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NATIONALTEAM: Das Opfer eines medialen Unsinns

Es ist nicht immer leicht, Doppelbürger zu sein und für die Schweiz Fussball zu spielen. Das zeigt das Beispiel von Granit Xhaka (23). Eine Einschätzung.
Gestern in Zürich vereint, am 11. Juni an der EM gegeneinander: Granit Xhaka (rechts) spielt für die Schweiz, sein Bruder Taulant für Albanien. (Bild: Keystone)

Gestern in Zürich vereint, am 11. Juni an der EM gegeneinander: Granit Xhaka (rechts) spielt für die Schweiz, sein Bruder Taulant für Albanien. (Bild: Keystone)

Andreas Ineichen, Zürich

Am Dienstag erreichte eine bahnbrechende News die Sportredaktionen der Schweiz. Granit Xhaka spielt weiterhin für die Schweiz. Wow, unfassbar!

Als ob der 41-fache Internationale jemals irgendetwas anderes habe verlauten lassen, als ob Xhaka ein Aufgebot des neuen Uefa- und Fifa-Mitgliedes Kosovo erhalten habe. Und als ob schon bekannt wäre, dass der Sohn kosovarischer Einwanderer überhaupt den Landesverband wechseln darf.

Es liegt auf der Hand, dass sich der in Basel geborene Captain von Borussia Mönchengladbach dazu genötigt fühlte, in einer Frage Klarheit zu schaffen, die gar keine drängende ist. «Ich habe keine Ahnung, warum dieses Thema aufgetaucht ist. Bei uns in der Familie war es nie ein Thema», sagte Granit Xhaka gestern bei einem Medientreffen im Fifa-Museum in Zürich.

Die unerfreuliche Konsequenz

Das unsinnige Thema bezüglich einem möglichen Wechsel der Schweizer Nationalspieler und Doppelbürger Granit Xhaka, Xherdan Shaqiri, Valon Behrami und Shani Tarashaj zum Nationalteam des Kosovo hat vor Wochen die «Blick»-Gruppe aufgebracht und danach bewirtschaftet. Die unerfreulichen Folgen davon hat Xhaka am Montag, am Tag vor seinem abermaligen Bekenntnis zur Schweiz, in der Swissporarena zu spüren bekommen. Als er beim Super-League-Spiel zwischen Luzern und Basel (4:0) ein Platzinterview geben wollte, wurde er gnadenlos ausgepfiffen. So laut, dass man seine Worte auf den Rängen kaum verstehen konnte. «Uns Basler mag man halt nicht überall», versuchte Xhaka dieser unsportlichen Begebenheit die Relevanz zu nehmen. Und gleichzeitig spielte er wohl auch darauf an, dass Marco Streller und Alex Frei, ehemalige Nationalspieler aus Basel, vor einigen Jahren schon in St. Gallen ein Pfeifkonzert des eigenen Anhangs über sich ergehen lassen mussten.

Aber dann liess Xhaka doch noch erahnen, dass ihn die Unmutsbekundung eines Teils des Publikums in Luzern nicht kalt gelassen hat: «All jene, die so etwas machen, haben keine Ahnung von Fussball.» Für den Schweizer Fussball-Verband war die Aktion in Luzern, wie sich Mediensprecher Marco von Ah ausdrückte, «unnötig und beschämend».

Aus der Verantwortung gestohlen

Auf geradezu heuchlerische Art und Weise versuchte die «Blick»-Gruppe am Dienstag, sich aus der Verantwortung zu stehlen. In einem Kommentar wurden jene, die in Luzern gepfiffen haben, gegeisselt – und Granit Xhaka dafür gelobt, dass er, wie damals, als er sich für die Schweizer Nationalmannschaft entschied, abermals den «Rütli-Schwur» ablegte. Dass es wahrscheinlich aber nie zu diesem Pfeifkonzert und zur Notwendigkeit eines abermaligen Bekenntnisses von Xhaka gekommen wäre, wenn die «Blick»-Gruppe dieses Thema nicht konstruiert hätte, wurde selbstredend verschwiegen.

