Nordeuropäer schliessen die Lücke im Schweizer Eishockey

Die National League ist bei Skandinaviern sehr beliebt. Trainer und Spieler sprechen über Gründe.

Daniel Gerber
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Der Finne Harry Pesonen spielt für die SCL Tigers.

Der Finne Harry Pesonen spielt für die SCL Tigers. 

Marcel Bieri/Keystone (Langnau, 16.März 2019)

In früheren Jahren war der klassische Ausländer in der National League Kanadier oder US-Amerikaner. 22 Kanadier, 3 Schweden und 0 Finnen: So lautete das Verhältnis in der Saison 1985/86, als die Playoffs im Schweizer Eishockey eingeführt wurden. Heute sieht dies völlig anders aus: 21 Kanadier, 18 Schweden und 12 Finnen sind in der National League engagiert (siehe Grafik). In früheren Jahren konnten sämtliche «Imports» aus dem Norden addiert werden und es reichte noch immer nicht, um die Kanadier zu übertrumpfen. In den letzten Jahren aber konnte der Norden betreffend der Anzahl Spieler deutlich aufschliessen.

Früher coachten mehr Trainer aus Nordamerika in der Schweiz, bilanziert EVZ-Trainer Dan Tangnes, der selbst aus Norwegen stammt. «Nun gibt es immer mehr skandinavische Coaches, weil sie in den letzten zehn Jahren sehr erfolgreich waren.» Fünf der letzten neun WM-Titel gingen an den Norden: Ab 2011 holte Schweden dreimal den WM-Titel und Finnland zweimal, gleich oft wie Kanada und Russland.

Finnen sind bekannt als Kämpfertypen

«Trainer aus dem Norden haben erfolgreiche Teams und Organisationen entwickelt. Und wenn skandinavische Trainer da sind, bringen sie ihr eigenes Netzwerk mit und das führt dazu, dass mehr Spieler aus dem Norden da sind», meint Dan Tangnes. Eine «Revolution» passiert gegenwärtig auch in der NHL. Gegenwärtig spielen dort 91 Schweden (im Jahr 2010 waren es 55 Schweden und im Jahr 2000 deren 46). Gemessen an der Grösse von Kanada und den USA seien das viele.

«Nordamerika war extrem weit voraus, in Europa fehlte es früher an Infrastruktur und Trainern», beobachtete der finnische EVZ-Verteidiger Santeri Alatalo, der eine Schweizer Lizenz besitzt. Heute beschäftigen die National-League-Teams zwei finnische, einen norwegischen, einen schwedischen und einen dänischen Trainer. Die Vielzahl der Spieler aus Nordeuropa habe laut Alatalo auch mit dem System dieser Trainer zu tun, das in der Schweiz gespielt wird. «Diese Trainer wollen Spieler, welche ihre Systeme besser spielen.» Eine Wachablösung? «Das könnte man so sagen. Momentan ist das Tempo-Hockey und Forechecking gefragt», sagt der 29-Jährige. «Finnen sind Kämpfertypen, harte Arbeiter, die nie aufgeben und immer alles geben – holt man so einen, weiss man das.»

«Skandinavien-Hockey wird besser»

Harri Pesonen, Stürmer bei den SCL Tigers, meint zum Trend: «Ein Grund für die Zunahme dieser Spieler ist, dass das Hockey in Skandinavien besser wird.» Der Weltmeister, der im WM-Final 2019 gegen Kanada seinem Team den Titel sicherte, ergänzt: «Die Informationen über Spieler sind besser erhältlich. Man vernimmt mehr Informationen von überall aus Europa. Die Schweizer Teams wissen, dass sie nicht nur nach Nordamerika schauen müssen. Früher hiess es: Er spielte in der NHL, also muss er gut sein. Nun ist das Scouten einfacher als vor zehn Jahren.» Ein Vorteil sei zudem, dass diese Spieler bereits in Europa leben und die kulturellen Unterschiede nicht so gross sind. «Für Europäer ist es hier einfacher. Nordamerikaner wissen nicht so gut, wie das Leben hier funktioniert», sagt Langnaus Topskorer.

«Die WM-Titel der letzten Jahre haben geholfen», ist Tigers-Trainer Heinz Ehlers überzeugt. Er stammt aus Dänemark und sein Assistent Rikard Franzén aus Schweden. Laut Ehlers würden momentan viele Scouts ihre Blicke nach Schweden richten. «Man sieht dort die grosse Entwicklung, auch die Finnen holen auf. Auf einem weniger hohen Niveau ist die Ausbildung in Norwegen und Dänemark», sagt der Langnau-Trainer. Der 54-Jährige hat während seiner Aktivzeit als Spieler in Dänemark und Schweden gespielt und in Schweden die Trainerlizenz gemacht. Heute ist er Trainer der dänischen Nationalmannschaft.

Nordamerikaner bleiben länger in der AHL

Der EVZ-Stürmer Erik Thorell ist mit Schweden U20-Weltmeister geworden. Er meint: «Die Schweiz verfügt über eine attraktive Liga, hier wird sehr gutes Hockey gespielt und es ist ein sehr schönes Land. Deshalb wollen viele Schweden hierher kommen.»

Ebenfalls aus dem Norden kommt Andreas Martinsen. Der EVZ-Neuzugang aus Norwegen sagt, dass Nordeuropäer nach dem Gang nach Nordamerika durchaus gewillt seien, zurück nach Europa zu kommen, unter anderem in die Schweiz. «Weil es ein sicheres Land ist, und einen hohen Lebensstandard hat», führt Martinsen aus, der schon bei Vereinen in den USA und Kanada unter Vertrag stand. «Nordamerikanische Spieler bleiben meist länger in der AHL, weil dort gute Löhne bezahlt werden.»

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Philipp Zurfluh

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