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Novak Djokovic hat eine Geheimwaffe – und sie kommt aus der Schweiz

Seit Anfang 2017 hat Novak Djokovic mit Craig O'Shannessy einen Spezialisten für Datenanalyse in seinem Betreuerstab. Der Australier bereitet den Serben mit einer Software aus der Schweiz auf den Wimbledon-Final gegen Roger Federer vor.
Simon Häring, Wimbledon
Wichtiger Bestandteil im Djokovic-Team: Craig O'Shannessy (l.). (Bild: zVg)

Wichtiger Bestandteil im Djokovic-Team: Craig O'Shannessy (l.). (Bild: zVg)

Lange stand Novak Djokovic im grossen Schatten von Roger Federer und Rafael Nadal. Er rieb sich daran auf, verzweifelte, doch zerbrochen ist der Serbe daran nicht, sondern gewachsen am Widerstand. Djokovic hat drei der letzten vier Grand-Slam-Turniere gewonnen und steht in der Weltrangliste auf Platz 1 - vor Nadal und Federer. Es ist das Resultat seiner Detailversessenheit. Nichts in seinem Leben überlässt der 32-Jährige dem Zufall. Mit eiserner Disziplin hat er seinen Körper geformt. Mit Yoga. Mit Meditation. Er stellte seine Ernährung um, verzichtet auf Lebensmittel, die Gluten enthalten. Djokovic trinkt warmes Wasser, Lakritztee, oder Proteinshakes aus Erbsen. Auf dem Speiseplan stehen neben Avocados Cashewnüsse und Manuka-Honig, der aus Neuseeland importiert wird. Inzwischen gilt Djokovic als bester Tennis-Athlet der Gegenwart, als Prototyp – drahtig, schnell, kräftig, beweglich.

Auch neben dem Platz überlässt Novak Djokovic nichts dem Zufall. Als einer der ersten Top-Spieler hat er den Wert von Datenanalyse für sich entdeckt. Seit Anfang 2017 hat der Serbe sogar einen Spezialisten in seinem Betreuerstab. Kurze Hosen, Dreitagebart, die Haare kurz geschoren, in Begleitung von zwei Jungen Frauen, in der Hand ein Bier. Wer diesen Mann an diesem Abend Ende Januar auf der Tribüne der Rod Laver Arena in Melbourne sitzen sieht, hält ihn für einen australischen Sportfan. Niemand kommt auf die Idee, dass dieser Mann derjenige ist, der in den Tagen darauf jene Strategie entwickelt, die Novak Djokovic im Final der Australian Open zu eine, 6:3, 6:2, 6:3 gegen Rafael Nadal verhilft. Nie zuvor hatte Djokovic den Spanier im Final eines Grand-Slam-Turniers dermassen deklassiert. Der Mann hinter der Strategie heisst Craig O'Shannessy und gilt als Pionier der Datenanalyse.

Australian Open: Djokovics Datensieg gegen Nadal

Novak Djokovic tut im Final der Australian Open genau das, wovon ihm jeder vernünftige Mensch abraten würde: Er spielt Nadal dauernd auf dessen stärkste Waffe, die Vorhand. Rafael Nadal gilt als bester Spieler, wenn es darum geht, die Rückhand auf seiner Einstandsseite zu umlaufen, und den Punkt Inside-Out, also aus der Rückhandseite mit der Vorhand quer gespielt, abzuschliessen. Das hat zur Folge, dass Nadal an der Grundlinie in der Regel leicht versetzt auf seiner Rückhandseite steht. Doch Djokovic macht ihm nicht den Gefallen, den Ball dorthin zu spielen. Sondern spielt mit seiner Rückhand permanent auf Nadals Vorhand auf der Vorteilsseite. Aus vollem Lauf gespielt, ist der Schlag schwieriger zu kontrollieren. Die Folge: Nadal unterlaufen zahlreiche Vorhandfehler. Als O'Shannessy im Frühling an einem Symposium in Italien erstmals auf Toni Nadal, Onkel und früher Trainer von Rafael Nadal, trifft, sagt dieser zu ihm: «Wir haben zwei Probleme: Novak und dich.»