Yann Sommer (Borussia Mönchengladbach) (Bild: Keystone)
Roman Bürki (Borussia Dortmund) (Bild: Keystone)
Marwin Hitz (Augsburg) (Bild: Keystone)
Stephan Lichtsteiner (Juventus Turin) (Bild: Keystone)
Johan Djourou (Hamburger SV) (Bild: Keystone)
Nico Elvedi (Borussia Mönchengladbach) (Bild: Keystone)
Michael Lang (FC Basel) (Bild: Keystone)
Francois Moubandje (Toulouse) (Bild: Keystone)
Ricardo Rodriguez (Wolfsburg) (Bild: Keystone)
Fabian Schär (Hoffenheim) (Bild: Keystone)
Steve von Bergen (YB) (Bild: Keystone)
Valon Behrami (Watford) (Bild: Keystone)
Blerim Dzemaili (Genoa) (Bild: Keystone)
Fabian Frei (Mainz) (Bild: Keystone)
Xherdan Shaqiri (Stoke City) (Bild: Keystone)
Granit Xhaka (Borussia Mönchengladbach) (Bild: Keystone)
Gelson Fernandes (Rennens) (Bild: Keystone)
Eren Derdiyok (Kasimpasa) (Bild: Keystone)
Breel Embolo (FC Basel) (Bild: Keystone)
Shani Tarashaj (GC) (Bild: Keystone)
Admir Mehmedi (Bayer Leverkusen) (Bild: Keystone)
Haris Seferovic (Eintracht Frankfurt) (Bild: Keystone)
Denis Zakaria (YB) (Bild: Keystone)
23 Bilder

Schweizer EM-Kader

So funktioniert Granit Xhaka

Klar ist: Ein Doppelbürger kann alles, was er macht, nur falsch machen. Als Normalo mag das einem vielleicht noch eine gewisse Freiheit geben, aber als Person der Öffentlichkeit ist das eine ungemütliche Situation. Zeigt Xhaka in den sozialen Medien zum Beispiel seine Freude darüber, dass Albanien die EM-Teilnahme geschafft hat (Xhaka: «Ich hatte Tränen in den Augen und freute mich riesig für meinen Bruder Taulant und das Land»), zweifeln die Eidgenossen an seinem Herzblut für die Schweiz. Dass aber Granit Xhaka für die Schweiz spielt und nicht für Albanien und auch nicht für den Kosovo, sorgt für Unverständnis in diesen Ländern.
Granit Xhaka positionierte sich gestern, was die Orientierung seines Herzens betrifft, so: «Meine Heimat ist die Schweiz. Ich bin hier geboren und aufgewachsen, habe die schulische und fussballerische Ausbildung in der Schweiz erhalten. Dafür bin ich sehr dankbar. Aber ich vergesse meine Wurzeln nicht.» Deshalb mache er immer wieder Ferien bei seinen Grosseltern in Pristina.

Dagegen gibt es wohl kaum etwas einzuwenden.

Ein neuer Captain und frischer Wind

EM-KADER 28 Spieler hat Nationaltrainer Vladimir Petkovic für das am nächsten Sonntag beginnende EM-Vorbereitungscamp aufgeboten. Eine positive Überraschung ist dabei das erstmalige Aufgebot für den erst 19-jährigen Mittelfeldspieler Denis Zakaria von den Young Boys. Ebenfalls ohne Länderspiel-Einsatz für die Schweiz steht der gleichaltrige Verteidiger Nico Elvedi, der bei Borussia Mönchengladbach zum Stammspieler avanciert ist, zu Buche. Die beiden sollen für frischen Wind im EM-Kader sorgen, und es wäre als positives Signal des Selektionärs zu werten, würde mindestens einer der beiden den letzten Kaderschnitt auf dem Weg nach Frankreich überstehen. Die Reduktion um fünf Mann will Petkovic laut eigener Aussage bis spätestens zwei Tage nach dem Testspiel gegen Belgien am übernächsten Samstag (16.15 Uhr in Genf) vornehmen.

Entwarnung bei Embolo

Eine positive Nachricht gibt es von Breel Embolo. Der überaus talentierte, 19-jährige Stürmer des FC Basel, der am Pfingstmontag in Luzern wegen einer Verletzung an der Patella-Sehne ausfiel, ist im besten Fall schon gegen Belgien einsatzfähig. Petkovic: «Über seine Verletzung wurde pessimistischer geschrieben, als sie in Wirklichkeit ist. Tatsächlich handelt es sich um eine starke Entzündung und nicht um einen Riss.»

«Es tut mir leid für Inler»

Der Adligenswiler Stephan Lichtsteiner, mittlerweile fünffacher italienischer Meister mit Juventus Turin, ist zum Captain der Schweizer an der EM aufgestiegen. Dies, nachdem Petkovic sich für eine definitive Aussortierung von Gökhan Inler aus dem Nationalteam entschlossen hat. Begründet hat der Nationaltrainer die Massnahme damit, dass der bisherige Teamleader keine einzige Sekunde in der Rückrunde beim englischen Meister Leicester zum Einsatz gekommen ist. «Es tut mir sehr leid für ihn, aber ich versuche, meine Linie konsequent einzuhalten.»

