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OLYMPIA: Volunteers werfen den Bettel hin

Rio hat ein Problem mit den freiwilligen Helfern. Tausende sind nicht erschienen oder haben den Dienst quittiert. Auch Schweizer sind darunter. Ein Luzerner Volunteer macht Sprachbarrieren geltend.
Nicole Meier (sda), Rio De Janeiro
Nicht im Dienst: Eine freiwillige Helferin macht es sich in Rio auf einem olympischen Ring bequem. (Bild: EPA/Sergei Ilnitsky)

Nicht im Dienst: Eine freiwillige Helferin macht es sich in Rio auf einem olympischen Ring bequem. (Bild: EPA/Sergei Ilnitsky)

Nicole Meier (sda), Rio de Janeiro

Sie kontrollieren Eintrittskarten, geben Auskunft über Busfahrpläne oder schrubben Spielfelder nach dem Regen trocken: die freiwilligen Helfer an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro. 50 000 wurden rekrutiert, 10 Prozent sind Nichtbrasilianer aus rund 160 Ländern. Nun hat Rio ein Problem. Tausende Volunteers sind nicht zu ihrem Dienst erschienen, wie die deutsche Agentur DPA unter Berufung auf lokale Medien berichtet. Und etwa 30 Prozent gehen ihren Aufgaben nicht nach. Genaue Zahlen gibt es keine. Laut einem Sprecher der Organisatoren haben vor allem in den ersten drei Tagen der Spiele viele aufgegeben, weil sie sich nicht von verärgerten Besuchern beschimpfen lassen wollten und auch sonst einiges nicht klappte. Die Freiwilligen bekommen kein Geld, sie können aber gratis essen und den Nahverkehr nutzen.

Keine Ahnung vom Segeln

Auch Schweizer haben den Dienst quittiert. «Nach drei Tagen hatte ich genug», sagt Sämi in Rio. Der junge Luzerner war für die Eingangskontrolle im Olympia-Park eingeteilt. Wegen Sprachbarrieren hat er von den Instruktionen kaum etwas mitbekommen und hatte das Gefühl, «eher eine Hürde als eine Unterstützung» zu sein. «Kommt hinzu, dass man bis zum Parkplatz alles selber zahlen muss.» Das war dann unter dem Strich zu viel.

Sämi ist am Abend von Giulia Steingrubers Medaillenfeier im House of Switzerland. Wie schon bei den Feiern für Heidi Diethelm Gerber, Fabian Cancellara und Timea Bacsinszky/Martina Hingis ist auch Anne-Rose Gottier hier. Die Freiwillige aus Grindelwald ist für das Segeln eingeteilt. Sie steht nach wie vor im Einsatz, hat aber ebenfalls schwierige Momente erlebt.

In ihrer Gruppe waren am Anfang zehn Volunteers aus sieben Ländern eingeteilt. Eines Tages waren es noch sieben und später gar nur noch vier. «Die Teamleaderin hat mich am Abend aufgelöst angerufen und gefragt, ob ich am nächsten Tag einspringen könne, obwohl ich eigentlich frei hatte», erzählt sie. Gottier hatte bereits in der «Berner Zeitung» über ihre Abenteuer berichtet: von der Teamleaderin, die «total entsetzt» war, dass die Schweizerin nichts vom Segeln versteht, oder von Verspätungen und Sprachbarrieren. Inzwischen ist das Team mit neuen Kollegen wieder komplett.

Per du mit Bundesrat «Guy»

Die erfreulichen Begegnungen machen den Ärger für Gottier aber längst wett. Sie gratuliert Medaillengewinnern, trifft Musiker und spricht mit Bundesräten. Im House of Switzerland sind alle per du, sagt sie. Auch Sportminister Parmelin habe das sofort begriffen: «Er sagte zu mir ‹Ich bin Guy›.» Wie viele Schweizer insgesamt als Volunteers in Rio sind, ist unklar. Es gibt keine aufgeschlüsselte Statistik, wie OK-Sprecher Philip Wilkinson sagte.

Veranstalter räumen Probleme ein

Denjenigen Freiwilligen, die aufgegeben haben, dürfte es ähnlich ergangen sein wie dem Luzerner Sämi. Die Organisatoren räumten ein, dass es vor allem zu Beginn Transport- und Verpflegungsprobleme gab sowie lange Wartezeiten an den Eingängen, weil Sicherheitspersonal fehlte. Zudem waren zahlreiche Freiwillige überfordert und gaben falsche Auskunft, weil sie zu wenig gut ausgebildet wurden.

Ein Sprecher in Rio lobte die Helfer dafür, dass sie «brasilianische Flexibilität» zeigten und schnell auf Probleme reagierten. An die 100 Volunteers waren durchaus erfinderisch: Sie warfen den Bettel hin und gaben ihre Olympia-Akkreditierungen an andere Personen weiter. Ausbaden darf das nun das Militär, das zu verschärften Kontrollen an den Eingängen der Sportstätten angehalten wurde.

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