Nidwaldner Yannick Chabloz holt an den Junioren-WM in Norwegen die Bronzemedaille im Super-G

 Skirennfahrer Yannick Chabloz (20) ist ein Mann für die Grossanlässe

Peter Gerber Plech
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Zuerst zittern, dann jubeln: Skirennfahrer Yannick Chabloz aus Beckenried.

Zuerst zittern, dann jubeln: Skirennfahrer Yannick Chabloz aus Beckenried.

Bild: Swiss-Ski (Narvik, 8. März 2020)

Die Zeit nach Beat Feuz (33), Carlo Janka (33) oder Mauro Caviezel (31) wird kommen. Fahrer wie Urs Kryenbühl (26), Niels Hintermann (24), Ralph Weber (26) oder Marco Odermatt (22) werden die Lücke füllen müssen. Wer aber übernimmt dann deren Rollen? Einer wie Yannick Chabloz vielleicht. Der bald 21 Jahre alte Beckenrieder mit westschweizer Wurzeln entwickelt sich immer mehr zum Speed-Spezialisten – und zum Mann für Grossanlässe. Gold in der Kombination und Bronze im Super-G hat er im März 2019 an der Universiade in Russland gewonnen, wiederum Super-G-Bronze gab es am Sonntag an den Junioren-Weltmeisterschaften im norwegischen Narvik. Keine Selbstverständlichkeit für einen Skifahrer, der 2019/2020 seine erste ganze Saison auf Stufe Europacup bestreitet.

«Es läuft ganz gut in diesem Winter», meint Chabloz. «Ich habe gewusst, dass ich über einen schnellen Schwung verfüge. Dadurch war auch die Gewissheit da, dass ich vorne dabei sein kann, wenn ich eine Fahrt mit wenigen oder keinen Fehlern ins Ziel bringe.»

Nervenaufreibende Zeit im Ziel

Zuletzt hat es vor allem in der Abfahrt gut funktioniert. Der 6. Platz in der Europacup-Abfahrt von Kvitfjell sollte Chabloz Ende Februar die Bestätigung dafür liefern, dass ihn sein Gefühl nicht getäuscht hat. Und nach Kvitfjell kam eben Narvik. Der Zentralschweizer wird, was das Skifahren betrifft, langsam zum Norwegen-Fan. Es war aber ein nervenaufreibender Sonntag, bis definitiv feststand, dass Chabloz auf der Medal Plaza in Narvik eine Medaille umgehängt bekommen wird. Chabloz kam mit Startnummer 4 ins Ziel und wurde von den Österreichern mit den Nummern 6 (Sieger Stefan Rieser) und 25 (Armin Dornauer) auf Platz 3 verdrängt. Das Wort Schleudersitz kam Chabloz in den Sinn. Und weil die Richtlinien von Swiss-Ski vorsehen, dass ein Medaillengewinn an der Junioren-WM die Selektion für das B-Kader bedeutet, war die Zitterpartie von doppelter Bedeutung.

84 Fahrer hatten am Sonntag eine Startnummer an Brust und Rücken. Und auch nach Nummer 25 standen einige Athleten oben, welche die Top 3 mit ihren Fahrten noch ins Zittern gebracht haben. «Einige waren mit Topzwischenzeiten unterwegs, haben dann aber bei der Schlüsselstelle Fehler gemacht», denkt Chabloz zurück an die bangen Minuten, die sich für ihn wie Stunden angefühlt haben. Und dann liessen Lukas Feurstein (AUT/Startnummer 30), Olle Stroem (SWE/58) oder der Kanadier Liam Wallace (Startnummer 68) die Pulsfrequenz von Yannick Chabloz zusätzlich ansteigen, weil sie ihre guten Fahrten bis ins Ziel gebracht haben, aber dennoch hinter ihm zurückgeblieben sind. «Das waren dann schon wirklich heisse Momente», so Chabloz.

Neben heissen Momenten gab es für den 20-Jährigen im rund 2450 Kilometer Luftlinie von daheim entfernten Ort aber auch Abkühlung. Am Abend nach der Abfahrt, die Chabloz am Samstag auf Platz 8 beendet hatte, gönnte sich der Rennfahrer ein Bad im Ofotfjord. «Es war schon ziemlich frisch. Aber offenbar hat das gutgetan und die Lebensgeister geweckt – ich mache das wieder.» Wenn dieses Bad im wirklich kalten Salzwasser einer der Puzzlesteine des Erfolgs gewesen sein sollte, dann müssen sich die Konkurrenten in der alpinen Kombination definitiv warm anziehen. Denn dass Chabloz, auch wenn er nur wenig Slalom trainiert hat, auch den kurzen Schwung fahren kann, das hat er schon öfter bewiesen. Übrigens auch schon an einem Grossanlass. An der Universiade 2019 holte er sich im zweiteiligen Wettkampf Gold. Und dies zwei Tage nachdem er im Super-G Bronze hatte gewinnen können. Am vergangenen Sonntag sicherte er sich WM-Bronze im Super-G. Und heute Dienstag, also zwei Tage später, fällt die Entscheidung in der Kombination…

Ski alpin

Narvik (NOR). Junioren-Weltmeisterschaft. Super-G. Männer: 1. Stefan Rieser (AUT) 1:06,47. 2. Armin Dornauer (AUT) 0,51 zurück. 3. Yannick Chabloz (SUI) 0,54. – Ferner: 14. Joël Lütolf (SUI) 1,61. – Frauen: 1. Magdalena Egger (AUT) 1:08,10. 2. Lisa Grill (AUT) 0,28. 3. Karen Smadja Clément (FRA) 0,29. Ferner die Schweizerinnen: 9. Vivianne Härri 1,08. 18. Delia Durrer 2,19. 27. Amélie Klopfenstein 4,18.
Abfahrt. Männer: 1. Alexis Monney (SUI) 1:02,38. 2. Simon Talacci (ITA) 0,17 zurück. 3. Stefan Rieser (AUT) 0,23. 4. Gaël Zulauf (SUI) 0,25. – Ferner die weiteren Schweizer: 8. Yannick Chabloz 0,48. 21. Joël Lütolf 1,44. 24. Matthias Iten 1,60. – Frauen: 1. Magdalena Egger (AUT) 1:03,87. 2. Lisa Grill (AUT) 0,09. 3. Monica Zanoner (ITA) 0,66. Ferner die Schweizerinnen: 6. Janine Schmitt 0,92. 21. Vivianne Härri 2,06. 26. Delia Durrer 2,96. 29. Norina Mooser 3,50.