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PACEMAKER: Präzise wie eine Uhr

Sascha Gwerder ist seit dem ersten Marathon 2007 in Luzern als Pacemaker unterwegs. Der Urner sieht sich in dieser Rolle als Dienstleister, interpretiert sie aber auch in diesem Jahr weit über die eigentliche Aufgabe hinaus.
Roland Eggspühler
Zuversichtlich: Pacemaker Sascha Gwerder vor dem Start. Bild: Boris Bürgisser

Zuversichtlich: Pacemaker Sascha Gwerder vor dem Start. Bild: Boris Bürgisser

Die Halbmarathon-Pacemaker sind mit blauen Ballonen gekennzeichnet und ziehen stets eine bunte Traube Läuferinnen und Läufer nach, welche die auf den Ballonen notierte Laufzeit anvisieren. Sie vertrauen ihrem Pacemaker, dass er sie in dieser Zeit ins Ziel führt. Im Fall von Sascha Gwerder waren es gestern die magischen 90 Minuten für den Halbmarathon – diese Zeit stellt für ihn persönlich keine Schallmauer dar, sehr wohl aber für die Dutzenden von Teilnehmenden, welche auf den 21,1 Kilometern die Tuchfühlung zum laufsportbegeisterten Urner suchten.

«Selber darf man nicht am Limit laufen, sondern muss immer genügend Reserven haben», erklärt er und verweist auf die für diese Aufgabe so wichtige Erfahrung: «Ein gutes Tempogefühl hast du nicht von heute auf morgen. Das Tempo im Griff zu haben, ist das Wichtigste als Pacemaker. Das gibt dir die Sicherheit und Ruhe, die sich auf die Läuferinnen und Läufer um dich herum überträgt. Aber den Clown machen darfst du während dem Lauf natürlich nie, das kommt nicht gut an.»

Auf dem Weg ein paar lockere Sprüche

Auf dem Weg in seinen Startblock und in der Viertelstunde vor dem Start schüttelt Sascha Gwerder unzählige Hände. Man kennt ihn, vom Vorjahr oder von anderen Wettkämpfen, und man schätzt ihn – das ist offensichtlich. «Es sind alle ein bisschen angespannt», stellt der Pacemaker fest und zerstäubt die Adrenalinwölkchen mit ein paar lockeren Sprüchen.

Der wenige Minuten vor dem Start kollabierende Startbogen lockert die Situation zusätzlich auf, die Nervosität verlagert sich zu den Organisatoren, die das Problem sehr schnell lösen müssen. Nach dem Startschuss läuft Sascha Gwerder in einer Pace von 4 Minuten und 15 Sekunden pro Kilometer. Er hält sich stets auf der Aussenseite auf, so dass den Athletinnen und Athleten die Ideallinie zur Verfügung steht und sie nicht von den Pacemaker-Ballonen gestört werden.

Im Tribschengebiet, wo sich das Feld bereits ordentlich in die Länge gestreckt hat, drückt er leicht aufs Gaspedal – denn in den beiden Anstiegen nach dem Schönbühl und vor Kastanienbaum wird das Tempo aus topografischen Gründen stets etwas langsamer. «Wir sind gut auf Kurs, laufen wir locker weiter», ruft er seinen «Followern» nach der Verpflegung in Kastanienbaum zu und informiert sie: «Jetzt geht es eine Zeit lang leicht runter!» Dem See entlang pendelt sich das Tempo bei den anfänglich eingeschlagenen 4:15 Minuten pro Kilometer ein.

In Horw besorgt Sascha Gwerder beim Urner Verpflegungsstand Coca-Cola und bringt die Fläschchen im Stile eines Wasserträgers an seine Läuferinnen und Läufer. «Rund um die Verpflegungsstände passe ich das Tempo immer so an, dass alle genügend Zeit zum Verpflegen haben, wir aber in Bezug auf die anvisierte Zeit auf Kurs bleiben», erklärt Sascha Gwerder auf dem Weg zur Luzerner Allmend.

Begeistert von der Stadionpassage

Dass der Lauf durch die Swissporarena führt, gefällt dem Pacemaker besonders. Er saugt die Stimmung auf und freut sich über die fachkundigen Kommentare von Stadionspeaker Thomas Erni, der an früheren Halbmarathons jeweils selber unter den Teilnehmenden war. Am Verpflegungsstand hinter den Messehallen (und ein paar Kilometer später beim EWL-Gebäude) stellt Sascha Gwerder seine Dienstleisterqualitäten abermals unter Beweis. Einer bringt seinen Gel-Beutel nicht auf, die flinken Urner Hände lösen das Problem im Handumdrehen.

Nun sind es noch gut vier Kilometer bis ins Ziel, und dem aufmerksamen Auge des Pacemakers ist nicht entgangen, dass die Beine der Läuferinnen und Läufer immer schwerer werden. Er gibt ein paar laufstilistische Tipps: «Wenn du mit den Armen schneller schwingst, werden die Beine automatisch schneller!» Die Stimmung im KKL und auf der Altstadtschlaufe verleiht allen Flügel.

Als die Publikumsreihen nach dem Schweizerhofquai etwas dünner werden, motiviert Sascha Gwerder ganz gezielt zum Durchhalten. Bei Kilometer 20 schaut er auf die Uhr und lächelt: «Wir sind auf die Sekunde genau auf Kurs!» Auf den letzten 500 Metern zerstreut sich seine Gruppe, einer setzt zu einem fulminanten Endspurt an, andere kämpfen sich mit den letzten Energiereserven ins Ziel.

Sascha Gwerder läuft in 1:29:52 Stunden ein und hat seine Aufgabe mit Bravour erfüllt.

Roland Eggspühlersport@luzernerzeitung.ch

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