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American Football: Die «Green Bay Packers» machen die Hundert voll

Die Green Bay Packers sind der aussergewöhnlichste Profiklub in Nordamerika: Sie gehören keinem Investor, haben dafür 361060 Aktionäre. Mit einem Sieg sind sie in die 100. Saison gestartet.
Thomas Häberlein (SID)
Jubel zum 100. Saisonstart: Die Green Bay Packers gewinnen gegen Tennessee, Joel Bouagnon (Mitte) lässt sich feiern. (Bild: Stacy Revere/Getty (Green Bay, 9. August 2018))

Jubel zum 100. Saisonstart: Die Green Bay Packers gewinnen gegen Tennessee, Joel Bouagnon (Mitte) lässt sich feiern. (Bild: Stacy Revere/Getty (Green Bay, 9. August 2018))

Die kleine Stadt Green Bay liegt, wie sollte es anders sein, an der Green Bay, einem grossen Anhängsel des Lake Michigan, 300 Kilometer nördlich von Chicago. Laut der letzten Volkszählung wohnen dort um die 105000 Menschen, nicht viel im Vergleich: 271 Städte in den USA sind grösser. Green Bay im US-Bundesstaat Wisconsin ist freilich einzigartig – wegen der Packers, die am Donnerstag in ihre 100. Saison starten.

Das Spiel gegen die Tennessee Titans, das am Donnerstag stattfand und die Packers mit 31:17 für sich entschieden, war nur ein Preseason Game, also ein Test für die am zweiten September-Wochenende beginnende Regular Season. In Green Bay spielt das keine Rolle. Das Lambeau Field mit seinen 81411 Plätzen war ausverkauft, wie immer seit 1960, auf der Warteliste für die Dauerkarten stehen 133702 Namen. Die Anhänger nennen sich selbstironisch «Käseköpfe», auf dem Kopf tragen sie riesige Käsestücke aus Schaumstoff.

Benannt nach dem Arbeitgeber

Begonnen hat das alles am 11. August 1919, als «Curly» Lambeau und George Whitney Calhoun eine Football-Mannschaft gründeten – mit 500 Dollar Startkapital von der Indian Packing Corporation, Lambeaus Arbeitgeber. Einzige Bedingung: Die Mannschaft sollte Packers heissen. Kein Problem. Die Packers spielten zunächst als unabhängige, liga­ungebundene Mannschaft, 1921 dann traten sie der National Football League (NFL) bei.

Im Football hat es Green Bay in den vergangenen 99 Jahren zur «Titletown USA» gebracht: 13-mal gewannen die Packers den Titel der NFL, 1967 und 1968 zudem die ersten beiden Super Bowls gegen den Champion der American Football League (AFL), nach der Fusion beider Ligen 1970 noch zwei weitere, 1997 und 2011. Dazwischen standen die Packers immer mal wieder vor dem Kollaps, jedes Mal wurden sie von ihren unerschütterlichen Anhängern gerettet.

Und das macht die Packers so einzigartig: Bis heute gehören sie keinem milliardenschweren Besitzer oder einer Investorengruppe. Sie sind vielmehr das Eigentum von derzeit 361060 Aktionären, die mittlerweile 5011557 Anteilsscheine halten. Keiner darf dabei mehr als 200000 besitzen. Es gibt kein Stimmrecht, keine Gewinnausschüttung. Beim letzten Verkauf 2011 wurden 269640 Aktien ausgegeben, der Klub nahm 67407750 Dollar ein. «Ich glaube, wir sind die grösste Geschichte im Sport. Wir sind einzigartig. Dieses Team lag andauernd auf dem Totenbett. Keiner hat eine Geschichte wie wir», sagt Cliff Christl, der Historiker der Packers. Vor allem hatte keiner Vince Lombardi. Er übernahm die Packers 1959 als Chefcoach, machte sie richtig gross. Bis zu seinem Abschied 1967 gewann «The Pack» fünfmal den Titel der NFL – und die ersten beiden Super Bowls. Lombardi, 1970 im Alter von 57 Jahren verstorben, ist nicht nur wegen seiner Erfolge eine Legende. Er war unerbittlich zu den Spielern, war vor allem ein Mann mit Prinzipien: Er verlange «Nothing but Acceptance» – also bedingungslosen Respekt gegenüber allen Menschen, er selbst machte sich stark für Schwarze und Homosexuelle. Im Jahr von Lombardis Tod wurde die Trophäe für den Super-Bowl-Sieger nach ihm benannt.

Derzeit wichtigster Packer ist Quarterback Aaron Rodgers. Er gilt als Nachfolger von legendären Anführern wie Bart Starr und Brett Favre – und ist der entscheidende Mann beim Versuch, die 100. Saison erfolgreich zu beenden. Erfolgreich heisst: Sieg im 53. Super Bowl am 3. Februar 2019 in Atlanta. In Green Bay würden mehr Menschen feiern, als es Einwohner gibt.

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