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Ndenge fasst beim FC Luzern langsam Fuss

Tsiy Ndenge galt in jungen Jahren als grosses Talent, beim FC Luzern hat er lange gebraucht, um zu Spielzeit zu kommen. Nach einer mühsamen Verletzung ist er nun endlich nah an der Stammformation.
Raphael Gutzwiller
Kommt beim FC Luzern in Fahrt: Tsiy Ndenge. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus, Kriens, 4. Januar 2019)

Kommt beim FC Luzern in Fahrt: Tsiy Ndenge. (Bild: Martin Meienberger/Freshfocus, Kriens, 4. Januar 2019)

Ein bisschen ist er wie ein Neuzugang für den FC Luzern: Tsiy Ndenge. Zwar wechselte der 21-Jährige schon im letzten Sommer von Gladbach nach Luzern, doch wegen einer Verletzung ist er erst in der laufenden Rückrunde wirklich Teil des FCL-Kaders. Der 1,88 grosse und äusserst robuste Mittelfeldspieler sorgte zuletzt nach seinen Einwechslungen gegen Zürich (1:1), GC (3:1), YB (4:0) und St. Gallen (3:0) für Ruhe und Ballsicherheit. Doch er wiegelt ab: «An mir liegt es bestimmt nicht, dass wir jetzt auf der Erfolgswelle reiten.» Lieber lobt er den neuen Trainer Thomas Häberli, welcher dem Team «viel Energie» gäbe.

Tatsächlich kommt Ndenge in der Super League insgesamt erst auf 86 Minuten Spielzeit, dennoch hat er schon Eindruck hinterlassen. Auch Trainer Thomas Häberli lobt ihn: «Er hat seine Sache jeweils sehr gut gemacht. Er hilft uns mit seiner Art ungemein. Ich denke, dass er ein sehr interessanter Spieler ist.»

Erste Verletzung lässt Ndenge lange ausfallen


Endlich kommt Ndenge richtig an in der Innerschweiz. Dabei hatten ihn einige bereits als Fehltransfer abgestempelt, nachdem er die ganze Vorrunde verletzt gefehlt hatte. Eine Innenbandverletzung zeigte sich als besonders hartnäckig. Während der Körper schmerzte, war jene Zeit aber vor allem mental sehr hart. «Diese Verletzung zu verarbeiten war schon sehr schwierig, schliesslich war es meine erste Verletzung», sagt er. «Zudem hiess es anfangs, ich sei nur etwa sechs oder acht Wochen verletzt. Dass daraus ein halbes Jahr wurde, war dann schon enorm bitter. Zur Verarbeitung wäre es wohl leichter gewesen, wenn die Dauer der Verletzungspause früher bekannt gewesen wäre.» So aber habe er sich bei jedem Training stark unter Druck gesetzt, um möglichst schnell für seinen neuen Arbeitgeber spielen zu können. «Gerade wenn man neu bei einem Verein ist, will man sich unbedingt zeigen. Das war aber leider nicht möglich, weil es immer wieder Rückschläge gab.»

Mit 15 verliess er Leverkusen

Dafür ist Tsiy Ndenge nun umso glücklicher, endlich schmerzfrei zu sein. «Bei 100 Prozent bin ich zwar noch nicht, aber ich bin auf gutem Weg dahin. Mit mehr Trainings und Spielen kommt das automatisch», sagt er. Als er gefragt wird, ob er schon bereit für die Startelf sei, lächelt Ndenge. «Ich bin bereit, ja. Und natürlich will ich von Anfang an spielen, aber ich weiss auch, dass ich geduldig bleiben muss.» Seine Kondition stimmt, zweimal stand er über 90 Minuten für Luzerns U21 auf dem Platz.

Zwar war die Verletzung in der Vorrunde die erste langwierige in der Karriere von Tsiy Ndenge, mit sportlichen Rückschlägen aber hat er schon früher Bekanntschaft gemacht. Mit 15 verliess der Deutsche mit kamerunischen Eltern, der in Köln geboren wurde, Bayer Leverkusen, um beim kleinen Amateurverein Euskirchen anzuheuern. «Ich kam bei Leverkusen nicht mehr so häufig zum Zug, darum war ich nicht glücklich», erinnert sich Ndenge zurück. «Darum dachte ich mir, dass es wieder mehr Spass machen würde bei einem kleineren Verein zu spielen. Der damalige Trainer konnte mich dafür überzeugen.»

Der Plan ging auf: Nur ein Jahr später wurde Ndenge von Borussia Mönchengladbach für die U17 verpflichtet. Dort überzeugte er im Nachwuchs so sehr, dass er bereits mit 17 regelmässig bei den Profis mittrainieren durfte. Zu einem Bundesligaeinsatz gelangte er dennoch nie. Ndenge kritisiert sich selber:

«Mir fehlte damals das Selbstverständnis mit guten Trainingsleistungen oder guten Spielen in der zweiten Mannschaft auf mich aufmerksam zu machen.»

So wurde er im Sommer 2017 an Roda Kerkrade in den Niederlanden ausgeliehen, um Spielpraxis auf hohem Niveau zu sammeln. «Es war für mich ein spezieller Wechsel und mein erstes richtiges Profijahr, nachdem ich davor hauptsächlich in der zweiten Mannschaft gespielt habe. Insgesamt bleibt das Jahr sicher negativ in Erinnerung, weil die Resultate leider nicht gestimmt haben.» Roda stieg aus der Eredivisie ab, doch für Ndenge selber war das Jahr dennoch wertvoll. Insgesamt spielte er in der holländischen Meisterschaft 34 Mal, dabei erzielte er zwei Treffer und gab zwei Assists. «Es war toll, gegen Vereine wie Ajax Amsterdam, PSV Eindhoven oder Feyenoord Rotterdam spielen zu können. Insgesamt profitierte ich sicher viel davon, so häufig zum Einsatz zu kommen.»

Nach der Leihe gab es für ihn dennoch keine Zukunft bei Gladbach, obwohl Ndenges Vertrag bei der Borussia noch ein weiteres Jahr gültig gewesen war. So musste er sich, kurz nachdem er sich die Verletzung zugezogen hatte, einen neuen Verein suchen. Er landete in Luzern, wo er mit Vorschlusslorbeeren überhäuft wurde. Sportchef Remo Meyer sagte in der Vorrunde jedem, der es hören wollte: «Ndenge wird uns noch viel Freude bereiten.»

Spielte einst mit Schulz bei Gladbach

Nun kann er seine fussballerische Qualität endlich zeigen. Die Integration in Luzern hat ihm auch Marvin Schulz erleichtert. Ndenge und Schulz kennen sich bereits aus Gladbacher Zeiten. Oft trainierten die beiden gemeinsam in der ersten Mannschaft, mehrfach standen die beiden in der 2. Mannschaft auf dem Platz. «Natürlich habe ich mich bei ihm erkundigt, als das Interesse des FC Luzern kam. Marvin gab mir den Tipp, dass ich den Transfer machen soll, wenn ich kann.»

Und nun ist Ndenge endlich richtig angekommen in Luzern. Er hofft, so bald wie möglich häufiger zum Spielen zu kommen – und zu zeigen, dass die Vorschusslorbeeren gerechtfertigt waren. Vielleicht ja schon am Sonntag auf dem Thuner Kunstrasen.

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