Eishockey
Nichts mit Spring Break: Rahel Enzler will auf dem Eis «jede Minute hart arbeiten»

Die Zugerin Rahel Enzler erlebt eine geglückte erste Saison in der amerikanischen College-Liga. Jetzt bereitet sie sich auf die WM vor.

Daniel Monnin
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Rahel Enzler im Dress der Black Bears in Maine.

Rahel Enzler im Dress der Black Bears in Maine.

Bild: PD

Seit gut zehn Tagen ist die 20-jährige Nationalspielerin Rahel Enzler zurück in der Schweiz. Frühlingsferien – oder den in den USA berühmt-berüchtigten Spring Break – geniessen, liegt für die Zugerin allerdings nicht drin. Angesagt ist in Cham die zweite Phase der Vorbereitung auf die WM, die Anfang Mai in Kanada stattfinden wird. Ein Blick zurück auf Enzlers erstes Jahr an der University of Maine fällt durchaus positiv aus.

Das Leben an einer amerikanischen Universität verläuft zweigleisig und ist trotzdem eingleisig getaktet. «Studium und Eishockey laufen nahtlos ineinander, der Tagesablauf ist gut strukturiert. Am Vormittag stehen Vorlesungen auf dem Programm, am Nachmittag folgen täglich Trainings auf und neben dem Eis, Teambesprechungen und Regenerationsphasen», erklärt Enzler. Im Grossen und Ganzen sei sie mit ihrem ersten, coronabedingt etwas ungewöhnlichen USA-Jahr «sehr zufrieden». Sie habe sich relativ schnell ans Studentenleben gewöhnen können und dank der Unterstützung von Lehrern und Mitspielerinnen schnell den Tritt gefunden. «Auch wenn es nicht immer einfach war, die Vorlesungen in Englisch zu meistern.»

Luft nach oben ist vorhanden

Auch die Umstellung vom gewohnten Schweizer Eishockey zum viel schnelleren und physischeren Spiel in der College-Liga NCAA ist Rahel Enzler gut gelungen: «Ich bin mit meinen Leistungen durchaus zufrieden. Für mich war primär wichtig, dass ich viel Eiszeit erhalte. Und die habe ich auch bekommen. Ich habe in allen möglichen Situationen gespielt, auch im Powerplay oder Boxplay.»

Gemessen an ihren Schweizer Werten fiel ihre Punkteausbeute bescheidener aus, mit 9 Punkten (3 Tore und 6 Assists) aus 17 Spielen erreichte sie jedoch Platz 6 in der Liga-Wertung der Rookies. Sie sagt: «Ich habe in der ersten Linie spielen können, wir mussten uns meistens gegen die stärkste Formation des Gegners beweisen. Davon habe ich mitunter auch profitieren können.» Luft nach oben ist aber durchaus vorhanden, deshalb hat sich Enzler bereits Ziele für ihre zweite Saison gesteckt: «Schneller werden und auf diesem hohen Niveau noch eine Spur physischer spielen.»

Black Bears setzen sich hohe Ziele

Die Black Bears, wie das Frauen-Hockeyteam der University of Maine genannt wird, gehören nicht zu den absoluten Spitzenteams der Hockey East-Division. Das vom Ehepaar Richard und Sara Reichenbach gecoachte Team setzte sich nichtsdestotrotz hohe Ziele, «die wir teilweise auch erreicht haben», so Enzler. «Positiv war sicher, dass wir mit den besten Teams mithalten konnten und die Saison in der vorderen Tabellenhälfte abgeschlossen haben. Das grösste Ziel, den Hockey East-Final zu erreichen, haben wir aber knapp verpasst und im Halbfinal in der Overtime verloren. Diese Niederlage wird uns dazu bringen, in der kommenden Saison noch eine Schippe draufzulegen und noch härter zu arbeiten, davon bin ich überzeugt.»

Ähnliches gelte auch für das Schweizer Nationalteam, sagt Enzler. «Wir sind nach wie vor die Nummer 5 der Weltrangliste und spielen deshalb an der Weltmeisterschaft in der oberen Gruppe gegen die USA, Kanada, Russland und Finnland. Diesen Platz zu halten, ist unser Ziel. Das ist nicht einfach, aber machbar.» Voraussetzung dafür sei allerdings, dass «wir jede Minute hart arbeiten und unsere Haut so teuer wie möglich verkaufen».

Auch in der Schweiz wird Rahel Enzler «die Arbeit nicht ausgehen». Das Sommertraining wird sie nach den Vorgaben des Schweizer Athletikcoaches angehen, bevor sie im August zur Vorbereitung auf die neue Saison nach Maine zurückkehren wird.