Nun schlägt der Wahlluzerner Alessandro Noseda als Profi die Golfbälle ab

Seit vier Jahren spielt Alessandro Noseda für den Lucerne Golf Club. Kurz vor der Coronakrise wechselte er ins Profilager.

Stefan Waldvogel
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Weil Alessandro Noseda in Australien die Qualifikation für die höchste Tour geschafft hat, muss er seinen Status als Amateursportler abgeben.

Weil Alessandro Noseda in Australien die Qualifikation für die höchste Tour geschafft hat, muss er seinen Status als Amateursportler abgeben.

Bild: PD

«Im Vergleich zum Rest der Welt hat es Australien eher weniger hart getroffen, so blieben in meiner Region Queensland auch die Golfplätze stets geöffnet», erzählt Alessandro Noseda am Telefon. So habe er in den vergangenen Wochen praktisch normal trainieren können, ganz anders als etwa seine Kollegen in Europa. «Zu etwa 60 bis 70 Prozent trainiere ich allein, ich bin es so gewohnt und das macht mir nichts aus», sagt der 24-Jährige, der Ende August an der Bond-Universität sein Studium in International Business und Finance abschliessen wird.

Anders als beispielsweise in den USA gibt es in Australien keine College-Teams, die gemeinsam trainieren und gegen andere Universitäten spielen. «Die Privatuni gibt aber sehr viele Freiheiten, so kann ich auch mal eine Prüfung ausfallen lassen, wenn gleichzeitig ein wichtiges Golfturnier ist», erzählt Noseda. Nun wird die Balance zwischen Studium und Golf noch etwas anspruchsvoller. «Eigentlich wollte ich erst nach dem Studium ins Profilager wechseln, doch Anfang Saison habe ich die zweistufige Qualifikation für die höchste Tour hier in Australien geschafft. Damit ich dort spielen kann, musste ich meinen Amateurstatus abgeben», erläutert der Neo-Golfprofi.

Im Juni oder Juli wieder kleinere Turniere möglich

Zur Erklärung: In praktisch keiner anderen Sportart wird so klar zwischen Profis und Amateuren unterschieden wie im Golf. Amateure dürfen grundsätzlich kein Geld verdienen, allerdings werden die besten vom Verband unterstützt. «Als Profi muss ich mein Geld selber erspielen, Sponsoren suchen und noch viel mehr», sagt Noseda zur neuen Situation. Bis Ende März habe er zwei Turniere bestreiten können, dann seien die Events verschoben oder abgesagt worden. Im Juni oder Juli sollen wenigstens wieder kleinere Turniere möglich sein, hofft er.

Wie es mittelfristig weitergeht, ist derzeit ebenfalls noch etwas unklar. «Ursprünglich wollte ich nach dem Studienabschluss zurück in die Schweiz und mein Glück als Golfer in Europa versuchen, wie die meisten anderen», sagt Noseda auf eine entsprechende Frage. Das sei nun alles offen. Klar habe er «ab und zu Heimweh» und vermisse die alten Freunde. Ganz alleine ist er im Riesenland allerdings nicht. Seit zwei Jahren lebt er mit seiner australischen Freundin Olivia Jeffrey an der Gold Coast. «Das ist eine sensationelle Region mit coolen Leuten, so kann ich mir vorstellen, noch lange hierzubleiben.»

Diesen Sommer muss er wohl in Australien bleiben

Trotz der räumlichen Distanz bleibt Noseda auch dem Lucerne Golf Club treu. «Ich habe eine Zeit lang in Zug gewohnt, einen Club zum Trainieren gesucht und bin in Luzern sehr gut aufgenommen worden», erzählt der gebürtige Zürcher mit dem Tessiner Vater und der Mutter aus der Westschweiz.

Die vergangenen Jahre war er im Sommer jeweils in der Schweiz. Im Juni 2019 klassierte er sich an der Swiss Challenge in Hildisrieden im 124. und an den European Masters in Crans Montana von Ende August auf dem 155. Rang. Diesmal könnte er wohl kaum wieder einreisen. «Ich erwarte, dass Australien seine Grenzen noch länger dichthält. Da ist die Politik hier recht rigoros.»