Auch Spielern wie Timm Klose, dem Ex-Luzerner Pajtim Kasami, dem Luzerner Hertha-BSC-Captain Fabian Lustenberger oder dem ehemaligen Krienser Junior Valentin Stocker wird es wohl nicht leicht fallen, die Nicht-Nomination von Petkovic zu akzeptieren.

Eigenartig erscheinen mag dagegen eine vorläufige Berücksichtigung von Philippe Senderos, Steve von Bergen, Jacques FranÇois Moubandje und selbst eines Admir Mehmedi.

Schweizer Aufgebot für das EM-Vorbereitungs-Camp in Lugano (22. Mai bis 3. Juni). Tor: Bürki (Borussia Dortmund), Hitz (Augsburg), Mvogo (Young Boys), Sommer (Borussia Mönchengladbach).
Verteidigung: Djourou (Hamburger SV), Elvedi (Borussia Mönchengladbach), Lang (FC Basel), Lichtsteiner (Juventus Turin), Moubandje (Toulouse), Rodriguez (Wolfsburg), Schär (Hoffenheim), Senderos (Grasshoppers), Von Bergen (Young Boys), Widmer (Udinese).
Mittelfeld/Sturm: Behrami (Watford), Derdiyok (Kasimpasa), Dzemaili (Genoa), Embolo (FC Basel), Fernandes (Rennes), Frei (Mainz), Mehmedi (Bayer Leverkusen), Seferovic (Eintracht Frankfurt), Shaqiri (Stoke City), Steffen (FC Basel), Tarashaj (Grasshoppers), Xhaka (Borussia Mönchengladbach), Zakaria (Young Boys), Zuffi (FC Basel).

Zwei Brüder werden zu EM-Gegnern

Es ist alleweil eine Geschichte, die selbst in einer auf Sensationen orientierten Zeit wie der unseren einen aussergewöhnlichen Plot hat: Zwei Brüder, «zwei beste Freunde», als die sie sich selber bezeichnen, spielen an einer Kontinentalmeisterschaft gegeneinander. Der 23-jährige Schweizer Granit Xhaka in der ersten Partie der EM-Gruppe A am 11. Juni in Lens gegen den zwei Jahre älteren Albaner Taulant Xhaka.

Der letztgenannte Meisterspieler des FC Basel erholt sich zwar noch von einem kleinen Muskelfaserriss, aber vielleicht werden die beiden, quasi als Spielgestalter ihrer beiden Auswahlen, sogar in einem Zweikampf auf dem Rasen aufeinandertreffen. Sie wollen sich nichts schenken. Es ist ein Duell historischen Ausmasses, zumindest für die Familie Xhaka aus dem Kosovo.

Unterschiedliches Interesse

Dass es an der Europameisterschaft in Frankreich überhaupt zu diesem Aufeinandertreffen kommen kann, liegt an einer unterschiedlichen Beurteilung der fussballerischen Qualitäten der Xhaka-Brüder. Beide haben zwar die Stufen auf Juniorenebene in der Schweiz durchlaufen, aber Granit sagt: «In der Schweiz bestand das Interesse an Taulant nicht so sehr wie bei Albanien – bei mir verhielt es sich hingegen gerade umgekehrt.» Taulant Xhaka erläutert seine eigene Befindlichkeit folgendermassen: «Mein Wunsch war es, in einer A-Nationalmannschaft zum Einsatz zu gelangen. Mit der EM-Teilnahme wird für mich ein Traum in Erfüllung gehen.»

Füreinander zeigen die Brüder allergrössten Respekt. Granit sagt: «Ich bewundere die mentale Stärke von Taulant. Er hat lange auf seine Chance warten müssen, der Umweg über die Grasshoppers war nicht immer einfach.»

Taulant streicht die «riesige fussballerische Qualität» von Granit hervor, die «jedem Topteam auf Klubebene gut ansteht». Und solche Seitenwechsel im Aufbau eines Spiels möchte er – wie sein jüngerer Bruder – auch können.

Granit: «Ein geiles Spiel»

Selbstredend ist: Das Bruder-Duell zum EM-Start der beiden Kontrahenten im Norden Frankreichs will jeder für sich entscheiden, in erster Linie muss aber die Schweiz gegen Albanien siegen. Taulant gibt zu bedenken: «Die Schweiz hat sehr gute Einzelspieler, sie ist offensiv stark, aber defensiv hat sie Mühe. Das wollen wir zu unseren Gunsten nutzen.»

Granits Einschätzung: «Albanien ist gegen grosse Nationen enorm stark, steht defensiv kompakt und ist vorne immer für ein Tor gut. Das wird ein geiles Spiel.»

Hoffentlich nicht nur für die beiden Brüder aus Kleinbasel.

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