Nidwaldner Eidgenossen Scheuber und Mathis treten nach Allweg-Schwinget zurück – auch Gasser hört auf

Der Ob- und Nidwaldner Schwingerverband (ONSV) verliert gleich drei seiner Teamstützen: Am Allweg-Schwinget vom kommenden Sonntag bestreiten Marcel Mathis, Lutz Scheuber und Stefan Gasser ihren letzten Ernstkampf.

Ruedi Wechsler
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Die beiden Eidgenossen Lutz Scheuber (links) und Marcel Mathis geben am Allweg-Schwinget ihren Abschied. (Bild: PD)

Die beiden Eidgenossen Lutz Scheuber (links) und Marcel Mathis geben am Allweg-Schwinget ihren Abschied. (Bild: PD)

Stefan Gasser. (Bild: Manuela Jans-Koch)

Stefan Gasser. (Bild: Manuela Jans-Koch)

Gross war die Überraschung, als gestern gleich drei «Böse» des Ob- und Nidwaldner Schwingerverbands (ONSV) ihren Rücktritt verkündeten. Marcel Mathis, Lutz Scheuber und Stefan Gasser beenden ihre Karriere nach dem kommenden Wochenende. Bei Letzteren gab es schon länger Rücktrittsgedanken. Aber derjenige von Marcel Mathis kommt eher überraschend. Noch vor einer Woche sagte er gegenüber unserer Zeitung: «Entweder höre ich sofort auf, oder ich hänge mich nochmals drei Jahre voll rein.» Jetzt ist es also die erste Variante.

Entschieden hat sich der Bürer, der während seiner Karriere von Verletzungen weitgehend verschont blieb und sich nie unters Messer legen musste, am vergangenen Samstag. Auf die Frage warum, meint der 31-Jährige: «Ich sehne mich nach ruhigeren Zeiten und will mich voll auf meinen Betrieb konzentrieren. Es wird von Jahr zu Jahr härter und mir fehlt die nötige Motivation für den grossen Trainingsaufwand.» Es sei nicht wie in anderen Sportarten, bei denen man in eine tiefere Kategorie wechseln könne, erklärt der Landwirt.

Am Allwegschwinget vom kommenden Sonntag in Ennetmoos möchte Marcel Mathis ein letztes Mal voll angreifen. Zu seinen grössten Erfolgen zählen der Sieg am Eidgenössischen Nachwuchsschwingertagim Jahr 2006 in Interlaken, der Erfolg am Ob- und Nidwaldner Kantonalen 2012 und der Gewinn des Innerschweizer Schwingfestes 2017 in Alpnach. Dazu kommen die Eidgenössischen Kränze in Burgdorf und Estavayer. Die Krönung erfolgte nun Ende August mit dem 2. Rang am Esaf in Zug.

«So viel investiert und auf so viel verzichtet»

Dass der beliebte Lutz Scheuber – ebenfalls aus Büren – schon längst zum erlauchten Kreis der Eidgenossen gehört, war zweifelsohne allen bekannt. Aber zweimal fehlte nur das berühmte «Vierteli» – in Burgdorf und Estavayer. «Wenn meine Frau Diana mich nicht gepusht hätte, wäre ich schon früher zurückgetreten. Ich schwinge seit über 20 Jahren, habe so viel investiert und auf so viel verzichtet», erzählt der 31-Jährige. «Zu kurz kamen vor allem meine Frau und meine drei Kinder. So gerne ich diesen Sport ausübe, ich entscheide mich nicht gegen das Schwingen, sondern für mehr Zeit mit meiner Familie.» Er werde dem Schwingsport nicht untreu, sondern ihn weiterhin unterstützen, «in welcher Form auch immer», sagt der Brückenspezialist.

Trotz einer Verletzung beim 1. Gang am Eidgenössischen in Zug wird Lutz Scheuber am Allweg ein letztes Mal zu bewundern sein. Die Ärzte gaben grünes Licht. «Den Rücktritt anzukünden, ohne einen letzten Gang bestreiten zu können, wäre für mich kein würdiger Abgang», meint er kämpferisch. Nun freut er sich darauf, vor heimischem Publikum seine Karriere zu beenden.

Die gewünschte Form nicht mehr erreicht

Marcel Mathis, Schulkollege von Lutz, brachte ihn ursprünglich zum Schwingen. 2008 erlitt Scheuber auf dem Allweg einen grossen Rückschlag, als es ihm im 1. Gang zwei Drittel des Schultergelenks zersplitterte. Doch der Karrierehöhepunkt in Zug, der Sieg am Urner Kantonalen 2016 und die beiden Triumphe auf dem Allweg 2013/14 bleiben für ihn unvergessen.

Der Sennenschwinger Stefan Gasser spürte am diesjährigen Kantonalen in Oberdorf, dass er nicht mehr die von ihm gewünschte Form ausspielen konnte. Die schwere Schulterverletzung – zugleich sein Karrieren-Tiefpunkt – die er sich am Luzerner Kantonalen vor zwei Jahren zugezogen hatte, wog zu schwer. Die Saison 2018 verpasste der Kurz- und Gammen-Spezialist komplett.

Der Rücktrittsentscheid ist Stefan Gasser aber trotzdem nicht leicht gefallen. «Ich werde die Kameradschaft und die Trainings mit meinen Kollegen am meisten vermissen. Mit einem komischen Gefühl fahre ich am Sonntag an den Allwegschwinget», sagt er nachdenklich. Der 33-jährige Zimmermann will nochmals das Beste geben und das Ende des Festes möglichst ausblenden. Die zwei Brünigkränze, die Siege am Urner und Ob/Nidwaldner Kantonalen zählen zu den sportlichen Höhepunkten. Dazu kommen fünf Teilnahmen an Eidgenössischen. In Frauenfeld verlor der Alpnacher mit Matthias Glarner um den Kranz. «Mein Lieblingsgegner war König Kilian Wenger, mit dem ich immer stellte. Ungern trat ich gegen Fabian Kindlimann, Thomas Sempach und Daniel Bösch an», schwelgt Gasser in Erinnerungen. Jetzt bleibe dann genügend Zeit für seine Hobbys, Jassen, Wandern und Skifahren.

Doch bevor sie ihre Zwilchhosen an den Nagel hängen, werden sowohl die beiden Eidgenossen wie auch der Alpnacher Stefan Gasser ihren Gegnern auf dem Allweg «keine Geschenke verteilen und nochmals alles geben», heisst es in einer Mitteilung der Organisatoren des 84. Allweg-Schwinget. Erwartet werden am kommenden Sonntag (Verschiebedatum Samstag, 14. September) laut OK-Präsident Werner Durrer insgesamt 120 Schwinger aus der Zentralschweiz sowie Gäste des Bernisch-Kantonalen Schwingerverbands (BKSV) und des  Nordwestschweizerischen Schwingerverbands (NWSV). 

Neben den Nidwaldnern Marcel Mathis, Lutz Scheuber und Martin Zimmermann (Ennetbürgen) werden mit Benji von Ah (Giswil), Sven Schurtenberger (Buttisholz) und Mike Müllestein (Steinen) weitere Eidgenossen am Allweg-Schwinget erwartet. Zudem sind nicht weniger als zehn Teilverbandskranzer sowie 31 Kantonalkranzschwinger gemeldet.