Gaëlle Thalmann
Die Nationaltorhüterin, die das ganze Team besser macht: «Auf einer Skala von 1 bis 10 ist sie eine 10»

Gaëlle Thalmann kehrt beim Playoff-Duell zur Europameisterschaft gegen Tschechien ins Tor der Schweiz zurück. Gegen Belgien hatte sie noch schmerzlich gefehlt.

Raphael Gutzwiller
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Gaëlle Thalmann dirigiert ihre Abwehr.

Gaëlle Thalmann dirigiert ihre Abwehr.

Bild: Keystone

Während die Schweizerinnen ihre erste Möglichkeit zur Qualifikation für die Europameisterschaft vergeben, sitzt Gaëlle Thalmann in einem Hotelzimmer und schaut in ihr Tablet. Darauf sieht sie, wie die Schweiz gegen Belgien auseinanderfällt und gleich mit 0:4 verliert.

«Ich habe sehr mitgelitten», erzählt Thalmann, die bei dieser Begegnung Anfang Dezember in Quarantäne sitzen musste, weil sie zuvor positiv auf das Coronavirus getestet worden war. «Für mich persönlich war dies wie auch für das gesamte Team ein riesiger Rückschlag.»

Freut sich, diesmal ihrem Team helfen zu können: Gaëlle Thalmann.

Freut sich, diesmal ihrem Team helfen zu können: Gaëlle Thalmann.

Bild: Keystone

Und so freut sich die langjährige Torhüterin des Schweizer Nationalteams besonders, dass sie beim neuerlichen entscheidenden Duell um die EM-Qualifikation diesmal zwischen den Pfosten steht. In den Playoffs geht es am Freitag und am nächsten Dienstag gegen Tschechien um das Ticket zur Europameisterschaft. «Bei diesem Duell geht es nicht um mich oder um eine andere Spielerin, sondern darum, dass wir als Team gemeinsam in die gleiche Richtung arbeiten und uns für die EM qualifizieren.»

Die grosse Erfahrung von Thalmann

Für das Schweizer Team ist diese Rückkehr ihrer Torhüterin eminent wichtig. Auf die Frage, wie wichtig Thalmann für sein Team sei, antwortete der Schweizer Nationaltrainer Nils Nielsen: «Auf einer Skala von 1 zu 10? Dann ist es eine 10. Gaëlle bringt eine grosse Erfahrung mit, die gerade in einem so wichtigen Spiel entscheidend sein kann. Sie kommuniziert auch sehr viel und macht damit ihre Mitspielerinnen und das gesamte Team besser.»

Die Geschichte der unglücklichen Stellvertreterin

Greift daneben: Elvira Herzog (links) im Spiel gegen Belgien.

Greift daneben: Elvira Herzog (links) im Spiel gegen Belgien.

Bild: Dirk Vuylsteke/ Imago

Als die Schweizerinnen gegen Belgien chancenlos untergingen, hatte Elvira Herzog als Stellvertreterin Thalmanns eine unglückliche Figur abgegeben und bei zwei Gegentreffern gepatzt. Sie hat sich bei Flankenbällen verschätzt.

«Sie wurde dabei aber auch im Stich gelassen vom ganzen Team»,

sagt Thalmann. «Als junge Torhüterin ist es nicht einfach, eine schlechte Aktion gut wegzustecken. Ich bin mir sicher, dass sie aus dieser Partie lernen wird. Sie ist eine gute Torhüterin und bringt sehr gute Leistungen.»

Die routinierte Freiburgerin stellt sich schützend vor ihre Kollegin, auch über die zum Teil deutlich jüngeren Teamkolleginnen weiss sie sich nur positiv zu äussern.

«Wir haben eine richtig tolle Mannschaft und sind in guter Form»,

sagt sie. «Bei den beiden Testspielen in Frankreich haben wir zweimal 0:2 verloren, aber gute Leistungen gezeigt. Dieses Selbstvertrauen möchten wir gegen Tschechien mitnehmen.» Im Playoff-Duell ist die Schweiz favorisiert. «Aber wir wissen, dass Tschechien gerade in der Offensive gute Spielerinnen hat. Wir wissen aber auch: Wenn wir unsere Leistung auf den Platz bringen, können wir uns qualifizieren», erzählt die Servette-Torhüterin. Von grossem Druck möchte sie derweil nicht sprechen, «gross ist eher unser Wille, an einem grossen Turnier mit dabei sein zu können».

35 Jahre alt, aber noch nicht müde

Gaëlle Thalmann will noch an zwei grosse Turniere.

Gaëlle Thalmann will noch an zwei grosse Turniere.

Bild: Keystone

Für die 35-jährige Torhüterin soll die Europameisterschaft, die im Sommer 2022 in England stattfindet, allerdings noch nicht die Abschiedsvorstellung im Schweizer Nationalteam sein. «Wenn ich fit bleibe, ich weiter so grossen Spass am Fussball habe und weiterhin Leistung bringen kann, dann will ich schon weitermachen. Ich hoffe, dass ich noch zwei Jahre weiterspielen und noch die Europameisterschaft und die Weltmeisterschaft 2023 erleben darf.» Sie ergänzt lachend: «Sofern man mich dann noch will.»

Zunächst aber soll die Qualifikation zur Europameisterschaft gelingen. Denn diese möchte Gaëlle Thalmann garantiert nicht wieder nur auf ihrem Tablet verfolgen.