Wieso ein Schweizer Sportreporter eine Chronik über das australische Eishockey schreibt

Seit mehr als einem Jahrzehnt wird das Schaffen australischer Teams wie den «Sydney Bears», «Adelaide Adrenaline», «Melbourne Mustangs» oder «Perth Thunder» in einem 250-Seiten-Almanach festgehalten. Herausgeber ist der Schweizer Michael Krein (41).

Interview: Daniel Gerber
Drucken
Michael Krein zeigt seinen Australien-Almanach. (Bild: PD)

Michael Krein zeigt seinen Australien-Almanach. (Bild: PD)

Michael Krein, wie kommt ein Schweizer Sportreporter dazu, ein Jahrbuch über das australische Hockey zu fertigen?

Schon als Kind sagte ich, dass ich einmal in Australien spielen werde. Ich las in einem Welt-Hockey-Almanach, dass es eine australische Nationalmannschaft gibt. Ich spielte einst beim SC Biberen in der 2. Liga und liess 2003 meine Laufbahn in Australien ausklingen. Dabei spielte ich vereinzelt mit Cracks, deren Namen ich als Kind schon gelesen hatte. Dabei entstand auch die Idee mit dem Hockey-Jahrbuch. Ich wollte ein Büchlein über das australische Hockey kaufen – doch es gab keines. Deshalb kam ich auf die Idee, selbst Daten zu sammeln. Ich hatte das 2001 bereits über die Amateurliga in der Schweiz sowie über die 2. Liga gemacht, weil es das noch nicht gegeben hatte.

Wie war das australische Hockey damals?

Es hält keinem Vergleich mit jenem von heute stand. Das Training war noch in den Kinderschuhen. Verglichen mit der Schweiz war es schwach. Mit dabei war auch ein U20-Nationalspieler, in der Schweiz hätte er in der 3. Liga gespielt. Mehrere Eishallen waren in einem wirklich schlechten Zustand. Nur die Sydney Bears verfügten über eine moderne Eishalle, das Sydney Glaciarium. Heute gibt es viel modernere Stadien.

Welche Beziehung haben Sie heute zu den australischen Clubs?

Ich habe mehr Beziehungen mit Einzelpersonen, manchmal schickt mir ein Club eine DVD oder Matchprogramme. Früher hatte der Staatsverband von New South Wales die Hockey-Statistik noch selbst gemacht, weil sie noch nicht national erfasst wurde. Dann gab es einen Brand und die Unterlagen gingen verloren. Ich konnte ihnen dann weiterhelfen, weil die Statistiken sonst nirgends aufgezeichnet worden waren. Offenbar ist mein Almanach das kompletteste Werk.

Was ist das Faszinierende am australischen Hockey?

Australien ist halt alles andere als ein Hockeyland – faszinierend ist die Leidenschaft, mit der die Australier in der Eishockeyfamilie dabei sind. Mich fasziniert, wie sie fasziniert sind. Sie spielten wegen den Eiskosten früher dreimal 15 Minuten, heute sind es zweimal 15 und einmal 20 Minuten.

Warum findet in Australien die Saison im Sommer statt?

Weil dann in Australien Winter ist. Als ich in Canberra war, musste ich zuerst warme Kleider kaufen, weil die kälteste Temperatur auch nur zwei Grad warm war. Das bietet den Vorteil, dass ein Schweizer, Kanadier oder Schwede die ganze Saison durchspielen kann. Wenn hier bei uns die Saison zu Ende geht, kann man von April bis September dort weitermachen. Pro Team sind maximal sechs Ausländer erlaubt.

Wie hoch das Niveau in der Liga?

Als Alain Riesen einmal in der Schweiz war und den SC Bern sah, rechnete er mit einer 0:20-Niederlage. Das beste Team wäre wohl vor Belp oder Rheinach klassiert. Als ich da war, hatten die besseren Clubs wohl 2.-Liga-Niveau und die schlechteren 3.-Liga-Niveau. Heute dürfte es 1.-Liga-Niveau sein. Damals war das Gefälle auch noch grösser: Der erste Block hätte in der NLB mithalten können, der dritte Block in der 3. Liga. Heute sind die Blöcke ausgeglichener.

Wie ist das Niveau der australischen Nationalmannschaft einzuschätzen?

Ein Testspiel des Nationalteams gegen den HC Vitkovice, der schon am Spengler-Cup antrat, ging nur mit 3:5 Toren verloren. Und das Penaltyschiessen gewannen die Australier. Das Spiel kam zu Stande, weil der heutige NHL-Spieler Nathan Walker – der erste aus Australien – damals noch bei Vitkovice spielte. Die Schweiz schlug Australien 1974 bei der C-WM in Grenoble mit 20:0-Toren. Das würde heute wohl nicht mehr so deutlich werden. Australien holte 2018 an der Division IIA-WM hinter den Niederländern Rang zwei.

Die australische Liga

Die Australien Ice Hockey League (AIHL) wird zum 19. Mal ausgetragen. Sie umfasst acht Mannschaften, welche die Playoff-Qualifikation vom 21. April bis 26. August austragen. Die Teams treffen viermal aufeinander, je zweimal daheim und zweimal auswärts, was 28 Matches pro Team ergibt. Am 1. und 2. September folgen die Playoff-Halbfinals (nur ein Spiel) sowie der Final (ebenfalls nur ein Spiel). Amtierender Meister ist Melburne Ice. Die erste Eishalle wurde bereits 1904 in Adelaide in Betrieb genommen.

Aktuelle Nachrichten