Roger Federers Diskretion

Während über zwanzig Jahren arbeitete der Australier als Trainer in seiner Heimat und in den USA, leitete Tennis-Akademien und war als Trainer auf der Profi-Tour unterwegs. Vor viereinhalb Jahren machte er sich als Tennis-Analyst selbständig. Inzwischen arbeitet er auch für die «New York Times» , die ATP und ist Experte beim Fernsehsender von Wimbledon. Zudem hält O'Shannessy Vorträge, verkauft Studien und eine von ihm entwickelte Software an Verbände. Sein wichtigstes Instrument kommt aus der Schweiz – eine Videosoftware der in Freiburg domizilierten Firma Dartfhish. Mit dieser zerlegt er die Spiele von Djokovics Gegnern in Einzelteile, analysiert Spielmuster, die Position auf dem Platz und häufige Fehler. Daraus entwickelt er eine Strategie, die er Djokovic vor Spielen in Form eines Videobeitrags vorlegt.

Anfang Juli berichtete der britische «Telegraph», Roger Federer arbeite seit über einem Jahr mit der Firma «Golden Set Analytics» zusammen. Darauf angesprochen, versteckte sich der Schweizer indes hinter allgemeinen Formulierungen. Er lebe extrem vom Gefühl, aber seine Trainer Severin Lüthi und Ivan Ljubicic arbeiteten enger mit einem Anbieter zusammen. «Das ist ihr Part, ich mische mich nicht direkt ein.» Im Umgang mit Daten ist Diskretion Trumpf. O'Shannessy erklärte jüngst der «NZZ», sein Ziel bestehe darin, dass Djokovic vom Gegner nicht überrascht werde. Fraglich ist indessen, wie sehr Djokovic Roger Federer in ihrem dritten Wimbledon-Final-Duell nach 2014 und 2015 überhaupt noch überraschen kann. Die beiden treffen bereits zum 48. Mal aufeinander. Gegen keinen spielte Federer öfter.

