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Sie arbeitet an einer grossen Karriere

Nottwil trägt morgen die zweite Para-Junioren-WM in der Leichtathletik aus. Eine Wahlluzernerin zählt zu den Topcracks.
Stephan Santschi
Licia Mussinelli beim Training in Nottwil. Bild: Pius Amrein (26. Juli 2019)

Licia Mussinelli beim Training in Nottwil. Bild: Pius Amrein (26. Juli 2019)

Die Knie befinden sich auf einem Sitzbrett, der Oberkörper ist nach vorne gebeugt, der Rücken wird für die Stabilisation mit einem Band am Rennrollstuhl befestigt. Auf diese Weise absolviert Licia Mussinelli ihre Wettkämpfe, und wer anmerkt, dass diese Position nicht sehr komfortabel wirke, dem entgegnet die 18-jährige Solothurnerin mit italienischen Wurzeln sofort: «Nein, es ist nicht unbequem, die Haltung ist aerodynamisch. Aber klar: Wie jeder andere Sport ist es anstrengend. Am Ende brennen die Arme und die Lunge.»

Und wie in jedem anderen Sport durchströmen die Athletin Glücksgefühle, wenn sie als Siegerin über die Ziellinie fährt. So geschehen vor zwei Jahren, als die World Para Athletics Junior Championships erstmals in Nottwil ausgetragen worden sind (siehe Kasten). Über die Distanz von 1500 Metern gewann Mussinelli die Goldmedaille, über 800 Meter fuhr sie zudem auf dem zweiten Platz. Ab morgen, wenn in Nottwil auch die zweite Ausgabe der Leichtathletik-Junioren-WM im Behindertensport über die ­Bühne gehen wird, steht sie in der U20-Kategorie wiederum in fünf Disziplinen (100 m, 200 m, 400 m, 800 m, 1500 m) am Start. Zu einer klaren Zielsetzung lässt sie sich zwar nicht verleiten, «ich strebe immer nach persönlichen Bestleistungen», sagt Mussinelli, doch sie hält auch fest: «Eine Titelverteidigung wäre eine schöne Sache.»

Bewegungsmensch trotz körperlicher Behinderung

Licia Mussinelli ist eine von vier Vertretern des Schweizer Nachwuchses im WM-Teilnehmerfeld, das von insgesamt 43 Ländern bestückt wird. Starten wird sie in der Klasse T54 der Querschnittgelähmten. Licia wurde mit einer Spina bifida geboren, einem sogenannten offenen Rücken. Hierbei handelt es sich um eine angeborene Fehlbildung der Wirbelsäule und des Rückenmarks. Schon als Einjährige erhielt sie den ersten Rollstuhl. «Klar habe ich gemerkt, dass ich anders bin, ich hatte schwierige Zeiten, wie sie jeder Querschnittgelähmte hat. Im Grossen und Ganzen hadere ich aber nicht», erzählt sie.

Trotz körperlicher Behinderung war sie von klein auf ein Bewegungsmensch, «ich war oft draussen zum Spielen und bin im Rollstuhl schnell herumgefahren». Bald zeigte sich, dass sie grössere Herausforderungen braucht. Zunächst betätigte sie sich in verschiedenen Klubs polysportiv, ehe sie im Jahr 2011 den Rennsport im Rollstuhl für sich entdeckte. Wie Liebe auf den ersten Blick sei es gewesen, «die Technik, die Schnelligkeit, die Konzentration auf sich ­selber – es hat mich einfach gepackt». Durch den Sport habe sie zu mehr Selbstbewusstsein und Lebensqualität gefunden.

Grussbotschaft von ihrem Vorbild Manuela Schär

Mittlerweile lebt die Solothurnerin aus Derendingen unter der Woche in einer Wohnung in Nottwil, «irgendwann will ich fix in den Kanton Luzern ziehen», sagt sie. An den Frei’s Schulen in Luzern absolviert sie das Sport-KV, am Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil nutzt Mussinelli die Trainingsinfrastruktur und die Unterstützung der Sportmedizin. «Pro Woche trainiere ich zehn Stunden – viermal auf der Bahn und zweimal im Kraftraum.» Die Erfolge liessen nicht lange auf sich warten, an den World Junior Games gewann sie Medaillen im zweistelligen Bereich. Über allem steht bisher aber der erwähnte Sieg an der ­Junioren-WM über 1500 Meter 2017 in Nottwil.

Ihr Traum: Eine so grosse Karriere hinlegen wie die Krienserin Manuela Schär und der in Nottwil wohnhafte Thurgauer Marcel Hug. «Beide halten sich schon seit vielen Jahren an der Weltspitze, sie sind meine Vorbilder», betont Licia Mussinelli. Schär meldete sich im Vorfeld der WM per Video-Grussbotschaft und sicherte ihrer möglichen Nachfolgerin die Unterstützung vor Ort zu: «Ich werde Dir alle Daumen drücken.»

Zu Mussinellis Stärken zählen dabei die Disziplin und der Ehrgeiz, zu den Schwächen die Ungeduld. «Ich muss aufpassen, dass ich mir nicht zu viel Druck mache.» Die Paralympics 2020 kommen wohl zu früh, «die ­Elite fährt schon noch etwas schneller, als ich es tue». 2024 sei eine Teilnahme an den Olympischen Spielen der Behindertensportler aber durchaus realistisch.

325 Sportler aus 43 Ländern

Weltmeisterschaften Von morgen Donnerstag, 1. August, bis Sonntag, 4. August, finden beim Schweizer Paraplegiker-Zentrum in Nottwil die zweiten World Para Athletics Junior Championships statt. Die Premiere der Junioren-WM in der Leichtathletik des Behindertensports fand 2017 ebenfalls in Nottwil statt. Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) hatte diesen Event neu geschaffen, um den Nachwuchs zu fördern.

In diesem Jahr werden 325 Athletinnen und Athleten sowie 230 Betreuer und Guides aus 43 Ländern erwartet. Bei der Premiere vor zwei Jahren nahmen 350 Athleten aus 40 Ländern teil. Es starten sowohl Sportler im Rollstuhl als auch solche mit Amputationen, CerebralerLähmung, Seh- oder Lernbehinderungen und Kleinwuchs. Sie bestreiten in den Kategorien U18 (14- bis 17-jährig) und U20 (18- bis 19-jährig) Wettkämpfe auf der Bahn oder der Wurf- und Sprunganlage.

Die Junioren-WM ist auch ein Event für die ganze Familie. Neben den Wettkämpfen steht ein Kids- und Family-Park mit Karussell und verschiedenen Hüpfburgen zur Verfügung. Am Sonntagnachmittag können sich Kinder mit Airbrush-Tattoos verschönern oder sich von Ballon-Künstlern ein buntes Tier wünschen. Und ab Freitag gibt es zwischen 14.30 und 15.30 Uhr jeweils ein Kinderkonzert. (ss)

Programm

Donnerstag, 1. August: Öffentlicher Brunch (10 bis 13 Uhr), Eröffnungsfeier (13 bis 14.45 Uhr), Wettkämpfe (14.30 bis 19 Uhr).

Freitag, 2. August: Wettkämpfe (9 bis 13.15 Uhr und 16 bis 20 Uhr).

Samstag, 3. August: Wettkämpfe (9 bis 12.45 Uhr und 16 bis 20.30 Uhr).

Sonntag, 4. August: Wettkämpfe/Brunch (9 bis 12.30 Uhr und 15 bis 19 Uhr).

Website: www.nottwil2019.ch

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