Novak Djokovic nimmt Roger Federers Rekord ins Visier: «Das ist mein Ziel, nur das zählt»

Novak Djokovic gewinnt zum achten Mal die Australian Open und feiert seinen 17. Grand-Slam-Titel. Ab Montag ist er wieder die Nummer 1 der Weltrangliste. Roger Federer ist der Massstab, an dem er sich misst.

Simon Häring, Melbourne
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Novak Djokovic feiert seinen achten Sieg bei den Australian Open.

Novak Djokovic feiert seinen achten Sieg bei den Australian Open.

Bild: Keystone

Wenn Novak Djokovic auf dem Tennisplatz steht, dann hat er immer zwei Gegner: jenen auf der anderen Seite des Netzes, und die Geschichte. Sie ist der Grund, weshalb er spielt. Es interessiert ihn nur, der Beste zu sein - der Beste der Gegenwart, der Beste der Epoche, und der Beste, der je ein Tennisracket in die Hand genommen hat. Schon im letzten Sommer sagte er: «Ich habe genug erreicht, um von einem Moment auf den anderen aufzuhören. Doch ich tue es aus zwei Gründen nicht: Erstens macht es mir Spass, und zweitens möchte ich Geschichte schreiben. Ich möchte so viele Grand-Slam-Titel holen wie möglich, und ich möchte auch den Rekord für die meisten Wochen an der Spitze der Weltrangliste.» Beide Bestwerte hält derzeit noch Roger Federer, der 20 Grand-Slam-Titel auf sich vereinigt und die Weltrangliste während 310 Wochen anführte.

Und beide Bestwerte sind für Novak Djokovic in Griffweite. Seit 2011 dominiert der Serbe das Männertennis mit kurzen Unterbrüchen. Er hat 16 der letzten 37 Grand-Slam-Turniere gewonnen, Nadal 10, Federer 4. Mit seinem Triumph in Melbourne überholt er Nadal in der Weltrangliste und nimmt seine 276. Woche an der Spitze des Rankings in Angriff. Djokovic ist längst der Beste der Gegenwart, des letzten Jahrzehnts, wahrscheinlich sogar der Geschichte. Doch die Wahrnehmung ist eine andere, Djokovic bleibt für viele ein Mysterium. Sein verbissener Ehrgeiz, der jede Faser seines Seins durchdringt, löst befremden aus. Dabei kontrastiert das Bild des unerbittlichen Kämpfers auf dem Tennisplatz mit dem, was Novak Djokovic daneben verkörpert: Charmant, eloquent, reflektiert.

Das Grand-Slam-Titel-Rennen der Giganten

Roger Federer und Rafael Nadal sagen, sie würden aus Liebe zum Tennis und der Emotionen wegen, die sie auf dem Platz erleben, noch spielen. Djokovic hingegen sagt, auch in Melbourne: «Ja, ich will noch viele Jahre spielen. Und ja, mich interessieren vor allem die Grand-Slam-Turniere. Ich werde meine ganze Energie darauf verwenden und alles tun, was möglich ist. In diesem Jahr, aber auch im Jahr darauf.» Novak Djokovic feiert im Mai seinen 33. Geburtstag. Federer war bei seinem 17. Grand-Slam-Titel 2012 in Wimbledon 30 Jahre und 11 Monate alt, Rafael Nadal 2018 in Roland Garros 32 Jahre und 7 Tage. Federer gewann erst fünfeinhalb Jahre später seinen nächsten Major-Titel, bei Nadal war es ein Jahr. Es deutet nichts darauf hin, dass es bei Djokovic ähnlich lange dauern wird.

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