2003: Federer s. Philippoussis 7:6 (7:5), 6:2, 7:6 (7:3)Auf dem Weg in den Final gibt Roger Federer nur einen Satz ab. Im Halbfinal setzt er sich klar gegen Favorit Andy Roddick durch. Schwierige Momente erlebt der Schweizer vor den Achtelfinals gegen Feliciano Lopez, als er sich wegen eines Hexenschusses behandeln lassen muss. «Für mich ist es ein Wunder, dass ich mit diesen Schmerzen gewinnen konnte.» Gegen den ungesetzten Philippoussis gewinnt Federer klar. Er sinkt in die Knie, es fliessen Tränen. «Magisch, kaum zu fassen», sagt Federer.2003: Federer s. Philippoussis 7:6 (7:5), 6:2, 7:6 (7:3)
Auf dem Weg in den Final gibt Roger Federer nur einen Satz ab. Im Halbfinal setzt er sich klar gegen Favorit Andy Roddick durch. Schwierige Momente erlebt der Schweizer vor den Achtelfinals gegen Feliciano Lopez, als er sich wegen eines Hexenschusses behandeln lassen muss. «Für mich ist es ein Wunder, dass ich mit diesen Schmerzen gewinnen konnte.» Gegen den ungesetzten Philippoussis gewinnt Federer klar. Er sinkt in die Knie, es fliessen Tränen. «Magisch, kaum zu fassen», sagt Federer.
2004: Federer s. Roddick 4:6, 7:5, 7:6 (7:3), 6:4«Als ich auf den Platz lief, hatte ich schon kalte Hände. Ich spürte, wie gut Roddick spielen würde», sagt Federer nach dem Finals. Mehrmals wird die Partie wegen Regens unterbrochen, letztmals, als Federer im dritten Satz mit 2:4 hinten liegt. In der Kabine berät er sich mit seinem Physiotherapeuten, Pavel Kovac, und Freund Reto Staubli und beschliesst, mehr Serve-and-Volley zu spielen. Die Rechnung geht voll auf. Nach dem Matchball fällt Federer wieder auf die Knie. «Ich weinte auch diesmal». Als Titelhalter und Nummer 1 der Welt habe er mehr Druck verspürt als noch im Vorjahr.2004: Federer s. Roddick 4:6, 7:5, 7:6 (7:3), 6:4
«Als ich auf den Platz lief, hatte ich schon kalte Hände. Ich spürte, wie gut Roddick spielen würde», sagt Federer nach dem Finals. Mehrmals wird die Partie wegen Regens unterbrochen, letztmals, als Federer im dritten Satz mit 2:4 hinten liegt. In der Kabine berät er sich mit seinem Physiotherapeuten, Pavel Kovac, und Freund Reto Staubli und beschliesst, mehr Serve-and-Volley zu spielen. Die Rechnung geht voll auf. Nach dem Matchball fällt Federer wieder auf die Knie. «Ich weinte auch diesmal». Als Titelhalter und Nummer 1 der Welt habe er mehr Druck verspürt als noch im Vorjahr.
2005: Federer vs. Roddick 6:2, 7:6 (7:2), 6:4«Ich brauche jetzt erst einmal ein Bier», übt sich Andy Roddick nach der zweiten Final-Niederlage in Galgenhumor. «Roger ist der Beste der Welt und wird immer noch besser.» Auf dem Weg zum Titel gibt Roger Federer nur einen Satz ab und wird der dritte Spieler nach Björn Borg und Pete Sampras, der in Wimbledon drei Mal in Folge gewinnt. «Das ist wahrscheinlich der beste Match, den ich je gezeigt habe», sagt Federer. Am Tag darauf feiern ihn 3000 Basler auf dem Marktplatz.2005: Federer vs. Roddick 6:2, 7:6 (7:2), 6:4
«Ich brauche jetzt erst einmal ein Bier», übt sich Andy Roddick nach der zweiten Final-Niederlage in Galgenhumor. «Roger ist der Beste der Welt und wird immer noch besser.» Auf dem Weg zum Titel gibt Roger Federer nur einen Satz ab und wird der dritte Spieler nach Björn Borg und Pete Sampras, der in Wimbledon drei Mal in Folge gewinnt. «Das ist wahrscheinlich der beste Match, den ich je gezeigt habe», sagt Federer. Am Tag darauf feiern ihn 3000 Basler auf dem Marktplatz.
2006. Federer s. Nadal 6:0, 7:6 (7:5), 6:7 (2:7), 6:3Federer steht im Zenit seines Schaffens. Er gewinnt zum dritten Mal in Folge mehr als zehn Turniere in einem Jahr und weist Ende Jahr eine 92:5-Siegbilanz auf. Auf dem Weg zum vierten Wimbledon-Titel gibt er nur im Final gegen seinen Erzrivalen Rafael Nadal einen Satz ab, gegen den er in diesem Jahr zuvor alle Duelle verloren hatte, unter anderem einen Monat zuvor im Final der French Open, dem ersten zwischen den beiden auf Grand-Slam-Stufe. «Es war schrecklich eng», sagt Federer nach dem vierten Triumph in Folge. Federer: «Das war das beste Grand-Slam-Turnier meiner Karriere.»2006. Federer s. Nadal 6:0, 7:6 (7:5), 6:7 (2:7), 6:3
Federer steht im Zenit seines Schaffens. Er gewinnt zum dritten Mal in Folge mehr als zehn Turniere in einem Jahr und weist Ende Jahr eine 92:5-Siegbilanz auf. Auf dem Weg zum vierten Wimbledon-Titel gibt er nur im Final gegen seinen Erzrivalen Rafael Nadal einen Satz ab, gegen den er in diesem Jahr zuvor alle Duelle verloren hatte, unter anderem einen Monat zuvor im Final der French Open, dem ersten zwischen den beiden auf Grand-Slam-Stufe. «Es war schrecklich eng», sagt Federer nach dem vierten Triumph in Folge. Federer: «Das war das beste Grand-Slam-Turnier meiner Karriere.»
