Den Gegner aufgebaut: Der EV Zug verliert gegen Meister Bern mit 1:2

Nach vier Siegen in Folge verliert der EV Zug wieder einmal. Das 1:2 in Bern war eine unnötige Niederlage.

Sascha Frey aus Bern
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Santeri Alatalo im Kampf um den Puck mit Berns Sandro Brügger.

Santeri Alatalo im Kampf um den Puck mit Berns Sandro Brügger. 

Bild: Marcel Bieri, Keystone

Auch wenn die Berner ihr Potenzial in dieser Saison bislang oft nicht ausschöpfen und weiterhin unter dem Strich liegen, wäre ihnen bei einer Playoff-Qualifikation angesichts der immensen Erfahrung im Team einiges zuzutrauen. Nicht umsonst holte der SCB in den letzten vier Jahren dreimal den Meisterpokal. 2016 erreichte er als Achter die entscheidende Meisterschaftsphase und verlor dann noch zwei Partien. Auch die Zuger machten bei den Final-Niederlagen 2017 und 2019 negative Erfahrungen mit der Playoff-Stärke der Berner.

Unter diesem Aspekt vergab der EVZ eine gute Chance, den Titelverteidiger entscheidend zurückzubinden. Bei einer Niederlage wäre der Rückstand der Berner auf das achtplatzierte Fribourg auf vier Punkte angewachsen, wobei Gottéron noch ein Spiel weniger ausgetragen hat. Nun beträgt die Differenz weiterhin einen Zähler. Ausserdem hätten die Zuger mit einem Erfolg einen grossen Schritt in Richtung Qualifikationssieg gemacht, würden sie nun sechs Punkte vor dem HC Davos liegen.

Neuzugang Martinsen erzielt die Zuger Führung

Das ist umso erwähnenswerter, als sich die Zuger auf einem guten Weg befanden, die Berner auch im vierten Saisonduell zu bezwingen und den fünften Sieg in Folge zu feiern. Nach einer ausgeglichenen Startphase gingen die Gäste in der 14. Minute durch Andreas Martinsen in Führung. Der physisch starke Norweger, der sein zweites Spiel für den EVZ bestritt, war via des Beins von SCB-Verteidiger Justin Krueger erfolgreich. Fortan hatten die Zentralschweizer die Begegnung weitgehend Griff, das Heimteam war sichtlich geschockt.

An Möglichkeiten, auf 2:0 zu erhöhen, mangelte es nicht. Dann kam die 29. Minute. Nachdem schon Calle Andersson eine Zweiminuten-Strafe bekommen hatte, musste mit Krueger ein zweiter Berner Verteidiger auf die Strafbank. Die Zuger hätten während 78 Sekunden in doppelter Überzahl agieren können. Hätten, denn unmittelbar nach dem Bully kassierte Oscar Lindberg eine Strafe, die nichts anderes als dämlich war (hoher Stock).

Das gab den Bernern erkennbar Energie und das Publikum erwachte wieder. Dann kam noch ein Puckverlust von Carl Klingberg in unmittelbarer Nähe des eigenen Tores an Jan Mursak dazu, worauf Simon Moser keine Mühe bekundete, in der 32. Minute den Ausgleich zu erzielen. Und es kam noch schlimmer: Als Jesse Zgraggen in der Kühlbox sass, gelang Andrew Ebbett das 2:1 für die Berner (39.). Im letzten Abschnitt kassierten die Gäste gleich fünf Zweiminuten-Strafen, was es zusätzlich erschwerte, in die Partie zurückzukehren. Zudem hatte der EVZ Pech, dass Gregory Hofmann in der 49. Minute an der Latte scheiterte.

Der Zuger Goalie Leonardo Genoni, der eine starke Leistung zeigte und zum besten Spieler seiner Mannschaft gekürt wurde, führte die Niederlage auf die "zu vielen Strafen" zurück. "Das hatten wir in den letzten Partien eigentlich im Griff." Diesbezüglich sei es ein Rückschritt gewesen. Insofern war für ihn das negative Resultat selbst verschuldet. "Wir hätten weiter powern müssen, wie wir das am Anfang gemacht haben. Dann wäre es sicher gut gekommen."

Lino Martschini fand, dass sie zu wenig gradlinig gespielt und zu viel Scheiben verloren hätten. Captain Rafael Diaz bemängelte die Chancenauswertung, ergänzte aber: "Auch heute waren viele Sachen gut." Bereits heute Samstag haben die Zuger im Heimspiel gegen Fribourg die Chance, es besser zu machen.