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OLYMPIA: Fasel zweifelt an Doping-Report

IOC-Mitglied René Fasel (66) kritisiert den Bericht über das Staatsdoping in Russland. Er vermisst Beweise und sieht im Vorgehen gegen die Russen einen politischen Hintergrund.
Klaus Zaugg, Rio De Janeiro
«Im IOC leben zu viele in einer anderen Welt.» René Fasel, IOC-Mitglied Schweiz. (Bild: Keystone / Mark Humphrey)

«Im IOC leben zu viele in einer anderen Welt.» René Fasel, IOC-Mitglied Schweiz. (Bild: Keystone / Mark Humphrey)

Klaus Zaugg, Rio de Janeiro

Der Kanadier Richard McLaren hat mit seinem Report die olympische Welt in den Grundfesten erschüttert. Auf 103 Seiten beschreibt der «McLaren-Report» das Staatsdoping in Russland. Es geht auch um Ungereimtheiten rund um die Spiele von 2014 in Sotschi. Die schweren Vorwürfe führten zur Forderung eines generellen Ausschlusses der Russen von Rio. René Fasel, das Schweizer Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), hält wenig von diesem Papier. «Ich zweifle den ‹McLaren-Report› an. Die Vorwürfe stützen sich in erster Linie auf die Aussagen eines Whistleblowers, dessen Glaubwürdigkeit nicht über alle Zweifel erhaben ist», sagt Fasel. «Ich vermisse hieb- und stichfeste Beweise. Ich bin immer noch der Auffassung, die in einem Rechtsstaat üblich ist: dass dem Angeklagten die Schuld zweifelsfrei bewiesen werden muss.» Deshalb ist Fasel gegen die Kollektivstrafe und war gegen einen generellen Ausschluss der Russen für die Spiele in Rio. «Es wäre absurd gewesen, beispielsweise die Tennisspielerinnen auszuschliessen, die während des ganzen Jahres auf der ganzen Welt unterwegs sind und x-mal kontrolliert werden.»

Wie die Inquisition

Das IOC hat es den Fachverbänden überlassen, die Russen auszuschliessen. Der Leichtathletikverband (IAAF) setzte den kollektiven Ausschluss durch. Fasel sagt: «Präsident Sebastian Coe hat in dieser Sache keine gute Figur gemacht.» Das Vorgehen gegen die Russen komme ihm vor wie die heilige Inquisition. Er moniert: «Diese Angelegenheit hat auch einen politischen Hintergrund und dient dem Interesse der angloamerikanischen Welt. Sport war halt schon immer auch Politik.» Welches sind nun die Konsequenzen aus der Affäre? Wie geht es im Kampf gegen Doping weiter? «Das Doping-Problem ist so komplex, dass es keine einfachen Lösungen gibt», betont Fasel.

«Kleine Probleme»

In Rio gibt es inzwischen von IOC-Vertretern Kritik an den Organisatoren. Die leeren Plätze in vielen Stadien sind längst ein Thema bei den IOC-Offiziellen. Sie sehen eine Gefahr für ihr Premiumprodukt. Fasel teilt die Kritik nicht. «Die Klagen kann ich nicht nachvollziehen. Natürlich gab und gibt es Probleme. Aber es sind kleine Unzulänglichkeiten. Da wird gejammert, wenn er eine halbe Stunde irgendwo auf einen Transport warten muss. Im IOC leben zu viele in einer anderen Welt und wissen gar nicht mehr, wie die Wirklichkeit solcher Spiele ist», so Fasel. «Wir sind hier in Südamerika und nicht in London. Es ist ganz normal, dass bei gewissen Wettkämpfen die Stadien leer bleiben. Die Leute kaufen doch keine Eintrittskarten, um Sportarten zu sehen, die sie nicht kennen und die in Brasilien keine Tradition haben.»

Bekennender Freund der Russen

René Fasel sitzt noch bis zum Ende dieser Spiele im IOC-Exekutivrat, dann verlässt er nach acht Jahren turnusgemäss die «Sport-Weltregierung». Zwei Hintergründe helfen, seine kritischen Worte einzuordnen. Er ist von den hohen IOC-Herren wahrscheinlich der authentischste. Um sportpolitische Korrektheit kümmert er sich schon lange nicht mehr. Fasel ist ein bekennender Gegner von IOC-Präsident Thomas Bach. Er hatte dem Deutschen vor der Wahl zum IOC-Vorsitzenden offen gesagt, er werde nicht für ihn stimmen. Nun haben sich die beiden kürzlich bei einer langen Aussprache in Lausanne offiziell versöhnt. Fasel macht sich keine Illusionen. «Einer wie Thomas Bach vergisst nie.»

Fasel steht dazu, dass er den Russen nahesteht. Er hat eine hohe Affinität für die russische Kultur und hat sich nie um den russlandfeindlichen Mainstream gekümmert.

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