2007: Federer s. Nadal 7:6 (9:7), 4:6, 7:6 (7:3), 2:6, 6:2Erneut geht Roger Federer mit der Hypothek eines kurz zuvor verlorenen French-Open-Finals ins Duell mit Erzrivale Nadal. Und erstmals muss er auch in Wimbledon ernsthaft um seine Vormachtsstellung bangen. Doch nach einem Fünfsatz-Sieg wird er zum zweiten Spieler neben dem Schweden Björn Borg, der in Wimbledon fünf Mal in Folge gewinnt. Ehrfürchtig sagt er nach dem Sieg: «Rafa wird immer besser. Ich nehme jeden Titel, den ich bekomme.» Im Publikum sitzen neben Borg John McEnroe, Jimmy Connors und Boris Becker. «Daran werde ich mich immer erinnern», sagt Federer.2007: Federer s. Nadal 7:6 (9:7), 4:6, 7:6 (7:3), 2:6, 6:2
Erneut geht Roger Federer mit der Hypothek eines kurz zuvor verlorenen French-Open-Finals ins Duell mit Erzrivale Nadal. Und erstmals muss er auch in Wimbledon ernsthaft um seine Vormachtsstellung bangen. Doch nach einem Fünfsatz-Sieg wird er zum zweiten Spieler neben dem Schweden Björn Borg, der in Wimbledon fünf Mal in Folge gewinnt. Ehrfürchtig sagt er nach dem Sieg: «Rafa wird immer besser. Ich nehme jeden Titel, den ich bekomme.» Im Publikum sitzen neben Borg John McEnroe, Jimmy Connors und Boris Becker. «Daran werde ich mich immer erinnern», sagt Federer.
2009: Federer s. Roddick 5:7, 7:6 (8:6), 7:6 (7:5), 3:6, 16:14Roger Federer erlebt den Sommer seines Lebens. Im April heiratet er seine Freundin Mirka Vavrinec, im Juni gewinnt er die French Open und komplettiert damit seinen Karriere-Grand-Slam. Im Juli überholt er in Wimbledon mit seinem 15. Major-Titel den bisherigen Rekordhalter Pete Sampras. Zwei Wochen später wird Federer Vater der Zwillingsmädchen Charlene und Myla. Er gewinnt auch den dritten Wimbledon-Final gegen Andy Roddick. Mit 4:17 Stunden ist es der längste zwischen den beiden.. Nur einmal nimmt Feder Roddick den Aufschlag ab – zum 16:14 im fünften Satz.2009: Federer s. Roddick 5:7, 7:6 (8:6), 7:6 (7:5), 3:6, 16:14
Roger Federer erlebt den Sommer seines Lebens. Im April heiratet er seine Freundin Mirka Vavrinec, im Juni gewinnt er die French Open und komplettiert damit seinen Karriere-Grand-Slam. Im Juli überholt er in Wimbledon mit seinem 15. Major-Titel den bisherigen Rekordhalter Pete Sampras. Zwei Wochen später wird Federer Vater der Zwillingsmädchen Charlene und Myla. Er gewinnt auch den dritten Wimbledon-Final gegen Andy Roddick. Mit 4:17 Stunden ist es der längste zwischen den beiden.. Nur einmal nimmt Feder Roddick den Aufschlag ab – zum 16:14 im fünften Satz.
2012: Federer s. Murray 4:6, 7:5, 6:3, 6:4Auf dem Weg zum bislang letzten Sieg in Wimbledon erlebt Roger Federer zahlreiche bange Momente. In der dritten Runde macht er einen 0:2-Satzrückstand gegen Julien Benneteau wett. In den Viertelfinals macht ihm ein blockierter Rücken zu schaffen. Im Halbfinal schaltet er Titelverteidiger Novak Djokovic aus. Im Final, der wegen Regens unterbrochen und unter geschlossenem Dach beendet wird, setzt sich Federer gegen Andy Murray durch und wird wieder die Nummer eins der Welt.2012: Federer s. Murray 4:6, 7:5, 6:3, 6:4
Auf dem Weg zum bislang letzten Sieg in Wimbledon erlebt Roger Federer zahlreiche bange Momente. In der dritten Runde macht er einen 0:2-Satzrückstand gegen Julien Benneteau wett. In den Viertelfinals macht ihm ein blockierter Rücken zu schaffen. Im Halbfinal schaltet er Titelverteidiger Novak Djokovic aus. Im Final, der wegen Regens unterbrochen und unter geschlossenem Dach beendet wird, setzt sich Federer gegen Andy Murray durch und wird wieder die Nummer eins der Welt.
2017: Federer s. Cilic 6:3, 6:1, 6:4Nach seinem Triumph bei den Australian Open und Turniersiegen in Indian Wells und Miami lässt Federer die Sandsaison komplett aus. Als er zurückkehrt,gewinnt er erst in Halle und triumphiert danach zum achten Mal in Wimbledon, aber das erste Mal, ohne ein Satz abzugeben. Bei den Männern ist er nun alleiniger Rekordsieger im Einzel. «Als ich 2001 Pete Sampras geschlagen habe, hatte ich gehofft, dass ich vielleicht irgendeinmal die Chance haben würde, im Final zu stehen, oder sogar das Turnier zu gewinnen. Aber acht Mal? Das schien unmöglich», sagt Federer. 2017: Federer s. Cilic 6:3, 6:1, 6:4
Nach seinem Triumph bei den Australian Open und Turniersiegen in Indian Wells und Miami lässt Federer die Sandsaison komplett aus. Als er zurückkehrt,gewinnt er erst in Halle und triumphiert danach zum achten Mal in Wimbledon, aber das erste Mal, ohne ein Satz abzugeben. Bei den Männern ist er nun alleiniger Rekordsieger im Einzel. «Als ich 2001 Pete Sampras geschlagen habe, hatte ich gehofft, dass ich vielleicht irgendeinmal die Chance haben würde, im Final zu stehen, oder sogar das Turnier zu gewinnen. Aber acht Mal? Das schien unmöglich», sagt Federer.
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Titel, Tränen, Rekorde: Alle acht Wimbledon-Triumphe von Roger Federer

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