NATIONALTURNEN: Imhof will Lücke schliessen

Andi Imhof ist zweifacher Turnfestsieger. Jetzt fehlt dem 32-Jährigen zur Krönung nur noch der Titel am eidgenössischen Nationalturntag. Das will der Urner in Eschenbach nun nachholen.

Simon Gerber
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Hat seine Stärken im Sägemehl: der 32-jährige Andi Imhof (oben) aus Attinghausen. (Bild: Philipp Schmidli (Einsiedeln, 3. Juli 2016))

Hat seine Stärken im Sägemehl: der 32-jährige Andi Imhof (oben) aus Attinghausen. (Bild: Philipp Schmidli (Einsiedeln, 3. Juli 2016))

Simon Gerber

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Der beste Zeitpunkt für ein Telefongespräch mit dem zweifachen Vater Andi Imhof ist jeweils nach 20 Uhr. Dann hat der 32-jährige Urner seine beiden kleinen Töchter ins Bett gebracht. Er sei ein Familienmensch, und dieses Ritual lasse er sich so wenig wie möglich entgehen. «Diesen Moment geniesse ich sehr. Die Kinder geben mir den nötigen Rückhalt und sind in meinem Leben eine grosse Bereicherung», erzählt der in Attinghausen wohnhafte Kraftathlet und schiebt im gleichen Atemzug nach: «Ohne die grosse Unterstützung meiner Frau Barbara könnte ich nie alles unter einen Hut bringen.»

Langweile kennt der 32-Jährige kaum. Denn er ist auch in der täglichen Berufsarbeit gefordert. Er ist Konstrukteur mit einem 100-Prozent-Pensum. Eine Reduktion, wie es andere Spitzenschwinger handhaben, war für Andi Imhof nie ein Thema. «Schliesslich muss ich für meine Familie sorgen. Trainieren will ich nicht am Tag, sondern am Abend wie die meisten anderen Athleten auch.» Der Sport sei nur ein Hobby, erklärt der gelernte Metallbauer.

Begeisterung vom Vater geerbt

Sportlich tanzt der ruhige und ausgeglichene Urner gleich auf zwei Hochzeiten. Die dabei gewonnenen Kränze halten sich mehr oder weniger die Waage: 62 im Schwingen, 54 im Nationalturnen. In beiden Sparten zählt der polysportiv begabte Athlet zu den erfolgreichsten Akteuren des Landes. Zweimal, nämlich 2007 und 2013, wurde der Urner am eidgenössischen Turnfest König der Nationalturner. Diese Sparte prägt ihn von Kindsbeinen an. Die Begeisterung dazu hat er von seinem Vater Markus geerbt.

Dieser ist für ihn auch heute noch einer der wichtigsten Bezugspersonen. Mindestens einmal wöchentlich trainiert Imhof im Turnverein Bürglen für diesen faszinierenden Traditionssport. «Das ist für mich extrem wichtig. Turnen ist ein sehr guter Ausgleich zum Schwingen.»

Andi Imhof wurde in letzter Zeit hin und wieder als «Wundertüte» tituliert. Der zweite Rang in diesem Jahr am Innerschweizer Schwingfest war top, das Ausscheiden auf dem Stoos nach vier Durchgängen hingegen ein Flop. «Es stimmt, dass ich manchmal mein Potenzial nicht abrufen kann. Immerhin habe ich 2017 fünf Kränze im Schwingen erobert. Das ist ein ähnlich guter Leistungsausweis wie in den letzten Jahren», bilanziert Imhof.

In Vornotendisziplinen wenig Punkte liegen lassen

Den Unspunnen-Schwinget in Interlaken gab er nach dem vierten Duell vorzeitig auf. Imhof zog sich einen Muskelfaserriss an den Rippen zu. Der Start am eidgenössischen Nationalturntag am Wochenende in Eschenbach sei dadurch aber nicht gefährdet. «Der Heilungsprozess ist bisher positiv, ich habe täglich weniger Schmerzen», betont Andi Imhof. Er habe keine Zweifel, dass er am Samstag eine gute Leistung abliefern könne, er fokussiere sich ganz auf sein Mammutprogramm. Für ihn sei wichtig, dass er in den Vornotendisziplinen nicht zu viele Punkte liegen lasse. Letztlich werde der Wettkampf im Sägemehl entschieden. Und da fühlt sich der 118 Kilogramm schwere und 1,90 Meter grosse Allrounder besonders im Element. «Ich setze dabei auf meine mentale Stärke und meine Routine und hoffe, dass ich keine unnötige Niederlage einfangen werde», blickt Imhof dem Wettkampf optimistisch entgegen.

Die Hauptprobe mit dem Sieg am Zentralschweizer Nationalturntag vor zwei Wochen in Tuggen ist dem Urner jedenfalls bestens geglückt. Gute Voraussetzungen also, um die einzige noch bestehende Lücke in einer einmaligen Turnerkarriere mit einem Sieg zu schliessen. «Einfach wird es nicht, denn die Jungen drücken stark», ist sich Andi Imhof bewusst. Seine Familie mit den Töchtern Malia (4 Jahre) und Dina (3) werden, sofern auch das Wetter mitmacht, ihren «Dädi» am Samstag in Eschenbach moralisch unterstützen. Und dies kann er gut gebrauchen.