Einsatz stand, begann ihre Laufbahn ebenso in der Krienser Sportschule wie die Siebenkämpferin aus Altbüron. Auf dem Weg in den obersten Stock des Gebäudes prangt an prominenter Stelle ein Dress von EVZ-Spieler Lino Martschini – ebenfalls ein ehemaliger Schüler. Im Büro des Schulleiters Thomas Küttel sind Trikots von Valentin Stocker oder dem ehemaligen FCL-Spieler Sava Bento an der Wand, auch sie gingen einst hier zur Schule. Küttel verfolgt die Wege seiner ehemaligen Schützlinge. Und leidet mit, wie sich schnell offenbart. «Ja, leider läuft es Stocker momentan noch nicht nach Wunsch beim FC Basel.»

Seit 2001 gibt es die Sportschule in Kriens für die erste bis dritte Sekundarstufe. Thomas Küttel ist von Anfang an dabei. Jede Stufe hat zwei Klassen, 120 Schüler insgesamt. Seit jeher sind die Mädchen in Kriens untervertreten. Im kommenden Sommer werden unter den 46 Schülern der Abschlussklassen nur sieben Mädchen sein. So tief war die Zahl in den letzten fünf Jahren nie. Der Mädchenanteil über alle Klassen beträgt im laufenden Schuljahr 21 Prozent. «Wir haben ziemliche Schwankungen, was den Mädchenanteil betrifft. Da wollen wir eine Konstanz reinbringen mit dem Ziel, immer etwa bei einem Drittel zu sein», sagt Küttel. Gründe für den bescheidenen Frauenanteil seien schwierig zu benennen. «Anmeldungen haben wir grundsätzlich genug. Jedes Jahr werden 40 Schüler selektioniert. Und das passiert immer geschlechtsneutral. Da geht es allein darum, wie gross das sportliche Potenzial einer Person ist.»

2011 war der Frauenanteil auf dem bisherigen Höhepunkt. Von den 41 Abgängern waren damals 37 Prozent Mädchen. Es war die Zeit, als das Luzerner Frauenbasketball seine Blütezeit erlebte – dank den Highflyers, die in der NLA spielten. Der Sport stand bei den Mädchen hoch im Kurs, an der Krienser Sportschule hatte man dementsprechend eher viele Basketballerinnen.

Der Fussballer, das Herdentier

Ein Gleichstellungsproblem sieht Küttel nicht, Mädchen bekämen dieselben Chancen wie Buben, wenn sie eine sportliche Karriere beabsichtigen. «Ein Mädchen kann jede x-beliebige Sportart ausüben, sei es Schwingen, Autorennsport oder Gewichtheben. Strukturen finden sich überall. Und manchmal wirkt sich ein härterer Weg gar positiv auf den Karriereverlauf aus.» Dass es praktisch keine Grenzen gibt in der Sportschule, zeigt ein jüngstes Beispiel: Vor kurzem hat man zum ersten Mal versuchsweise zwei Balletttänzerinnen aufgenommen.

Sportarten mit einem hohen Frauenanteil sind in Kriens etwa Eiskunstlauf, Volleyball oder Biathlon. Erstaunlich ist überdies, dass der Frauenanteil im Tennis immer höher war als der Männeranteil. Unterschiede erkennt der Schulleiter auch im Alltag, was die Eigenschaften der angehenden Spitzensportler betrifft. «Die Frauen finden sich oft schneller und vermischen sich klassen- und sportartenübergreifend besser. Die Männer bleiben meist in ihrer Sportart», sagt Küttel und ergänzt: «Die Fussballer gehen gemeinsam mittagessen, laufen gemeinsam zum Restaurant und bleiben eher unter sich.»

Beliebt sind Fussball, Volleyball, Handball

An der Kantonsschule Alpenquai werden seit dem Schuljahr 2002/03 Sport- und Musikklassen geführt – nach dem Lehrplan des Kurzzeitgymnasiums. Noch am Anfang waren die Männer in der Überzahl, in den letzten Jahren hat sich dies geändert. Über alle fünf Stufen sind im laufenden Schuljahr 90 Sportschüler immatrikuliert, davon sind 55 Mädchen. In der ersten Sportklasse hat es zurzeit sogar 16 Mädchen und nur 7 Jungs. Stefano Nicosanti, Prorektor der Sport- und Musikklassen, spricht von einem «statistischen Ausreisser». Er sagt: «Das wird sich im nächsten Jahr wohl wieder ausgleichen. Für die nächstjährige Sportklasse haben sich ein bisschen mehr Jungs als Mädchen beworben.» Beliebteste Sportarten bei den Mädchen sind derzeit Fussball (14 Schülerinnen), Volleyball (9) und Handball (6). Momentan hat es sogar mehr Fussballerinnen als Fussballer an der Kantonsschule. «Die regionale Mädchenförderung hat sich im Fussball in den letzten Jahren stark entwickelt», begründet Nicosanti. Dasselbe gilt auch für Volleyball: In allen fünf Klassen gibt es neun Frauen, aber nur einen Mann.

Die Zahlen der Kantonsschule zeigen, dass es viele Mädchen gibt, die den Spitzensportweg einschlagen wollen. Dass sie dies auch mit Erfolg machen, widerspiegelt sich letztlich bei der Ehrung des Luzerner Nachwuchssportlers, wo in den vergangenen vier Jahren dreimal eine Frau gewann. Darunter waren auch Géraldine Ruckstuhl und Nadine Fähndrich.

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